«Ich kämpfe mich durch alle Widerstände»

Die Firma Schöb AG passt ihre Anlagen auf ihre Bedürfnisse an. Das ist aber nicht der einzige Grund, wieso die Holzbaufirma ihrer Konkurrenz immer einen Schritt voraus ist. Beim Holz geht Inhaber Walter Schöb keine Kompromisse ein.

Alexandra Gächter
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Walter Schöb, Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Schöb AG, zeigt eine seiner modernen, CNC-gesteuerten Produktionsstrassen. Dank neuester Technik und jahrzehntelangem Know-how ist die Firma immer am Puls der Zeit. (Bild: Alexandra Gächter)

Walter Schöb, Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Schöb AG, zeigt eine seiner modernen, CNC-gesteuerten Produktionsstrassen. Dank neuester Technik und jahrzehntelangem Know-how ist die Firma immer am Puls der Zeit. (Bild: Alexandra Gächter)

Vor kurzem wurde Walter Schöb, Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Schöb AG, von der Lignum Holzkette St. Gallen zum Holzchopf gewählt. Gestern erhielt er zudem den Werdenberger Innovationspreis.

Was bedeutet es für Sie, innovativ zu sein?

Es bedeutet, immer einen Schritt voraus zu sein. Ich war einer der Ersten in der Schweiz, die bereits 1981 mit halbautomatischen Fabrikationsmaschinen gearbeitet haben. Und seit 2006 verwenden wir digitalisierte 3D-Zeichnungen, während andere Holzbauer noch von Hand arbeiten.

Ist man mit der neuesten Technologie automatisch einen Schritt voraus?

Nein. Meine erste Maschine aus Schweden musste ich anpassen. Die Schweizer Wohnkultur ist eine andere als die in Skandinavien. Ausserdem entsprechen die dortigen Hausinstallationen nicht unseren Vorschriften. Daher bauen wir auch heute noch neue Maschinen nach unseren technischen Vorstellungen und Prozessabläufen um.

Man muss also mitdenken.

Ja. Aber vor allem muss man vorausdenken. Unser Sohn Philipp ist sehr stark darin, Prozesse zu optimieren, und weiss daher, was eine Maschine besser machen muss. So konnten wir einen Prototypen einer Einblasmaschine mitentwickeln. Mit einer individuellen Maschine kann man natürlich Kundenwünschen besser und schneller gerecht werden.

Sind sie dadurch der Konkurrenz voraus?

Ja. Aber man darf mein Know-how durch die jahrzehntelange Erfahrung nicht vergessen. Wir haben also nicht nur die Anlagen, sondern auch das Wissen, um auf Detailwünsche einzugehen. Zudem können wir aufgrund unserer Einkaufsmenge auch mal Druck ausüben und zusammen mit unseren Lieferanten die Halbfabrikate verbessern und so den Prozess optimieren.

Wieso ist dieser Druck nötig?

Im Herbst ist Bauhochsaison, alle möchten vor der Winterpause ihre Bauten unter Dach wissen. Sie sollen sogar auf Weihnachten bezugsbereit sein. Deshalb verlängern sich die Lieferzeiten.

Stehen Sie ebenfalls unter Druck, Ihre Bauten vor Wintereinbruch fertigzustellen?

Nein. Im Gegenteil. Unsere Holzsystemhäuser können wir auch bei Minustemperaturen problemlos montieren. Es muss einfach trocken sein.

Können Sie bei Regen nicht montieren?

Diesbezüglich sind wir sogar noch mehr dem Wetter unterworfen als Bauern. Wir stellen jede Woche mindestens ein Objekt auf. Dafür brauchen wir drei regenfreie Tage. Wenn es zu regnen beginnt, müssen wir den Bau sofort abdecken. Wir versuchen aber, dies, so gut es geht, zu vermeiden.

Regenwetter meiden – das tönt schwierig.

Ist es auch. Es ist eine logistische Herausforderung. Wir müssen auf die Stunde genau planen. Wir rufen bei Meteo Schweiz an, fragen nach dem Wetter und richten uns danach. So kann es sein, dass unsere Mitarbeiter am Abend Überstunden leisten müssen, damit wir fertig werden, bevor es am nächsten Morgen regnet. Jeder Einzelne von uns muss sehr flexibel sein.

Ein Holzhaus wird also in drei Tagen montiert. Wie lange dauert die Produktion?

Ja, für die Montage eines Einfamilienhauses benötigen wir drei, maximum vier Tage. Die Produktion eines solchen Hauses nimmt maximal vier Tage in Anspruch. Bei Mehrfamilienhäusern benötigen wir für die Montage zwei Tage pro Etage. Da es in der Regel zwei Wohnungen pro Etage gibt, bedeutet dies, dass wir eine 41/2-Zimmer-Wohnung in einem Tag fertig montieren.

Wie lange dauert die Planungsphase eines Holzsystemhauses?

