In sagenumwobene Alpwelt geführt

Im Rahmen des Erzählzyklus 2015 fand am Samstagabend in der Kulturstüdtlimühle in Buchs eine vielversprechende Veranstaltung statt, an der bereits der kraftstrotzende Titel «Donner und Doria» eine fulminante Symbiose von Wort und Gesang versprach.

Werner Vetsch
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Kornelia Bruggmann (links) und Caroline Capiaghi begeisterten das Publikum mit ihren kraftvollen Klang- und Wortdarbietungen. (Bild: Werner Vetsch)

Kornelia Bruggmann (links) und Caroline Capiaghi begeisterten das Publikum mit ihren kraftvollen Klang- und Wortdarbietungen. (Bild: Werner Vetsch)

BUCHS. Im vollbesetzten Raum der Kulturstüdtlimühle vermochte die Sängerin Kornelia Bruggmann eingangs der Aufführung mit durchdringenden Lauten und Klängen wie auch mit sphärischen feinen Obertönen eine knisternde Atmosphäre zu erzeugen. Caroline Capiaghi schuf dann mittels einer lebendigen Erzählung, untermalt von zarten Flötentönen, einen Zugang zum Ursprung der rätoromanischen Sprachenvielfalt und zum altbekannten Volkslied «La Canzun de Sontga Margriata».

Schauerliche Begebenheiten

Die beiden Interpretinnen inszenierten den Handlungsablauf der Erzählung mit erregenden, aber auch schauerlichen Begebenheiten in einem subtilen Wechsel zwischen facettenreichem Gesang und tiefgreifender Schilderung des Geschehens. Die beeindruckende Stimmgewalt der Sängerin mit den archaischen Urtönen wie auch ihren funkelnden Augen liessen das Publikum erschaudern. In kurzen Intervallen erfolgte jeweils ein sprunghafter Wechsel zur prägnanten Ausdrucksweise der Erzählerin mit ihrem frischen, lebendigen Bündner Dialekt.

Eine unmittelbare Nähe zum Ort des Geschehens im heimatlichen Raum und ein berührendes Eintauchen ins Leben der Älpler vermittelte auch die Sage vom Sardonagletscher, wo die Verletzung der Normen seitens eines jungen Paares zu einer drakonischen Strafe führte, die Alp mit Regen und Schnee zudeckte und mitsamt den beiden begrub. Diese Geschichte begann mit frohen Jodlerklängen und Jauchzern beim Alpaufzug und endete mit der ergreifenden Schilderung der unausweichlichen und gerechten Strafe seitens jenseitiger Mächte und den unheimlichen, flehenden Stimmen der Gletscherspalte.

Die altbekannte und beliebte Schweizer Volksweise «S Vreneli ab em Guggisberg» gründet auf einer tragisch endenden Jugendliebe. Kornelia Bruggmann gelang es vorzüglich, mit dem in Moll komponierten Volkslied die Zuhörerschaft in einer stimmungsvollen Art emotional zu begeistern.

Das harmonische Ineinanderfliessen von Erzählung und Liedvariationen führte zu einer ausgeprägten Ergriffenheit der durch Caroline Capiaghi sehr bildhaft erzählten Geschichte.

Mit subtilen Flötenklängen und abwechslungsreichen Klangresonanzen erfolgte der Übergang zu einer weiteren tragischen Sage, ehe sich Kornelia Bruggmann im Freien mit einem alten Alpsegen aus dem Sarganserland verabschiedete und den ergreifenden Ruf in die Kulturstüdtlimühle zurückschallen liess.

Professioneller Auftritt

Die kraftvolle und aufwühlende Intensität der Lieder und Sagen der beiden Frauen sowie die beeindruckende Mimik und Ausstrahlung lösten starke Gefühlsregungen aus und liessen alle in eine geheimnisvolle, unerklärliche und undurchsichtige Welt eintauchen. Der überaus professionelle Auftritt der beiden Interpretinnen war geprägt durch eine faszinierende Lebendigkeit von Sprache und Gesang sowie durch ein hohes schauspielerisches Können und hinterliess einen vorzüglichen Gesamteindruck.

Die abschliessenden Dankesworte seitens des Stadtrates Hansruedi Bucher wurden verknüpft mit der Aussicht auf ein erneut vielseitiges Programmangebot im kommenden Jahr.