IHK plant für Ostschweiz eine Informatik-Offensive

BUCHS/SARGANS/ST. GALLEN. Der umfassenden Vernetzung von Industrie, Produkten und Dienstleistungen mit Software gehört die Zukunft. Das prophezeit die Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell – und plant eine IT-Offensive.

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BUCHS/SARGANS/ST. GALLEN. Der umfassenden Vernetzung von Industrie, Produkten und Dienstleistungen mit Software gehört die Zukunft. Das prophezeit die Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell – und plant eine IT-Offensive. Mit den richtigen Weichenstellungen lässt sich die wirtschaftliche Entwicklung der europaorientierten Ostschweiz nachhaltig verändern. Davon ist die IHK überzeugt.

Das Thema brennt ihr auf den Nägeln, wie sich am IHK-Konjunkturforum Zukunft Ostschweiz vom Montagabend zeigte. Bestandteile der lancierten Informatik-Offensive sollen auch das NTB Buchs und die Kantonsschule Sargans sein, wie es in St. Gallen hiess.

IT-Kompetenzen fördern

Ohne markante Investitionen in die Bildung werde die Ostschweizer Wirtschaft von der restlichen Schweiz abgehängt – künftig noch stärker als heute. Besonderen Nachholbedarf ortet die Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell (IHK) bei den IT-Kompetenzen. Sie lanciert deshalb die Informatik-Offensive. Mit 2000 IT-Unternehmen und 15 000 Angestellten sei die Ostschweiz zwar heute bereits gut aufgestellt, doch es fehle der Wille, im Verbund als IT-Cluster aufzutreten.

IHK-Direktor Kurt Weigelt forderte am Montagabend am Konjunkturforum die Stärkung von Forschung und Entwicklung. Das sei unabdingbar, um künftig auch in einer digitalen Welt bestehen zu können. Zwar würden bereits Informatikfachleute ausgebildet. Es fehle aber der unbedingte Wille, «als IT-Cluster St. Gallen-Bodensee auch international eine wichtige Rolle zu spielen», sagte Weigelt.

Informatikstrategie auch für NTB

Dafür forderte Kurt Weigelt drei Massnahmen. Zum einen soll die duale Berufsbildung auch im Bereich der Informatik mit Fachmittelschulen ergänzt werden. Davon verspricht sich die IHK einen Beitrag im Kampf gegen den Fachkräftemangel.

Auch die drei Ostschweizer Fachhochschulen sollen aus Sicht der IHK als Ausbildungsstätten mit schweizweiter Ausstrahlung positioniert werden – durch eine standortübergreifende Informatikstrategie der Schulen in St. Gallen, Buchs (NTB) und Rapperswil.

Check für Machbarkeitsstudie

Und schliesslich traut der IHK-Direktor der Universität St. Gallen (HSG) zu, eine europaweit führende Stellung im Bereich der Informatikausbildung sowie -forschung und -entwicklung aufzubauen. Dafür soll die HSG einen Informatik-Studiengang anbieten, forderte Kurt Weigelt. Dessen Machbarkeit soll von der HSG-Führung innert Jahresfrist mit einer Studie abgeklärt werden. Sie wird vom IHK-Vorstand mit 200 000 Franken unterstützt, die Rektor Thomas Bieger am Montagabend als Check überreicht wurden.

FHS-Studiengang «in Arbeit»

Mit ihrem Vorstoss erfindet die IHK das Rad nicht neu: Im Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen wird bereits an einem Ausbau des Studiengangs Wirtschaftsinformatik an der FHS St. Gallen gearbeitet, wie der St. Galler Bildungschef Stefan Kölliker kürzlich in einem Interview ankündigte.

Die Bildungsoffensive ist nicht kostenlos zu haben. Deshalb fordert die IHK, dass das besondere Eigenkapital des Kantons St. Gallen künftig auch für die Anschubfinanzierung von Ausbildungen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik genutzt werden kann. Für diese Zweckänderung wäre allerdings die Zustimmung des Kantonsparlaments notwendig. (cz/rw)