KANTON ST.: Allzu oft eskaliert der Streit in einem Haushalt

Gallen Die Stadt- und Kantonspolizei hat 2016 1036-mal wegen häuslicher Gewalt interveniert.

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Die Fälle von häuslicher Gewalt haben sich im Kanton St. Gallen auf hohem Niveau von rund 1000 Fällen stabilisiert. Im Jahr 2014 kam es zu 966 Einsätzen der Stadt- oder der Kantonspolizei St. Gallen wegen häuslicher Gewalt, ein Jahr später waren es 1021 und im vergangenen Jahr 1036 Einsätze, wie die St. Galler Staatskanzlei in diesen Tagen mitteilt. Paare, Familien, Angehörige oder Nachbarn wandten sich wegen häuslicher Gewalt oder wegen eskalierender Streitigkeiten an die Notrufzentrale, um die Polizei zu Hilfe zu rufen.

Die Betroffenen wollten damit erreichen, dass die Eskalation eingedämmt wird und die Gewalt aufhört.

Wegweisungen und Gewahrsam

Viele Betroffene verzichten darauf, einen Strafantrag zu stellen, wie es in der Medienmitteilung weiter heisst. In zwei Dritteln der Fälle kam es zu einer Anzeige. Zu Gewalt kam es häufig in Partnerschaften; zum Teil waren die ­Paare zum Zeitpunkt der Polizeiintervention in Trennung. Wiederholte Tätlichkeiten, einfache Körperverletzungen oder schwere Drohungen werden bis zu einem Jahr nach der Trennung von Amtes wegen verfolgt.

Bei ernsthafter Gefährdung durch häusliche Gewalt kann die Polizei zudem die Gewalt ausübende Person aus der Wohnung wegweisen und die Rückkehr für zehn Tage verbieten.

57 Wegweisungen mit Rückkehrverbot waren im vergangenen Jahr nötig, 25-mal wurde eine Person in Polizeigewahrsam genommen, und in 27 Fällen verfügte die Staatsanwaltschaft Festnahmen.

Vorreiterrolle seit dem Jahr 2003

Der Kanton St. Gallen hat im Jahr 2003 eine Vorreiterrolle bei der Bekämpfung der häuslichen Gewalt übernommen, indem er als erster Kanton in der Schweiz polizeiliche Massnahmen (Wegweisung und Rückkehrverbot) gegen häusliche Gewalt ins Polizeigesetz aufgenommen hat. Damit wurde konsequent der Paradigmenwechsel bei häuslicher Gewalt durchgesetzt.

Unter dem Motto «Wer schloht, de goht» wurde im Kanton der Schwerpunkt darauf gelegt, Täter zur Verantwortung zu ziehen und nicht mehr ausschliesslich die gewaltbetroffenen Personen darin zu unterstützen, beispielsweise im Frauenhaus Schutz und Sicherheit zu suchen. (sda)