Impfraten sollen erhöht werden

Durch die Impfungen ohne Voranmeldung in den Apotheken soll die Durchimpfungsrate beispielsweise bei Grippe erhöht werden. Dahinter steht auch der Ärzteverein Werdenberg-Sarganserland.

Katharina Rutz
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In diesen Tagen führt Jasmin Marquart von der Adler Apotheke ihre ersten Impfungen durch. (Bild: Katharina Rutz)

In diesen Tagen führt Jasmin Marquart von der Adler Apotheke ihre ersten Impfungen durch. (Bild: Katharina Rutz)

«Wir wollen den Ärzten keine Patienten wegnehmen», sagt Jasmin Marquart von der Adler Apotheke in Buchs. Was die Apothekerin aber will, ist die Impfrate erhöhen. Deshalb hat sie bereits vor zwei Jahren die Weiterbildung absolviert, die sie dazu befähigt, Impfungen in ihrer Apotheke durchzuführen. Im Kanton St. Gallen ist dies nun für die Impfung gegen Grippe und FSME (von Zecken ausgelöste Hirnhautentzündung) seit dem 1. November rechtlich erlaubt. St. Gallen ist bereits der elfte Kanton, in dem Impfen in der Apotheke möglich ist. Jasmin Marquart wird in diesen Tagen ihre ersten Impfungen gegen Grippe oder Hirnhautentzündung in der Adler Apotheke durchführen.

Durchimpfungsrate verbessern

Für die Impfausbildung hat sich Jasmin Marquart damals entschieden, weil ihrer Ansicht nach die Durchimpungsraten in der Schweiz zu klein sind. Vor allem bei den Masern stehe die Schweiz schlecht da, sagt sie. Aus anderen Ländern wie zum Beispiel Portugal wisse man, dass die Raten durch die Impfmöglichkeit in Apotheken verbessert werden konnten. Es gehe ihr aber nicht darum, den Ärzten Patienten wegzunehmen. Ihre Zielgruppe sieht sie bei den Zuzügern, die in der Gegend noch keinen Hausarzt finden konnten. Oder bei Berufstätigen, die nur an Samstagen einen Impftermin wahrnehmen können. Mit der Grippeimpfung in der Apotheke möchte sie auch Gesunde ansprechen, die selten zum Arzt gehen und deshalb dort auch nicht beraten werden können. «Doch gerade auch diese Menschen können dann andere anstecken, Schwangere zum Beispiel oder Betagte», sagt Jasmin Marquart. In der Apotheke braucht man keinen Termin auszumachen, um sich impfen zu lassen. Sofern der ausgebildete Apotheker vor Ort ist, kann die Impfung sofort durchgeführt werden. Vorgängig müssen verschiedene Fragen mittels Fragebogen geklärt werden. Besteht beim Impfwilligen ein spezielles Risiko, beispielsweise eine Immunschwäche, wird die Impfung nicht durchgeführt. Der Betroffene wird dann an einen Arzt verwiesen. Der Impfstoff deckt vier Stämme der Grippe ab, wodurch das Risiko, trotz Impfung zu erkranken, sinkt. Ausserdem ist die Grippe-Impfung gut verträglich.

Regionaler Ärzteverein steht dahinter

Auch Dr. med. Stefan Küpfer, Präsident der Ärztevereinigung Werdenberg-Sarganserland, bestätigt dies. Die Impfmöglichkeit in den Apotheken bezeichnet er als sinnvolle Massnahme, um die Impfrate zu erhöhen. «Wir vom Ärzteverein stellen uns immer wieder die Frage, wie wir für präventive Massnahmen mehr Leute erreichen können», so Küpfer. Denn die Menschen, die zum Arzt kommen, seien ohnehin auf Gesundheitsthemen sensibilisiert. Wichtig sei es nun auszuwerten, wie sich die Impfung in Apotheken bewährt. «Da bisher sowohl die Ärzte wie auch die Apotheker ihre klar getrennten Kompetenzen gehabt haben, muss diese neue Aufgabenteilung sorgfältig angegangen werden», sagt Küpfer. Allerdings sei heute auch in anderen Bereichen immer mehr eine interprofessionelle Arbeitsweise gefragt. «Deshalb kann die Ärztevereinigung Werdenberg-Sarganserland hinter dieser Neuerung stehen», so der Präsident. Dass es beim einen oder anderen Arzt aber nicht doch ein Konkurrenzdenken gebe, könne er nicht vollständig ausschliessen.