Ist es wirklich eine Fehlleistung?

«Krasser Fall von Mobbing» W&O vom 13. und 16. Januar 2015

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LESERBRIEF

Unter dem Titel «Krasse journalistische Fehlleistung» hatte Thomas Warzinek in seinem Leserbrief (am 16. Januar) mit Bezug auf den Artikel «Krasser Fall von Mobbing» beanstandet, er sei «völlig einseitig und zudem eine schwere Vorverurteilung von Rektor Prof. Wurster». Dazu ist Folgendes festzuhalten: Niemand wird bestreiten, dass im ersten Artikel von Markus Rohner zum Konflikt an der Kantonsschule Sargans (am 13. Januar) die Seite von Lehrer S. zum Zuge kommt. Dieser hat Strafanzeige gegen den Rektor erstattet.

Thomas Warzinek indes behauptet, dass dem Artikel eine «fassbare objektive Grundlage» fehle. Ganz im Gegenteil: Im Zentrum steht zwar die subjektive Erfahrung des Lehrers S., bis hin zur Krankheit. Dass diese durch den vorliegenden Konflikt bedingt ist, belegt ein externes Gutachten. Das scheint Warzinek überlesen zu haben, ebenso die positiven Aussagen des ETH-Gutachters zur Lehrtätigkeit von S. Bemerkenswerterweise gehen beide Gutachten auf eine Initiative des Rektors zurück. Der Artikel ist somit keine journalistische Fehlleistung, auch keine Vorverurteilung des Schulleiters.

Weiter schreibt Thomas Warzinek: «Wie so oft in solchen Situationen kann und darf der <Angeklagte>, in diesem Fall der Rektor, nicht öffentlich Stellung nehmen.» Auch dies trifft nicht zu: Im zweiten Artikel («Dann würden Massnahmen erwogen» auf derselben Seite) kommt der Schulleiter zu Wort. Er hat also die Möglichkeit, sich zu äussern und nutzt diese auch.

Die Aussagen zum konkreten Fall allerdings sind widersprüchlich und in der zeitlichen Abfolge bemerkenswert: Im November 2014 lässt die Anklagekammer des Kantons St. Gallen eine Strafuntersuchung gegen den Rektor zu. Am 5. Januar, am Neujahrskonvent, beantwortet dieser eine Frage zum gegenwärtigen Stand der Dinge im Fall S. Er erwähnt den Entscheid der Anklagekammer nicht, schliesst eine Rückkehr des Lehrers an die Schule nicht aus. Ein paar Tage später gibt er zu, dass sich an seiner Absicht zu kündigen nichts geändert hat. Am 12. Januar, einen Tag bevor die beiden Artikel erstmals publiziert werden, ruft der Schulleiter die Lehrerschaft zusammen, informiert sie, dass einer Strafuntersuchung gegen seine Person stattgegeben worden sei und erteilt die Weisung, die Kommunikation gegen aussen habe ausschliesslich über das Rektorat zu erfolgen.

Das Amt für Mittelschulen schweigt derweil, dasselbe Amt, das sich nicht zuständig glaubte, als der Konflikt noch nicht im heutigen Ausmass eskaliert war.

Walter Ziltener, Mels, ehemaliger Lehrer der Kantonsschule Sargans