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INVESTITION: «Lieber Klassenprimus als Durchschnitt»

Acht Wochen lang werden die Zimmer im Hotel Hirschen in Wildhaus renoviert, während der Betrieb läuft. Hotelier Michael Müller vergleicht dies mit einer Operation am offenen Herzen, die die Zukunft des Betriebs sichern soll.
Sabine Schmid
Michael Müller in der Bar Chrüter & Choller, wo immer wieder Blues gespielt wird. (Bild: Sabine Schmid)

Michael Müller in der Bar Chrüter & Choller, wo immer wieder Blues gespielt wird. (Bild: Sabine Schmid)

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch

Im «Hirschen» in Wildhaus steht die Wintersaison bevor. Daneben laufen die Vorbereitungen für einen Umbau: 45 Zimmer werden renoviert. Insgesamt verfügt das Traditionshaus über 63 Zimmer. Michael Müller, der zusammen mit seiner Frau Simone den «Hirschen» in sechster Generation führt, erklärt, was er sich von dieser Investition erhofft.

Michael Müller, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, gibt es heuer weisse Weihnachten. Beruhigt Sie das?

Wir merken das im Buchungsverhalten, was uns beruhigt. Die Bücher sind für Weihnachten und Neujahr noch nicht ganz voll. Das entspricht aber dem Buchungsverhalten der Gäste, sie buchen heute kurzfristig.

Was erwarten Sie von der bevorstehenden Winter- saison?

Einiges. Die bereits jetzt fixen Wochenendbuchungen stimmen mich positiv, dazu hilft der Schnee sicher auch noch.

Steckt die Destination Wildhaus noch in den Köpfen der Leute, oder ist es zu einem Geheimtipp geworden?

Die grossen Zeiten von Wildhaus sind noch in den Köpfen der Generationen zwischen 40 und 70 Jahren. Wildhaus ist bekannt und das nutzen wir auch aus. Trotzdem gilt es als Geheimtipp, weil es als natürlich und bodenständig angesehen wird. Diese Trümpfe können wir ausspielen.

Sie haben für das kommende Jahr grosse Pläne für den «Hirschen». Was ist geplant?

Wir bauen 45 Zimmer und Suiten komplett um. Mit dem neuen Konzept könnten wir uns als 4-Stern- oder gar 4-Stern-Superior-Hotel klassifizieren lassen. Das machen wir aber bewusst nicht und bleiben ein 3-Stern-Hotel. Wir sind lieber Klassenprimus als oberer Durchschnitt.

Was heisst das konkret für die umgebauten Zimmer?

Alles wird moderner und komplett umgestaltet. Wir sind zwar mit grossen Hotelzimmern gesegnet, aber die sind jetzt in die Jahre gekommen. Dazu kommt, dass der Schweizer Gast einen Standard erwartet, dem wir noch nicht gerecht werden. Wir investieren nun rund 2,5 bis 3 Millionen Franken. Der Architekt ist Andrin Schweizer, den ich aus der Kindheit kenne.

Wird der Betrieb während der Arbeiten geschlossen?

Das wäre optimal, aber wir können und wollen uns das nicht leisten. Wir beginnen kurz nach Ostern und können unsere Sommergäste in den neuen Zimmern begrüssen. Wir realisieren den Umbau innerhalb von acht Wochen. Der Zeitplan ist sportlich, aber wir arbeiten mit Firmen zusammen, die nichts anderes machen als Hotelumbauten.

Das heisst, Sie arbeiten nicht mit dem einheimischen Gewerbe zusammen?

Nur bedingt. Es ist schwierig, einen Hotelumbau zu finanzieren. Wir müssen nun aber in dem Umfang renovieren, sonst gehen in unserem Haus irgendwann die Lichter aus. Wir waren uns bewusst, dass wir von den Banken nicht das benötigte Kapital erhalten. Wir haben uns daher an Österreich orientiert und mit Furnirent eine Firma gefunden, die Hotelzimmer umbaut. Wir finanzieren mit Eigenkapital, externen Investoren und Banken die Hälfte. Die andere Hälfte steuert die Furnirent bei und wir mieten auf eine Laufzeit von sieben bis zehn Jahren die Hotelzimmer zurück.

Was müssen Sie dafür bieten?

Das Konzept der Firma ist, dass sie bei der Finanzierung mithilft. Sie übernimmt aber den kompletten Umbau als Generalunternehmung. Sie bringt daher ihre Handwerker mit, mit denen sie zusammenarbeitet. Wir sind uns der Problematik bewusst, dass wir das einheimische Gewerbe nur bedingt einsetzen können. Wir engagieren aber lokale Firmen für den Teil, für den wir verantwortlich sind, also für alles, innerhalb der Mauern bis zum Anschluss wie Sanitäranlagen oder Elektrisches.

Redet die Furnirent auch bei der Gestaltung mit?

Nein, diese Kompetenz liegt bei uns. Sie stellt einen Warenkorb mit Produkten zur Verfügung, aus dem wir auswählen können. Es gibt die drei Kategorien Budget, Standard und Hochklassig. Daraus haben wir zusammen mit dem Architekten Musterzimmer gestaltet.

Sie bieten seit diesem Jahr im «Hirschen» Schlafabos an. Funktioniert diese Idee?

Wir haben grosse Medienpräsenz und Resonanz erhalten, weil wir als erste ein solches Angebot kreiert haben. Wir wollten ausprobieren, ob der Abogedanke, den es in vielen Branchen gibt, auch in der Hotellerie funktioniert. Ich bin gespannt, ob diejenigen, die das Abo gelöst haben, kommen werden.

Gäste waren noch keine da?

Nein, das Angebot läuft erst seit dem 15. Dezember. Wir können natürlich nicht zu viele solcher Abos herausgeben, sonst haben wir ein Kapazitätsproblem.

Sie gehen mit dem Schlafabo und mit der Finanzierung der Hotelsanierung neue Wege. Sind Sie ein Trendsetter?

Man muss am Ball bleiben. Ich bin überzeugt, dass die Lösung mit dem Zimmerumbau, wie wir es machen, die Zukunft in der Schweiz sein wird. Ich bin überrascht und fast ein bisschen enttäuscht, dass es in der Schweiz keine entsprechende Firma gibt.

Können Sie sich vorstellen, warum das fehlt?

Man ist wohl nicht so mutig wie die Österreicher. Das Umfeld der Hotellerie wird hierzulande als zu schwierig beurteilt, obwohl es das gar nicht ist. Wer einen guten Job macht, investiert und ein bisschen Risiko eingeht, wird Erfolg haben. Wir beispielsweise bauen explizit nicht häppchenweise um, damit wir auf dem Markt Druck aufbauen.

Es ist sicher besonders, Weihnachten in einem Hotel zu verbringen. Was bieten Sie Ihren Gästen?

Wir haben eine wunderbare Stimmung im Haus. Wir verwöhnen unsere Gäste mit speziellen Menus und wir führen traditionell eine Winterwanderung durch. Zwischen Weihnachten und Neujahr servieren wir unseren Gästen ebenfalls verschiedene Menus. In der Bar Chrüter & Choller spielt vom 22. bis 28. Dezember der renommierte Blues-Pianist Kenny Brawner. Die Feiertage schliessen wir mit der Silvestergala und der Neujahrsmetzgete ab.

Bleibt da noch Zeit für private Weihnachten mit der Familie?

Ich bin schon seit über 20 Jahren in der Hotellerie tätig, ich kenne es nicht anders.

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