Ich sage den Kunden immer: Wenn Sie die Bewilligungen haben, dann steht bereits das halbe Haus. Es kann viel Zeit verloren gehen, wenn Nachbarn Einsprache erheben. Ausserdem fliesst bei uns die gesamte Hausinstallation in die Holzbauplanung. Das bedingt einen gewissen Zeitaufwand. Die Entscheidungsfindung des Kunden nimmt ebenfalls Zeit in Anspruch. Dadurch, dass wir alles vorausplanen, können wir genaue Kostenvoranschläge machen. Wir sind bei den Banken sehr beliebt. Unser Voranschlag stimmt mit einer Abweichung von plus/minus 1,5 Prozent. Andere weichen mehr als zehnmal so viel von ihrer Kostenschätzung ab.

Was für Vorteile hat der Holzsystembau?

Das ganze System ist ein Trockenbau. Wir haben immer 20 Grad in der Produktionshalle. Die Qualität ist viel besser, als wenn man draussen unter verschiedenen Witterungsbedingungen baut. Im Gegensatz zum konventionellen Baustil muss ein Holzhaus nicht trocknen. Das Haus ist schneller gebaut, und es gibt keine Schimmelstellen. Häuser müssen atmen können, wie die Haut oder gute Kleidung. Unsere Bauten können das.

Was für Vorzüge hat der Baustoff Holz?

In einem Holzhaus fühlt man sich einfach wohl. Im Norden, wo es über Monate extrem tiefe Temperaturen gibt, werden 90 Prozent der Häuser aus Holz gebaut. Holz ist zudem ein nachwachsender Rohstoff, der vor unserer Haustüre wächst. Der Transportweg ist sehr kurz. Und es gibt keine Resten. Mit dem Ausschuss heizen wir unsere Firma und angrenzende Gebäude.

Wieso liegt denn der Anteil Holzhäuser in der Schweiz nur bei 15 Prozent?

Früher wurden Holzsystemhäuser aus europäischen Ländern importiert. Das hat dem Ruf des Holzsystemhauses sehr geschadet. Ich musste und muss heute noch viel Aufklärungsarbeit leisten. Ökologisch und biologisch zu bauen, ohne Chemie, wird aber hoffentlich noch mehr zum Trend werden.

Sind Sie zuversichtlich, was die Zukunft anbelangt?

Ja. Die Zukunft liegt im mehrgeschossigen Holzbau. Das Land ist begrenzt, man muss also in die Höhe bauen. Aufstockungen sind im Kommen und werden in Zukunft noch zunehmen.

Man könnte auch mit anderen Materialien aufstocken.

Die Statik für den bestehenden Bau erreicht man eher, wenn mit einem leichten Holzsystembau aufgestockt wird. Zudem ist die Bauzeit kürzer. Letzteres ist gerade bei Aufstockungen sehr wertvoll. Die Personen wohnen ja während der Bauzeit weiterhin im unteren Geschoss.

Hören Sie von Ihren Gegnern nicht oft, dass Holz schneller brenne?

Von Feuerwehrmännern höre ich, dass sie lieber in ein Holzhaus gehen, um es zu löschen. Die Gefahr, dass das Haus zusammenbricht, ist kleiner. Bei abgebrannten Ställen bleibt ja immer das Skelett stehen, Stahl hingegen schmilzt bei 1000 Grad. Ausserdem kann man Holzwände mit feuerhemmender Steinwolle ausstatten. Und es gibt sogar Holz, das praktisch gar nicht brennt.

Was für Holz ist das?

Es ist ein Holz, das im Winter zu einer bestimmten Zeit gefällt wird, wenn der Baum seine Säfte zusammenzieht. Unser Sohn Philipp hat erfolgreich solches Holz bei Versuchen mit Feuer getestet.

Sie haben in diesem Jahr weit über 90 Prozent Schweizer Holz verwendet. Wieso?

Ich achte nicht nur darauf, dass es Schweizer Holz ist, wenn möglich verwende ich Holz aus unserer Region. Dafür setze ich mich ein. Es ist unser Wald und unser Lebensraum. Damit der Schutzwald seine Funktion gut erfüllen kann, darf er nicht veralten. Bäume müssen gefällt werden. Es macht Sinn, wenn wir Holz von hier nehmen, um es weiterzuverarbeiten. Ausserdem können wir so Arbeitsplätze in den Forstbetrieben und Sägereien der Region bewahren. Das liegt mir sehr am Herzen.

Obwohl ausländisches Holz günstiger ist?

Ja. Ich kämpfe mich seit über 20 Jahren durch alle Widerstände. Auch nach dem Einbruch des Euro, als das ausländische Holz auf einen Schlag 20 Prozent günstiger wurde, setzte ich weiterhin auf unser regionales Holz.

Gibt es keine Lieferengpässe beim Holz aus unseren Wäldern?

Nein. Aber es entsteht ein Engpass bei unserem internen Leimholzbetrieb. Deshalb haben wir einen sehr hohen Betrag in eine neue Anlage investiert. So können wir auch in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren Schweizer Holz selber verleimen und unabhängig bleiben. Darauf sind wir stolz.