Im Schutz der Dunkelheit

Die Vorstellung ist unangenehm: Bei Dunkelheit und während die Bewohnerin schlief, wurde in Buchs in ein Haus eingebrochen. Sind die ausgeschalteten Strassenlampen schuld an Einbrüchen bei Dunkelheit? Die Polizei winkt ab.

Corinne Hanselmann
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Nach einem Einbruch bleibt bei Betroffenen meist ein ungutes Gefühl zurück. (Symbolbild: Bildarchiv St. Galler Tagblatt)

Nach einem Einbruch bleibt bei Betroffenen meist ein ungutes Gefühl zurück. (Symbolbild: Bildarchiv St. Galler Tagblatt)

BUCHS. Es ist kurz nach 1 Uhr in der Nacht auf Freitag. Eine 79jährige Frau schläft in ihrem Haus im Einfamilienhaus-Quartier Birkenau, in dem sie seit Jahren wohnt. Rund ums Haus ist es stockdunkel. Ein Geräusch reisst die Witwe aus dem Schlaf. Sie lauscht. Es kommt aus dem Untergeschoss, und wird lauter. Offenbar versucht jemand gewaltsam, die Kellertüre zu öffnen. Zum Glück ist sie verschlossen.

Geistesgegenwärtig greift die 79-Jährige zum Telefon und wählt die 117. Gleichzeitig ruft sie laut durchs Haus: «Wer ist da? Die Polizei ist unterwegs!», und kann den Einbrecher dadurch glücklicherweise in die Flucht schlagen. Innert zehn Minuten ist die Polizei mit vier Mann vor Ort – wohl auch dank der verstärkten Präsenz während der Wiga – und schaut sich im Keller und rund ums Haus um. Doch vom Täter fehlt jede Spur. Er konnte in der Dunkelheit problemlos entkommen.

Angst bei Dunkelheit

Gestohlen hat er nichts. Zurück bleibt das ungute Gefühl und ein Sachschaden am Kellerfenster, durch das der Einbrecher eingestiegen ist. Er hat es mit Werkzeug aufgehebelt und das Regal, das davor stand, einfach umgeworfen.

Die Rentnerin wird seit Jahren von einem unbehaglichen Gefühl begleitet, wenn sie mal nachts wach ist und nach draussen sieht. Denn zwischen 1 und 5 Uhr ist es stockfinster. Die Strassenlampen sind den Buchser Quartierstrassen entlang seit 2009 während der zweiten Nachthälfte ausgeschaltet. «Das ist ja geradezu eine Einladung für Einbrecher», ist sie überzeugt.

Gemäss Polizei nicht der Grund

Die Kantonspolizei hingegen bringt die ausgeschalteten Strassenlampen nicht direkt mit den Einbrüchen in Zusammenhang. «Es gibt im Prinzip keine typische Einbruch-Zeit», erklärt Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli auf Anfrage des W&O. Es werde zu jeder Tages- und Nachtzeit eingebrochen. «Tagsüber gehen die Einbrecher sogar läuten, und wenn niemand zu Hause ist, brechen sie ein.» Häufig sei es aber schon so, dass die Täter in der Dämmerung oder bei Dunkelheit zuschlagen, weil man sie weniger sieht. «Ganz aktuell stellen wir aber eher einen Rückgang der Einbrüche fest, obwohl es früher dunkel wird», erklärt Rezzoli. Er betont, dass es als präventive Massnahme wichtig sei, dass das Haus bewohnt wirkt. Also: Lichter oder Radio einschalten, sich zum Beispiel mit Zeitschaltuhren oder modernen technischen Hilfsmitteln, die über ein Smartphone gesteuert werden können, helfen. Wenn man «komische Gestalten» in Quartieren sehe oder einem sonst etwas verdächtig vorkommt, solle man ruhig die Polizei anrufen. Dies empfiehlt auch die Kampagne «Verdacht, ruf an!». Ausserdem bietet die Kantonspolizei kostenlose Sicherheitsberatung an.

Bewegungsmelder, die das Licht anzünden, wie es die Polizei empfiehlt, hat die betroffene Buchserin im Bereich des Hauseingangs installiert. «Aber doch nicht rund ums Haus», erklärt sie. Und das für den Einbruch benutzte Kellerfenster befindet sich seitlich am Haus.

Gute Akzeptanz bei Bevölkerung

Markus Kaufmann, Stadtschreiber von Buchs, sagt auf Anfrage: «Wir haben mit der Nachtabschaltung durchwegs positive Erfahrungen gemacht.» Gemäss einem Protokollauszug des Gemeinderates «habe sich die Vermutung, das subjektive Sicherheitsempfinden werde durch das nächtliche Abschalten der Beleuchtung erheblich beeinträchtigt, nicht bestätigt». Die gleiche Antwort gibt Rudolf Lippuner, Gemeindepräsident von Grabs: «Die Nachtabschaltung ist von der Bevölkerung gut akzeptiert worden.» Positive Rückmeldungen aufgrund der Energieeinsparung und des Beitrages gegen den Lichtsmog überwiegen in Buchs wie in Grabs.