KANTON ST.: Die Kirche fragt nach dem Wohlbefinden

Gallen Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen macht mit der Visitation alle zehn Jahre eine Bestandesaufnahme. Die Synode, das Kirchenparlament der Evangelisch-reformierten Kirche, berät den dazugehörigen Bericht am nächsten Montag.

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«Wie geht’s?», lautete die Frage, die der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St. Gallen im letzten Jahr immer wieder stellte. «Recht gut», antworteten die meisten. Grund für die Frage ist die alle zehn Jahre stattfindende Visitation: Einmal pro Dekade geht der Kirchenrat hinaus in die Gemeinden, um den Puls zu fühlen. Bei den aktuellen Besuchen wollte er vor allem wissen, wie es um das Wohl der Mitarbeitenden steht. Zudem hat er mit den Kirchenvorsteherschaften über ihre Aufgaben und Strukturen gesprochen, in denen sie tätig sind.

Milizsystem stösst an Grenzen

Die Antworten sind nun im rund hundert Seiten dicken Visitationsbericht nachzulesen. Fazit: Die allgemeine Zufriedenheit der Mitarbeitenden der St. Galler Kirche ist hoch. So schätzen sie etwa ihre Arbeit als interessant und vielfältig ein und sind überzeugt, einen wichtigen gesellschaft­lichen Beitrag leisten zu können. Zudem nehmen sie ihren Arbeitgeber als fortschrittlich und fair wahr. «Vor dem Hintergrund des Strukturwandels ist es wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einem guten Umfeld tätig sein können», sagt Martin Schmidt, Präsident des Kirchenrates der Evangelisch-reformierten Kirche. «Gerade sie bekommen Veränderungen wie Kirchenaustritte, Fusionen oder sich stetig wandelnde Ansprüche zu spüren».

Auch zeigt die Umfrage, dass Handlungsbedarf besteht. So werde es beispielsweise immer schwieriger, geeignetes Personal und genügend Behördenmitglieder zu finden. Zu fragen sei in diesem Zusammenhang, ob das Milizsystem an seine Grenzen stösst, sagt Schmidt. «Ist es noch zeitgemäss, dass ein Laiengremium – wie die Vorsteherschaft eines ist – die Gemeinde führt?» Zudem stiessen Behördenmitglieder und Mitarbeitende immer häufiger an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. «Die verstärkt auftauchenden ­Erschöpfungserscheinungen bei Mitarbeitenden machen mir ­Sorge», so Schmidt.

Decken sich Angebote mit Bedürfnissen?

Ein weiteres Thema, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage immer wieder angesprochen haben, ist die Aussenwahrnehmung ihrer Tätigkeit. So müsse sich die Kirche besser in der Öffentlichkeit präsentieren, lautet eine der Forderungen. Auch gelte es, die Bedürfnisse der Kirchenmitglieder ernst zu nehmen. Hier steht die Frage im Zentrum: Deckt sich das Angebot der Kirchgemeinden mit den Bedürfnissen ihrer Mitglieder? Der Visitationsbericht gründet auf den Gesprächen mit allen Kirchenvorsteherschaften der vierzig Kirchgemeinden im Kanton. Zudem be­teiligten sich 594 Mitarbeitende und Behördenmitglieder an einer Online-Umfrage. Literatur­recher­che und Experteninterviews runde­ten die Untersuchung ab. (kid/ack)