Kaiserschnitt immer beliebter

Immer mehr Kinder kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Die Geburtenrate stagniert jedoch seit Jahren. Wo liegen die Gründe für den Anstieg? Der W&O hat sich in der Frauenklinik des Spitals Grabs auf die Suche nach Antworten gemacht.

Mirja Keller
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Kaiserschnitt oder natürliche Geburt? Eine vieldiskutierte Frage. (Bild: fotolia)

Kaiserschnitt oder natürliche Geburt? Eine vieldiskutierte Frage. (Bild: fotolia)

GRABS. In der Schweiz wird jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht – Tendenz steigend. Im Vergleich dazu befindet sich die Geburtenabteilung des Spital Grabs unter dem kantonalen und schweizerischen Durchschnitt: Hierzulande wird nur jedes fünfte Kind per Bauchschnitt geboren. Ein Trend hin zu Kaiserschnitt-Entbindungen macht sich aber auch hier bemerkbar.

«Anstieg nicht verhinderbar»

Gemäss Cora Vökt, leitende Ärztin der Frauenklinik Grabs, lässt sich ein leichter Anstieg nicht verhindern: «Die Frauen werden tendenziell älter, wenn sie ihre Familienplanung umsetzen und erleben häufiger komplizierte Schwangerschaften». Hat eine werdende Mutter schon einmal per Kaiserschnitt entbunden, ist ausserdem die Wahrscheinlichkeit grösser, dass es bei einer erneuten Schwangerschaft wieder dazukommt um beispielsweise ein Reissen der Kaiserschnittnarbe abzuwenden.

Frage des Lifestyles?

Dass die Kaiserschnittrate trotz stagnierender Geburtenzahlen stetig zunimmt, hat offenbar mehrere Gründe. Lange Zeit galt die Entbindung per Kaiserschnitt als sicherste Methode für das Kind. Schwangere Frauen wollen deshalb oft per Kaiserschnitt gebären, um ihr Kind nicht zusätzlichen Risiken auszusetzen. Die neuste Forschung zeigt nun aber, dass Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, öfter Anpassungsstörungen in den ersten Stunden nach der Geburt zeigen.

Wie Cora Vökt weiter erklärt, könnte die Kaiserschnittgeburt auch Spätfolgen für ein Kind haben. Die Forschung zu diesem Thema stecke aber noch in den Kinderschuhen. Auch der Lifestyle werdender Eltern kann für einen Wunschkaiserschnitt ausschlaggebend sein: «Die zeitliche Planbarkeit eines Kaiserschnitts kann dem ungewissen Entbindungszeitpunkt bei einer natürlichen Geburt vorgezogen werden», so Vökt.

Medizinische Gründe

In bestimmten Fällen ist das Gebären per Kaiserschnitt medizinisch gesehen die beste Alternative zum natürlichen Weg. Eine Querlage oder Erkrankung des Kindes sowie eine Herz- oder Atemschwäche der Mutter können mögliche Gründe dafür sein. Gemäss Cora Vökt kann es auch während einer natürlichen Geburt zu Komplikationen kommen, so dass ein Notfallkaiserschnitt durchgeführt werden muss.

Finanzielle Anreize

Die Beratung von schwangeren Frauen zum Kaiserschnitt kann sehr unterschiedlich ausfallen: Sind die Faktoren, die für einen Kaiserschnitt oder für eine natürliche Entbindung sprechen, nicht eindeutig, entscheidet die Erfahrung des Gynäkologen beziehungsweise der Gynäkologin. Es bleibt ein gewisser Spielraum, der verschieden ausgereizt wird: «Das Spektrum reicht von der primären Empfehlung zur vaginalen Geburt bis hin zur grosszügigen Propagierung der Kaiserschnittentbindung», kennt Cora Vökt das Vorgehen gewisser Kollegen.

Zweitmeinung einholen

Dass es Frauenärzte geben soll, die aus finanziellen Anreizen eher zu Kaiserschnittgeburten raten, ist der leitenden Ärztin zufolge nicht von der Hand zu weisen, denn ein Kaiserschnitt ist die lukrativere Entbindungsart: «Es erstaunt nicht, dass die Kaiserschnittrate bei Privatpatientinnen signifikant höher ist als bei allgemein versicherten Frauen.»

Es empfiehlt sich deshalb, bei Unsicherheiten und Zweifeln nach einer Beratung eine Zweitmeinung einzuholen.

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