Jährlich 34 Franken Mehrkosten

Mit einem Zuschlag von 1,7 Rappen pro Kilowattstunde auf den Hochtarif ist der Solarstrom von GrabSolar einer der günstigsten in der Schweiz. Davon profitieren heute die rund 100 Aktionäre. Vor drei Jahren betrug der Zuschlag noch 7 Rappen.

Hanspeter Thurnherr
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Die jüngste Photovoltaikanlage von GrabSolar auf dem neuen evangelischen Kirchgemeindehaus liefert seit Ende 2015 Strom. (Bild: pd)

Die jüngste Photovoltaikanlage von GrabSolar auf dem neuen evangelischen Kirchgemeindehaus liefert seit Ende 2015 Strom. (Bild: pd)

GRABS. Die GrabSolar AG bietet interessierten Einwohnern eine Alternative zur eigenen Photovoltaikanlage (siehe Frontseite). Das Besondere am Grabser Modell: Die beteiligten Aktionäre bestimmen selber, wie viel Solarstrom sie beziehen wollen. «In der Regel passen sie den Bezug an den Verbrauch im Hochtarif an und decken den übrigen Bedarf mit Strom aus erneuerbarer Wasserkraft», weiss Roger Rusterholtz, Mitinitiant und Verwaltungsrat von GrabSolar und ergänzt: «Damit haben sie eine absolut ökologische Stromversorgung zu einem sehr günstigen Preis.»

Zuschlag immer kleiner

Mit der Zeichnung von Aktien zum Nennwert von 550 Franken erhält der Aktionär die Berechtigung, jährlich 120 Kilowattstunden (kWh) Solarstrom zum Hochtarif plus einen Solarstromzuschlag zu beziehen. Für jede bezogene kWh wird ihm ein Solarstromzuschlag von 1,7 Rappen in Rechnung gestellt. Der Strom im Niedertarif ist ohnehin bei fast allen privaten Strombezügern in der «Energiestadt» Grabs zu 100 Prozent aus erneuerbarer Wasserkraft.

Betrug der Zuschlag beim Solarstrom beim Start im Jahr 2013 noch 7 Rappen pro kWh, so sank er bis heute auf noch 1,7 Rappen. «Das sind bei einem durchschnittlichen Strombedarf von 4000 kWh, davon 2000 kWh im Hochtarif, jährliche Mehrkosten von lediglich 34 Franken», rechnet Rusterholtz vor. Eine Kilowattstunde Solarstrom im Hochtarif kostet die Aktionäre damit zurzeit 21,98 Rappen.

Zum Vergleich: Beim ähnlichen Modell des EW Stadt Zürich, einem der grössten Mitspieler im Solarstrommarkt, beträgt der Aufschlag pro Kilowattstunde 7,5 Rappen. Rii-Seez-Power verlangt für Solarstrom einen Zuschlag von 21 Rappen.

Der schweizweit wohl einmalig tiefe Preis für Solarstrom in Grabs ist auch auf einen glücklichen Umstand zurückzuführen. «Irgendjemand – man konnte es gar nicht mehr eruieren, wer es war – hat die erste Photovoltaikanlage für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) angemeldet, noch bevor die Anlage auf der Markthalle stand. So profitieren heute unsere Aktionäre von den 30 Rappen Erlös pro kWh aus dieser KEV», sagt Rusterholtz.

Doch die GrabSolar habe ihre Kalkulationen unabhängig von Einnahmen aus der KEV gemacht und gemerkt, dass sich die Investitionen in eine gemeinsame Anlage auch für die Privatpersonen lohnen.

Energiebewusstsein wichtig

Roger Rusterholtz konnte das Grabser Modell schon anderen Gemeinden vorstellen. Allerdings bis jetzt ohne konkrete Nachahmer zu finden. «Um ein solches Projekt umsetzen zu können, muss eine Voraussetzung erfüllt sein: Man muss zuerst das Energiebewusstsein in der Bevölkerung fördern, dann lässt sich später eine Solarstromgenossenschaft realisieren.»

Einige solcher Genossenschaften gebe es auch, aber mit ihren je eigenen Modellen, weiss Rusterholtz, der ergänzt: «Unser Glück ist die gute Zusammenarbeit mit den Technischen Betrieben Grabs und hier insbesondere mit dem EW, auch weil der Gemeinderat solchen Ideen gegenüber offen ist und sie fördert.»