Insektenjagd am Werdenbergersee

Am frühen Samstagmorgen lud der Verein Fledermausschutz St. Gallen-Appenzell-Liechtenstein zur Morgenwanderung am Werdenbergersee ein. Zwerg- und Wasserfledermäuse begeisterten die Frühaufsteher.

Corinne Hanselmann
Drucken
Teilen
Dieses Braune Langohr konnte aus der Nähe betrachtet werden.

Dieses Braune Langohr konnte aus der Nähe betrachtet werden.

WERDENBERG. Angestrengt lauschen die rund 25 Personen, die sich zur Morgenwanderung am Werdenbergersee eingefunden haben. Der Fledermaus-Detektor gibt fast ununterbrochen ein «Knattern» von sich, was bedeutet, dass die nachtaktiven «Insektenfresser» in unmittelbarer Nähe Ortungslaute von sich geben und auf der Jagd sind. «Der Detektor setzt die im Ultraschallbereich liegenden Laute in für Menschen hörbare Töne um», erklärt Silvio Hoch aus Triesen, der die Exkursion leitet. Zuvor hatte er Grundsätzliches zu den insektenfressenden flugfähigen Säugetierchen erklärt und zwei Fledermäuse durften gar aus nächster Nähe betrachtet werden.

Rund 20 Arten in der Region

«Das Rheintal ist eine richtige Hochburg der Fledermäuse», erklärt René Güttinger aus Nesslau, der sich seit Jahrzehnten für den Fledermaus-Schutz engagiert. «Es gibt hier rund 20 verschiedene Arten, am häufigsten ist die Zwergfledermaus.»

Die Landschaft hat sich in den vergangenen 50 Jahren für die nachtaktiven Tiere nachteilig verändert. Durch ökologische Verstückelung und Verlust von Quartieren waren viele Arten selten geworden. Dank Engagement von Freiwilligen beim Quartierschutz konnten sich die Bestände teilweise etwas erholen.

Mit Detektor die Art bestimmen

Mit einer Taschenlampe zündet Güttinger über den See. Sofort sieht man – dicht über der Wasseroberfläche – einige Wasserfledermäuse ihre Kreise ziehen. Die Gruppe spaziert dem Ufer entlang zum Minigolf, dort lockt der helle Schein einer Strassenlampe Insekten an. Die Töne, die Silvio Hochs Detektor von sich gibt, verändern sich. «Nun hören wir eine Zwergfledermaus», erklärt er. Er erkenne dies am Klang der Laute und an der Frequenz von 45 bis 48 Kilohertz.

«Bilderbuchmorgen» erwischt

Durch die milden Temperaturen in der Nacht sind viele Insekten aktiv, was für die Fledermäuse ein Festessen bedeutet. Dank Windstille ist die Wasseroberfläche flach, und es fällt ihnen dadurch leicht, die Nahrung zu orten und zu jagen. «Wir haben heute einen idealen Morgen erwischt», freut sich Güttinger, als es langsam hell wird und immer mehr Autos auf der Strasse zeigen, dass Werdenberg langsam erwacht. Die Fledermäuse überlassen den See nun den Vögeln und ziehen sich tagsüber in ihre Quartiere zurück.

Organisiert hat die Exkursion der Verein Fledermausschutz, der sich seit 14 Jahren für den Schutz und die Erforschung der einheimischen Fledermäuse in den Kantonen St. Gallen, beider Appenzell und dem Fürstentum Liechtenstein einsetzt. Mit Anlässen wie diesem soll Sympathiewerbung betrieben und die Bevölkerung auf den Fledermausschutz aufmerksam gemacht werden.

Im Schein der Taschenlampe konnten zahlreiche Wasserfledermäuse beobachtet werden, wie sie knapp über dem Wasser Insekten jagten. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Im Schein der Taschenlampe konnten zahlreiche Wasserfledermäuse beobachtet werden, wie sie knapp über dem Wasser Insekten jagten. (Bilder: Corinne Hanselmann)