Impression und Improvisation

In der reformierten Kirche in Buchs spielten am vergangenen Wochenende Kurt Rothenberger und seine Tochter Milena auf. Begleitet wurde das Duo dabei vom Liechtensteiner Marco Schädler an Orgel und Piano.

Pius Bamert
Drucken
Teilen
In der reformierten Kirche in Buchs spielten Kurt Rothenberger und Tochter Milena auf der Trompete. Mit dabei Marco Schädler (links) an Orgel und Piano. (Bild: Pius Bamert)

In der reformierten Kirche in Buchs spielten Kurt Rothenberger und Tochter Milena auf der Trompete. Mit dabei Marco Schädler (links) an Orgel und Piano. (Bild: Pius Bamert)

BUCHS. Die auf einem kleinen Tisch aufgelegte musikalische «Speisekarte» weckte grosse Erwartungen beim Publikum. Musikalische Werke aus der Barockzeit bis hin zu poppigen Songs der Gegenwart, gesungen von Milena Rothenberger. Eine Überraschung war der vielseitige Liechtensteinischer Marco Schädler. Er ist bekannt als Musiker, Komponist und Kabarettist bei «Das LiGa» (mit Mathias und Ingo Ospelt).

Lange Zusammenarbeit

Von Schädler erzählt Rothenberger: «Ich habe Marco vor circa 25 Jahren anlässlich einer Hochzeit in der Kirche Triesenberg kennengelernt. Er war dort Organist. Dann waren wir zur selben Zeit in Feldkirch am Konsi und in den 80er-Jahren im Lehrkörper der Musikschule Liechtenstein. Marco ist ein unglaublich vielseitiger, begabter Musiker und Komponist und sehr bodenständig. Mit ihm zusammen zu arbeiten macht richtig Spass. Auf ihn ist als Begleiter immer Verlass. Er spielt sensationell und reagiert auf alles, was ein Solist macht. Ich schätze auch den unkomplizierten Umgang mit ihm sehr.» Rothenberger feiert dieses Jahr Jubiläum. 30 Jahre Musikschule Werdenberg. Auch er hat eine lange, vielfältige Ausbildung hinter sich. Kurt Rothenberger (geboren 1962) konnte als Mitglied einer Brass Band schon in jungen Jahren wertvolle Erfahrungen als Solist (Principal-Cornet) sammeln.

Nach Abschluss einer Hochbauzeichnerlehre und Beendigung der Rekrutenschule als Militärtrompeter führte ihn sein Interesse an der Musik an das Konservatorium Vorarlberg in Feldkirch. Das sechsjährige Studium bei Prof. Lothar Hilbrand schloss er im Mai 1988 im Hauptfach Trompete mit dem Konzertdiplom erfolgreich ab. Die folgende, dreijährige Weiterbildung bei Prof. E. H. Tarr eröffnete ihm neue musikalische Perspektiven und diese Zusammenarbeit festigte sein Trompetenspiel in jeder Hinsicht.

Eine fast vergessene Kunst

Mit «Trumpet Voluntary» eröffnen die Musiker oben auf der Empore das Konzert. Wie die meisten Musikstücke arrangierte Rothenberger die majestätische Komposition von John Stanley selber. Es ist ein Wechselspiel zwischen Bläser und Orgel, wie Rede und Antwort. Nach Antonio Vivaldi, dem Komponisten, der in kaum einem Konzert der Rothenberger fehlen darf, ist das Micro frei für Milena. Sie singt einfühlsam einen englischen Song von Carole King. Übersetzt ins Deutsche «Sie rufen nur meinen Namen und sie wissen, wo ich bin. Ich komme, ob Winter, Frühling, Sommer oder Herbst. Alles, was sie tun müssen, ist ein Rufen, und ich werde da sein, Du hast einen Freund.»

Marco Schädler sitzt oben an der Orgel. Es ist lange her, als das Improvisieren in der Klassik noch eine Pflicht war. Bach liess manche Stellen in seinen Kompositionen aus, der ausübende Musiker musste die Stellen «ergänzen». Besonders in Frankreich war diese Praxis verbreitet. Zahlreiche Werke, etwa von César Franck, Charles-Marie Widor und Louis Vierne sind auf Grundlagen solcher Improvisationen entstanden.

Hommage und Zugaben

Schädler greift in die Tasten, improvisiert über ein eigenes Thema, eine eigentliche Uraufführung. Die Zuhörer danken mit viel Applaus. Dennis Armitage, langjähriger Saxophonist von Hazy Osterwald, arrangierte «Fanfare-Rondeau» von Jean-Josef Mouret. Noch ein Lied von Milena von Lloyd Webber, dann ist Zeit für Joseph Haydn (aus dem Trompetenkonzert in Es-Dur). Nach einer Hommage an Wolfgang Amadeus Mozart endet das vielseitige Konzert, doch man weiss, bei Rothenbergers ist nicht einfach Schluss. Noch Zugaben werden verlangt, unter anderem der «Up und Down Rag». Schädlers Können in Sachen Klavier-Jazz ist aus der oberen Liga. Ein begeisterndes Konzert, vielseitig, locker vorgetragen. Der «stehende Applaus» am Schluss sagt alles aus über das Empfinden im Publikum.