Jedes dritte Velo sieht man kaum

Velofahrende Kinder gehören zu den schwächsten Verkehrsteilnehmern. Trotzdem sind viele in der Dämmerung und in der Dunkelheit zu wenig beleuchtet. Die Ausreden der Schülerinnen und Schüler sind mannigfaltig.

Alexandra Gächter
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Auch in der Dämmerung wird ein Fahrrad nur mit korrekter Beleuchtung gut gesehen. (Bild: Heini Schwendener)

Auch in der Dämmerung wird ein Fahrrad nur mit korrekter Beleuchtung gut gesehen. (Bild: Heini Schwendener)

REGION. Mittwochmorgen, etwas vor 7 Uhr: Eine Gruppe Oberstufenschüler fährt mit ihren Fahrrädern von Sennwald Richtung Salez. Nur einer der Gruppe fährt mit Licht. Eine Szene, die man in der dunklen Jahreszeit leider öfter beobachten kann. Auch wer in Buchs zur Dämmerungszeit unterwegs ist, muss sich auf Fahrradfahrern ohne ausreichende Beleuchtung gefasst machen.

Schwache Verkehrsteilnehmer

Martin Grob, Chef der Polizeistation Gams sagt, dass es im zuständigen Gebiet ihrer Station – also Gams, Sennwald, Grabs und im Obertoggenburg – immer wieder Kinder hat, die mit nicht funktionstüchtigen Fahrrädern unterwegs sind. «Für uns ist das befremdend, da sie die schwächsten Verkehrsteilnehmer sind», so Grob. Er wünsche sich, dass alle Eltern die Fahrräder ihrer Kinder überprüfen würden – vor allem bezüglich einer ausreichenden Beleuchtung.

Da auch den Schulen viel daran liegt, dass ihre Schülerinnen und Schüler sicher unterwegs sind, bieten sie die örtliche Polizei auf, die Fahrräder der Kinder zu kontrollieren. Meist finden diese Kontrollen in den 1. bis 5. Klassen statt. «Jeder Schüler und jede Schülerin geht aus dem Schulzimmer und führt dem Polizisten sein/ihr Velo vor», sagt Grob. Der Polizist richte sein Augenmerk vor allem auf die Bremsen und das Licht. Beanstandet er etwas, erhält das Schulkind ein Schreiben an die Eltern. Innerhalb einer Frist müssen diese das Fahrrad sicherheitstechnisch aufrüsten. «Die Kinder zeigen sich ob der Kontrolle sehr froh», sagt Grob.

«Wir wollen keine Unfälle»

Nach Ablauf der Frist überprüfen die Schulen, ob die Eltern die Bremsen und das Licht ersetzt haben. «95 bis 98 Prozent der Fahrräder sind danach in Ordnung», so Grob.

Nach dem Schulbesuch führe die Polizei während der Dämmerung gezielt und unangekündigt Kontrollen auf den Schulwegen durch. «Jedes dritte bis vierte Velo weist dabei Mängel bei der Beleuchtung auf», sagt Grob. Die Ausreden der Schülerinnen und Schüler seien mannigfaltig. «Da wir keine Unfälle mit Kindern wollen, schicken wir die Fehlbaren einen Nachmittag nach Mels zu einer Verkehrsschulung. Dort wird ihnen gezeigt, wie gefährlich es ist, wenn man mit ungenügender Beleuchtung unterwegs ist.

Auf 100 Meter sichtbar sein

Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei, sagt dazu: «Jedem Velofahrer soll bewusst sein, dass er der schwächste Verkehrsteilnehmer ist und unbedingt gesehen werden muss.» Das Gesetz schreibt vor, dass ein Fahrrad mindestens ein nach vorne sichtbares weisses und ein nach hinten sichtbares rotes Licht haben muss. Das Licht darf weder blinken noch blenden und soll nachts bei guter Witterung auf 100 Meter sichtbar sein.

Zudem benötige jedes Fahrrad vorne und hinten einen Rückstrahler, der eine Reflektierfläche von 10 cm² aufweist. An den Pedalen muss vorne und hinten ein Rückstrahler mit einer Fläche von 5 cm² angebracht sein. Auch hier gilt eine Sichtbarkeit von 100 Meter, denn ein Autofahrer, welcher mit 50 km/h fährt, benötige zum Anhalten rund 30 Meter. «Ganz wichtig», so sagt Hanspeter Krüsi, «sei der Velohelm, der im Falle eines Unfalls wenigstens schlimmere Folgen vermeiden kann.»