Kanton baut Frühförderung aus

Im Kanton St. Gallen soll die Frühförderung ausgebaut werden. Dazu will der Kanton 30 Massnahmen umsetzen. Einbezogen werden auch die Gemeinden.

Andreas Kneubühler/sda
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Zwei Millionen Franken mehr für die Frühförderung. (Bild: Urs Jaudas)

Zwei Millionen Franken mehr für die Frühförderung. (Bild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. «Kinder kommen mit sehr unterschiedlichen Rucksäcken in die Schule», erklärte Bildungschef Stefan Kölliker vor den Medien. Die Unterschiede seien teilweise frappant. Eine Angleichung der Startchancen beim Schuleintritt ist deshalb eines der Ziele eines neuen Frühförderkonzepts, das gestern vorgestellt wurde. Die Eckpunkte: Ausgearbeitet wurden 30 Massnahmen, die der Kanton in den nächsten fünf Jahren umsetzen wird. Dazu kommen Handlungsempfehlungen an die Gemeinden.

Mehr Mittel für den Aufbau

Bisher hatte der Kanton für die Unterstützung von Eltern mit kleinen Kindern jährlich 1,1 Millionen Franken ausgegeben. In den nächsten fünf Jahren sollen es für den Ausbau des Angebots jährlich zwei Millionen mehr sein. Das Geld wird dem Lotteriefonds entnommen. Der Fonds sei auch für Soziales vorgesehen, es gebe deswegen keine Abstriche bei der Kulturförderung, versicherte Regierungsrat Martin Klöti. Dem Projektkredit muss der Kantonsrat im November noch zustimmen. «Überall, wo wir früh in die Kinder investieren, sparen wir später Kosten», warb Kölliker und verwies auf das kürzlich verabschiedete Konzept für Sonderpädagogik.

Kaffee, Gipfel, Krabbelgruppen

Im Förderkonzept geht es um den Aufbau von niederschwelligen Grundangeboten, um Vernetzungen und verbesserte Informationen. Zu den konkreten Massnahmen gehört etwa der Aufbau von Familienzentren in den Gemeinden. Dort gehe es nicht um Therapien, sondern eher um Krabbelgruppen: «Kaffee, Gipfel, miteinander reden», umschrieb Thomas Rüegg, Vertreter des Schulträger- und des Gemeindeverbandes, das Angebot. Geplant ist weiter ein Ausbau der Mütter- und Väterberatung sowie der Elternbildung. In den Gemeinden soll ein Grundangebot an Betreuungsmöglichkeiten, etwa von Spielgruppen, vorhanden sein. Im Katalog finden sich auch kleine Massnahmen: Etwa, dass die Gemeinden die Pro-Juventute-Elternbriefe finanzieren. «Sie werden von den jungen Eltern gelesen», versicherte Andrea Lübberstedt, Leiterin des Amtes für Soziales.

Anreize und Werbung

Mit Anreizen, mit vernetzten und vor allem niederschwelligen Angeboten, aber auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda sollen möglichst alle Eltern von den Angeboten der Frühförderung erfahren – und davon profitieren können. Die Werbung dafür beginne schon nach der Geburt im Spital, kündigte Gesundheitschefin Heidi Hanselmann an. Junge Eltern seien interessiert und offen und wollten nur das Beste für ihr Kind. Sie sollen auf die Angebote neugierig gemacht werden.