Jede Woche auf Blumensuche

Peter Guntli aus Buchs wandert seit 15 Jahren. Praktisch jeden Samstag marschiert er auf den Glannachopf oder einen anderen der Alvier-Berge. Seit etwa drei Jahren fotografiert er dabei Alpenblumen. Für den W&O hat er eines seiner vielen Fotobücher geöffnet.

Alexandra Gächter
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Der Blaue Eisenhut tankt das Licht der aufgehenden Sonne auf dem Buchserberg. Die hoch giftige Pflanze war früher Bestandteil von Flug- und Hexensalben. Der Eisenhut geht in die Nerven und erzeugt ein Gefühl, als ob einem Fell oder Federn wachsen würden. (Bilder: Peter Guntli)

Der Blaue Eisenhut tankt das Licht der aufgehenden Sonne auf dem Buchserberg. Die hoch giftige Pflanze war früher Bestandteil von Flug- und Hexensalben. Der Eisenhut geht in die Nerven und erzeugt ein Gefühl, als ob einem Fell oder Federn wachsen würden. (Bilder: Peter Guntli)

BUCHS. Wenn Peter Guntli zum Wandern aufbricht, schlafen andere noch. Morgens um vier Uhr ist die früheste Zeit, zu der er aufgebrochen ist. Auch schon ist er erst nachts um zwei Uhr wieder zurückgekehrt. Der Grund für die langen Wanderzeiten ist einfach: Peter Guntli fotografiert Sonnenauf- und Sonnenuntergänge.

Im Jahr 2009 hat er sich eine Spiegelreflexkamera gekauft und sich das Fotografieren durch Anleitungen aus dem Internet selber beigebracht. Vieles hat er auf seinen Wanderungen fotografiert: Berge, Seen, Wolken, Tiere. Und seit drei Jahren auch Blumen. Seine Partnerin habe sich für Blumen interessiert, er habe sich davon anstecken lassen. «Über 100 verschiedene Alpenblumen habe ich bisher bereits an der Alvierkette gefunden und fotografiert», sagt Guntli.

Bis fünfzehn Kilogramm Gepäck

Anfangs hätte er die Blumen nicht suchen müssen, schliesslich wachsen sie rund um die Wanderwege. Mittlerweile sei Guntli aber angespornt, die fehlenden der rund 180 existierenden Blumen der Alvierkette zu finden und ebenfalls zu fotografieren, dafür muss er auch einmal etwas abseits gehen. Je weniger Blumen ihm noch fehlen, desto länger dauere es, bis er ein fehlendes Exemplar finde. «Die Alpenblumen spornen mich an, den Fotoapparat mitzunehmen», sagt Peter Guntli. Und das, obwohl der Apparat mit Stativ und zweitem Objektiv ziemlich schwer sind. Mit Essen und Wasserflaschen trägt er im Sommer zehn bis fünfzehn Kilogramm auf den Berg. «Ich muss dafür keinen Sport mehr machen», so Guntli.

Sommer wie Winter, ob es regnet oder schneit, Peter Guntli geht praktisch jeden Samstag auf Wanderung. Manchmal geht er auch am Sonntag, oder werktags nach der Arbeit. Während er am Wochenende sechs- bis achtstündige Touren unternimmt, wandert er abends etwa zwei bis drei Stunden.

Ausgleich zum Alltag

Meist geht er auf den Glannachopf. Von seinem Zuhause in Buchs fährt er auf das 1300 Meter über Meer gelegene Berghaus Malbun. Von dort marschiert er fast 1000 Höhenmeter. «Hat man einen Fotoapparat dabei, wandert man oft weiter, da man schöne Motive sucht.» In und um Buchs kenne er fast jeden Weg auswendig. «Ich mag die einheimischen Berge. Sie sind nah, man ist schnell oben und es hat nur wenig Leute. Vom Alvier aus hat man zudem eine schöne Aussicht.» Wandern bedeutet Guntli Ausgleich zum Alltag. Seit fünfzehn Jahren betreibt er sein Hobby intensiv. Seit zehn Jahren ist er ausserdem im Verein St. Galler Wanderwege, kontrolliert und unterhält also die Wegweiser und die Markierungen der Wanderwege.

Pro Jahr schiesst Peter Guntli 10 000 Fotos. Mit den besten 1000 Fotos gestaltet er ein Fotobuch. «Das Aussortieren ist eine typische Winterarbeit und nimmt etwa vier bis fünf Wochen in Anspruch. Bearbeiten tue ich die Fotos aber nicht. Ich möchte sie so im Fotobuch, wie ich es in der Natur gesehen habe», sagt Guntli. Entdeckt er auf einer der Blumenfotos ein kleines Insekt, das ihm beim Fotografieren nicht aufgefallen ist, freue ihn das besonders.

Käfer, Bienen und Schmetterling

Und was macht er, wenn er eines Tages alle Blumen der Alvierkette gefunden hat? «Dann fotografiere ich vielleicht Kleinlebewesen, wie Käfer, Bienen und Schmetterlinge. Einige davon habe ich ja bereits auf den Blumen abgelichtet», so Guntli.

Dieses Bild entstand auf dem Buchserberg, 2009 Meter über Meer.

Dieses Bild entstand auf dem Buchserberg, 2009 Meter über Meer.

Peter Guntli auf dem Buchserberg in Aktion.

Peter Guntli auf dem Buchserberg in Aktion.

Peter Guntlis Lieblingsblume, die Pelzanemone.

Peter Guntlis Lieblingsblume, die Pelzanemone.

Eine Tauben-Skabiose; Bei den Seen, 2009 Meter über Meer.

Eine Tauben-Skabiose; Bei den Seen, 2009 Meter über Meer.

Eine Echte Alpenscharte, Sisitzgrat, 2060 Meter über Meer.

Eine Echte Alpenscharte, Sisitzgrat, 2060 Meter über Meer.