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INTEGRATION: Die totale Medienfreiheit existiert nirgendwo

Das Projekt #refujournalists ermöglicht geflüchteten Journalisten, in Zusammenarbeit mit drei Lokalzeitungen eigene Texte zu veröffentlichen. An einer Podiumsdiskussion sprachen die Teilnehmer über ihre Erfahrungen und Eindrücke.
Die langjährige NZZ-Journalistin Nina Fargahi (links) moderierte die Podiumsdiskussion mit (v. l.) Azam Khan, Yousef Abujared, Manal Salhia, Tilak Kodagoda, Hanspeter Thurnherr (Journalist), Kuno Bont (Filmemacher) und Patrick Schädler (Chefredaktor «Liechtensteiner Vaterland») zur Rolle der Medien in verschiedenen Gesellschaften. (Bild: Andrea C. Plüss)

Die langjährige NZZ-Journalistin Nina Fargahi (links) moderierte die Podiumsdiskussion mit (v. l.) Azam Khan, Yousef Abujared, Manal Salhia, Tilak Kodagoda, Hanspeter Thurnherr (Journalist), Kuno Bont (Filmemacher) und Patrick Schädler (Chefredaktor «Liechtensteiner Vaterland») zur Rolle der Medien in verschiedenen Gesellschaften. (Bild: Andrea C. Plüss)

Das Medienprojekt wird von den Fachstellen Integration St. Galler Rheintal und Werdenberg-Sarganserland gemeinsam durchgeführt. Die Idee ist spannend und anspruchsvoll für alle Projektbeteiligten.

Geflüchtete Medienschaffende erhalten durch eine Kooperation mit den Lokalzeitungen «Der Rheintaler», «Werdenberger & Obertoggenburger» sowie dem «Liechtensteiner Vaterland» die Chance, eigene Berichte mit Lokalbezug zu veröffentlichen. Unterstützt werden die Teilnehmer dabei von einem Coach, der sowohl sprachlich hilft und Texte übersetzt als auch Tipps zum Aufbau eines Zeitungsartikels gibt.

Das Interesse, mehr über das mediale Integrationsprojekt und die Teilnehmer zu erfahren, war erfreulich gross; dies hob Alex Arnold, Präsident der Fachgruppe Integration beim Verein St. Galler Rheintal, in seiner Begrüssung zufrieden hervor.

Flüchtlingsschicksale, Kriegsgräuel, Terror und Unterdrückung sind fast allgegenwärtig in den Medien. Wenn das Erlebte jedoch ein Gesicht bekommt, das anonyme Schicksal einen Namen hat, erreichen uns die Informationen anders, sie gehen uns nahe, sie berühren. Mit diesen Worten umschrieb Arnold, wie er das Kurzporträt von Azam Khan aus Bangladesh empfand. Khan kam erst im Februar dieses Jahres in die Schweiz, nachdem er in ­seiner Heimat zwei Jahre im Untergrund gelebt hatte, um sich vor einer Verhaftung zu schützen.

Von Azam Khan, der in Widnau lebt, erschien am 23. Juni bereits ein Bericht im «Rheintaler». Darin beschreibt der Blogger und Journalist, mit welchen Problemen Flüchtlinge aus anderen Kulturkreisen zu kämpfen haben, wenn sie in der Schweiz angekommen sind. Diese Art der «Personalisierung» von Schicksalen soll die Öffentlichkeit für den Alltag geflüchteter Menschen sensibilisieren. Yousef Abujarad, der als TV-Reporter tätig war, beklagte das mangelnde Vertrauen seitens potenzieller Arbeitgeber, das selbst gut ausgebildete Flüchtlinge zu spüren bekämen. Es liege auch am falschen Aufenthaltsstatus «F» (vorläufig aufgenommen), stellte er lakonisch fest.

Von Moderatorin Nina Fargahi gefragt, ob er sich denn vorstellen könne, Yousef Abujarad einzustellen, musste Patrick Schädler, Chefredaktor der Zeitung «Liechtensteiner Vaterland», nicht allzu lange überlegen: «Für ein Praktikum wäre das vorstellbar», lautete die Antwort.

Charmant, aber hartnäckig versuchte Tilak Kodagoda, mehr Redezeit zugestanden zu bekommen. Der Journalist aus Sri Lanka hätte auf die Frage, wie er das Mediensystem in der Schweiz erlebe, gern mehr gesagt, als ihm letztlich in drei Minuten Redezeit möglich war. Medienfreiheit sei in Sri Lanka eine Illusion, sagte Kodagoda, aber auch in der Schweiz gebe es keine totale Freiheit für Medienschaffende. «Was wird denn weggelassen an Fakten?», fragte der Journalist.

Während verschiedene Anspruchsgruppen und finanzieller Druck nach Meinung von Hanspeter Thurnherr und Patrick Schädler die Medienfreiheit in der Schweiz durchaus einschränken, fühlt sich der Filmemacher Kuno Bont in seinem Metier unabhängig. Ganz im Gegensatz zu der Filmemacherin Manal Salhia, die in Syrien kritische Filme über Kinderrechte drehte und vor ihrer Flucht mehrfach verhaftet worden war. Im Rahmen des Medienprojekts sind ab Juli/August weitere Berichte von geflüchteten Journalisten in den mitwirkenden Lokalzeitungen geplant.

Andrea C. Plüss

redaktion@wundo.ch

Informationen zum Medienprojekt unter www.refujournalists.ch

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