Inakzeptable Methoden

«Ein krasser Fall von Mobbing» W&O vom 13. Januar 2015

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Der im Artikel skizzierte Konflikt an der Kantonsschule Sargans (KSS) schwelt nun schon seit mehr als zehn Jahren. Als ehemaliger Mathekollege von S. habe ich dessen Anbahnung mitverfolgt. Niemand widerspricht Rektor Wursters Aussage, dass die Schulleitung gegenüber Schülern, Lehrern und Eltern in der Verantwortung steht. Auch verstehe ich, wenn sich Wurster für ein ausgeglichenes Niveau im Matheunterricht stark macht. Dennoch werde ich den Eindruck nicht los, dass er dabei seine ganz persönliche Agenda verfolgt. Die im Bericht geschilderten Methoden sind hingegen inakzeptabel und einer Kantonsschule unwürdig.

Seit Wursters Amtsantritt können sich Schüler und Eltern beim KSS-Rektorat über eine Lehrkraft auslassen, ohne dass die Identität der Beschwerdeführer oder der konkrete Vorfall, welcher eine «Rückmeldung» ausgelöst hat, gegenüber der «beklagten» Person offengelegt werden. Der Lehrer wird alsdann vom Rektor mit angeblichen Aussagen, Bruchstücken von Aussagen und «Verfehlungen» konfrontiert. Mangels Kenntnis der genauen Umstände bleibt dem Betroffenen eine fundierte Gegendarstellung verwehrt.

Auch mein Name wurde an der «KSS-Klagemauer» mehr als einmal genannt. Eine Episode ist mir bis heute in Erinnerung geblieben: Rektor Wurster bestellte mich wenige Monate vor der Matura auf sein Büro und meinte, ich habe mit meinen zwei Maturaklassen ein «Problem». Tatsächlich lief aber die Vorbereitung optimal, und die Matura gestaltete sich wie im Bilderbuch. Doch die momentane Verärgerung zweier Schülerinnen hatte offenbar ausgereicht, um bei mir ein «Problem» mit den gesamten Klassen zu orten. Ich für meinen Teil erkannte in dieser Klagemauerpraxis eine Gefahr für die Gesundheit und ging in Frühpension.

Laut Zeitungsbericht hat Rektor Wurster einer Mutter unverhohlen signalisiert, die Schulleitung sei froh, wenn sie von Schüler- bzw. Elternseite «Rückmeldungen» über Mathelehrer S. erhalte. Sind die Schleusen einmal geöffnet, haut die Flut den stärksten Lehrer um. Nur: Wie verträgt sich ein solches Vorgehen mit der vom Rektor zitierten «Verantwortung gegenüber Lehrern»? Eine Administrativuntersuchung ist überfällig und zwingend!

Martin Schweizer, Pfäfersweg 18, Sevelen