«Ich bin nicht das liebe, nette Mädchen»

Heute abend spielt Anna Rossinelli mit Band im Buchser Kleintheater fabriggli auf. «Wir versprühen gerne gute Laune an unseren Konzerten», sagt die Baslerin. Warum sie eher frech als lieb ist und auf welchen Song sie sich besonders freut, verrät sie im Interview.

Doris Büchel
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Die Baslerin Anna Rossinelli mitten im Leben: Als Band mit Manuel Meisel (Gitarre, rechts) und Georg Dillier (Bass), als Frau, als «Marylou». (Bild: pd)

Die Baslerin Anna Rossinelli mitten im Leben: Als Band mit Manuel Meisel (Gitarre, rechts) und Georg Dillier (Bass), als Frau, als «Marylou». (Bild: pd)

Zum Glück spielen Sie heute abend im fabriggli in Buchs.

Anna Rossinelli: Wieso zum Glück?

Am Samstag hätten Sie vielleicht gepasst und sich lieber den Final des Eurovision Song Contests angesehen.

Rossinelli: Sie meinen, weil wir 2011 selbst am Final dabei waren? Stimmt. Der Eurovision Song Contest wird immer ein Teil von uns sein und wir denken extrem gerne daran zurück. Es war eine spannende Zeit, damals. Aber wir haben uns weiterentwickelt und reden heute lieber über unsere neuen Sachen. Aber ja, wir werden am Sonntag sicherlich rasch nachsehen, wer das Rennen gemacht hat. Das interessiert uns natürlich schon.

Dann reden wir über Ihre neuen Sachen. Sie haben soeben Ihr zweites Album «Marylou» veröffentlicht und dabei erstmals alle Songs selber geschrieben.

Rossinelli: Das stimmt. Wir konnten uns für dieses Album mehr Zeit nehmen als für unser erstes Album «Bon Voyage», konnten uns stärker mit unserer Musik auseinandersetzen. Das neue Album ist dadurch direkter, rougher, persönlicher geworden. Wir sind extrem zufrieden.

Apropos persönlicher: Wie viel Persönlichkeit der Strassenmusiker von einst steckt heute noch in Ihrer Band – jetzt da sie so erfolgreich sind?

Rossinelli: Die Strassenmusik wird immer ein Teil von uns sein. Wir spielen nach wie vor auf der Strasse, beispielsweise in Zürich oder in Basel. Es ist schön, dass wir uns einfach zu dritt hinstellen und losspielen können. Ich mag diesen Sound, den wir da spielen. Er ist extrem reduziert, nackt. Ich persönlich habe übrigens auch nicht das Gefühl, dass ich mich verändert habe.

Kommt da noch ein Aber?

Rossinelli: Aber durch den Erfolg, ist natürlich auch der Druck gestiegen. Wir leben jetzt von der Musik, bezahlen unsere Mieten, unsere Rechnungen damit. Die Musik ist jetzt auch Business. Nach dem Eurovision Song Contest ist alles auf uns eingeprasselt. Wir wussten nicht, wie wir mit den Medien umzugehen hatten, hatten noch keine Freunde in diesem Business, die wir um Rat hätten fragen können. Das war alles ziemlich viel auf einmal.

«Marylou» zeige die neue Seite der Anna Rossinelli. Welche Seite ist das?

Rossinelli: Am Anfang unserer Karriere wurde ich von den Leuten als das nette Mädchen von nebenan wahrgenommen. Aber ich bin nicht das liebe, nette Mädchen. Ich persönlich habe mich nie so gesehen. Ich bin gerne frech, direkt, habe das Herz auf der Zunge und mache die Dinge gerne aus dem Bauch raus. So ist auch «Marylou»: frech, fordernd und mit viel Beat. Durch den Einsatz elektronischer Elemente sind die Songs tanzbarer geworden, reissen noch mehr mit.

Welchen Song Ihres neuen Albums performen Sie am liebsten?

Rossinelli: Natürlich habe ich zu allen Songs eine Beziehung. Auch die älteren Stücke liegen mir sehr am Herzen. Doch müsste ich mich für einen Song entscheiden, dann wäre das «Until», eine intime, stille Ballade.

Was gefällt Ihnen an diesem Song so gut?

Rossinelli: Wir sind immer noch am Ausprobieren, auf der Suche nach unserem Stil. Aber bei «Until» stimmt einfach alles. Ich kann diesen Song immer und immer wieder anhören. Ich werde ihn wohl immer lieben. Es gibt nichts, das ich an ihm ändern würde.

Dann werden sicherlich auch die Zuhörer heute abend im fabriggli auf den Genuss von «Until» kommen. Was erwartet die Gäste sonst noch?

Rossinelli: Wir hören immer wieder, dass wir bei den Konzerten gute Laune versprühen. Die Zuhörer können einfach eintauchen, den Alltag vergessen. Gerade in einem Kleintheater wie dem fabriggli, sind uns die Leute sehr nahe. Das ist alles echt, was wir bringen. Natürlich wollen wir den Gästen auch etwas Neues bieten. Sonst könnten sie ja auch einfach daheim die CD anhören.

Das heisst?

Rossinelli: Wer sich für unsere Band wirklich interessiert und nicht nur die Songs kennt, die im Radio gespielt werden, weiss, dass sich unsere Songs immer weiterentwickeln. Wir mögen das. Als Musiker sind wir gerne flexibel, wir lassen es auf uns zukommen.

Sie treten heute wie gewohnt zu dritt auf?

Rossinelli: Nein, heute werden wir im Quartett aufspielen. Ein Schlagzeuger wird uns ergänzen. Dadurch wird der ganze Sound etwas frecher, etwas peppiger.

Werden die Gäste am Schluss wissen, wie viel Marylou tatsächlich in Anna Rossinelli steckt?

Rossinelli: Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. (Lacht.)

Das Konzert findet heute Freitag, 9. Mai, um 20 Uhr im fabriggli Buchs statt. Infos unter: www.fabriggli.ch.

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