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«Ich lasse mich nicht beurteilen»

Zum Sonntag

«Ich spiele besser Fussball als der da.»– «Mein Bruder ist stärker als deiner.» – «Nachbars Garten glänzt mehr als meiner.» – «Und welche Noten hatten die anderen?»: Der Vergleich gehört zu unserem Leben und er führt immer wieder zu einem Urteil. Und ein drohendes Urteil, so schliesst sich der Kreis, löst Erwartungen aus: die Erwartung, im Beruf zu funktionieren; ein treusorgender und erfolg-reicher Ehemann und Vater zu sein; eine modern-traditionelle Hausberufsfrau und Mutter. Die Erwartung, sein Leben zu meistern – und zwar besser als die anderen – damit das Urteil gut ausfalle: das kennen viele von uns.

Und schon der Apostel Paulus kannte hohe Erwartungen an sich selber und von anderen. Auch die damit verbundenen Be- und Verurteilungen waren ihm nicht fremd. Seine Antwort darauf ist speziell: An die scheinbar argwöhnende Gemeinde in Korinth schreibt er (1. Korintherbrief 4, 3) «Mir ist es völlig gleichgültig, ob ich von euch oder von einem menschlichen Gericht beurteilt werde; ich beurteile mich auch nicht ­selber.»

Was für eine innere Freiheit – wo wir doch von uns selber oft genau das Gegenteil kennen: Wir legen sehr viel Wert darauf, wie andere über uns denken oder urteilen – über unser Aussehen, an dem wir selber dies und jenes zu bemäkeln haben; über unser Auftreten, das mal selbstsicher und mal unsicher ist. Wir legen Wert darauf, wie wir ankommen – und wir wissen auch warum: Wie schnell haben wir uns selber ein Urteil über andere gemacht – darüber, wie die andere spricht oder denkt oder singt; wie der heute wieder aussieht oder daherkommt oder sich anbiedert … Erwartungen und Beurteilungen noch und nöcher. Und Paulus sagt: Das interessiert mich nicht, das ist mir völlig gleichgültig und ich lasse euer Urteil nicht zu.

Und den Grund für diese innere Freiheit sieht er – alle Achtung – in einem Urteil: «Der aber über mich urteilt, ist der Herr.» Und von ihm erwartet er sich eben nicht ein Urteil nach begrenzten menschlichen Massstäben, sondern «er wird auch, was im Dunkeln verborgen ist, ans Licht bringen und wird Sinnen und Trachten der Herzen offenbar machen. Und dann wird einem jeden sein Lob zuteil werden von Gott.» Mit einem solchen Gott, von dem uns ein Lob zuteil wird zmittst drin in all dem, was da ans Licht kommt – mit einem solchen Gott lässt es sich gut leben: Sein Urteil ist ein Lob über mich und über dich.

Pfarrer Lars Altenhölscher, Buchs

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