In Frage gestellt – mit Hoffnung gefüllt

Karfreitag und Ostern stellen das Leben und den Tod in Frage.

Pfarrer Lars Altenhölscher, Buchs
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Karfreitag und Ostern stellen das Leben und den Tod in Frage. An Karfreitag, wo Jesus ans Kreuz geschlagen wird, werden die Hoffnungen und Wünsche, die auf ihm liegen, in Frage gestellt – und damit auch die Vorstellung vom heldenhaften Gottessohn, der seine Macht durch einen glorreichen Sieg unterstreicht. Und gleichzeitig fragt der Tod Jesu – wie so viele Tode dieser Welt – nach dem «Warum»: Warum solches Leid in der grossen weiten Welt und in meiner kleinen nahen Welt?

In einer Kirche war zu lesen: «Weise ist nicht unbedingt derjenige, der viele Antworten kennt. Weise ist vielmehr derjenige, der offene Fragen aushält.» Fragen, die nagen. Fragen, die quälen. Fragen des Lebens. Auf solche schweren Fragen gibt es keine leichten Antworten. In sie muss man sich langsam, geduldig hineinleben. In den «Briefen an einen jungen Dichter» schreibt Rainer Maria Rilke:

«Ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu auch versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben. (…) Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. (…) Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie sich dann, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein – aber nehmen Sie all das, was kommt, in großem Vertrauen hin. Und wenn es nur aus Ihrem Willen kommt, aus irgendeiner Not Ihres Inneren, so nehmen Sie es auf sich und hassen Sie nichts.»

Der Dichter rät uns, uns nicht mit der Suche nach Antworten zu quälen, sondern die Fragen unseres Lebens zu leben, sie auszuhalten und lieb zu haben. Ich weiss nicht, ob ich meine Frage nach dem «Warum» lieb haben kann. Aber mit Blick auf den Karfreitag lerne ich, dass ich mit ihnen leben kann – auch ohne Antwort.

Und das liegt daran, dass an Ostern das «Warum» in Frage gestellt ist – denn die Auferstehung Jesu stellt den Tod in Frage. Gott stellt sich dem Tod entgegen, der am Karfreitag scheint's noch Gott in Frage gestellt hatte. Das nimmt dem Tod nicht gänzlich die Schwere, die er immer wieder in unser Leben bringt – Trauer, Abschied, Schmerz – das gehört weiterhin zu uns, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Doch der Tod hat nicht das letzte Wort über uns und das Grab ist nicht der letzte Ort für uns. Denn Ostern füllt uns mit Hoffnung. Wir blicken aufs leere Kreuz und können sagen und singen: «Getröstet gehn wir von hier, Christus wir danken dir. Das Ende ist kein Ende mehr, denn wir wissen: Das Grab ist leer.»

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