Hohe Sozialhilfequote Sevelens hat unterschiedliche Ursachen

SEVELEN. 10 455 Personen waren im Jahr 2012 im ganzen Kanton St. Gallen auf Sozialhilfe angewiesen. Gegenüber dem Jahr 2011 ist das ein leichter Anstieg. Der Anteil der Haushalte ohne Einkommen wuchs deutlich an.

Alexandra Gächter
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SEVELEN. 10 455 Personen waren im Jahr 2012 im ganzen Kanton St. Gallen auf Sozialhilfe angewiesen. Gegenüber dem Jahr 2011 ist das ein leichter Anstieg. Der Anteil der Haushalte ohne Einkommen wuchs deutlich an. Vergleicht man die kantonalen Zahlen mit den Werdenberger und Obertoggenburger Gemeinden, fällt auf, dass Buchs und Sevelen mit einer Sozialhilfequote von 2,9 respektive 2,5 Prozent über dem kantonalen Durchschnitt liegen.

In Sevelen war das nicht immer so. Noch im Jahr 2008 waren 0,8 Prozent der Seveler Bevölkerung von der Sozialhilfe abhängig, im Jahr 2012 waren es bereits mehr als dreimal so viel (vgl. Titelseite). Keine andere Gemeinde in der Region Werdenberg und Obertoggenburg hat eine vergleichbare Entwicklung durchgemacht, wie die Grafik rechts zeigt. Grund genug, die demographische Situation von Sevelen unter die Lupe zu nehmen.

280 Einwohner mehr

Die Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen schreibt, dass Gemeinden mit wachsender Besiedlungsdichte auch eine wachsende Sozialhilfequote haben. Sevelen wuchs von 2008 bis 2012 um 280 Personen von 4443 auf 4723 Einwohner, also um 6,3 Prozent. Verglichen mit der Anzahl Sozialhilfeempfänger von 222 Prozent (32 im Jahr 2008, 103 im Jahr 2012) ist dies aber kaum eine Erklärung.

Das Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien Bass AG forscht schweizweit nach Ursachen der Ausgabenunterschiede in der Sozialhilfe. Die Bass AG schreibt, dass die Sozialhilfequote unter anderem umso grösser ausfällt, je grösser der Anteil Ausländer und Ausländerinnen, Einelternhaushalte und Einpersonenhaushalte ist; je grösser die Arbeitslosenquote und je grösser der Anteil an Steuerpflichtigen ohne oder mit geringem Vermögen ist.

210 Ausländer mehr

Der Ausländeranteil in Sevelen wuchs von 1396 im Jahr 2008 auf 1606 im Jahr 2012, also um 210 Personen oder um 15 Prozent. Die Bass AG hält fest, dass Ausländer im Vergleich zu den Schweizern teilweise begrenzte Ansprüche auf gesetzliche, vorgelagerte Bedarfsleistungen haben und deshalb schneller zu Sozialfällen werden können.

2,1 Personen pro Haushalt

Einpersonenhaushalte würden gemäss der Bass AG wegen der doppelten Haushaltsführung zusätzliche Kosten verursachen, und Alleinerziehende werden generell schneller zum Sozialfall. Die Anzahl Alleinerziehender konnte die Gemeinde Sevelen nicht angeben, jedoch teilt sie mit, dass die gut 4700 Einwohner in 2200 Haushalten leben. Das sind durchschnittlich 2,1 Personen, welche sich in Sevelen einen Haushalt teilen.

Das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum RAV Sargans sagte auf Anfrage, dass 2009 wegen der Wirtschaftskrise die Zahl der Arbeitslosen und Stellensuchenden in Sevelen in die Höhe geschnellt sei. So suchten 2008 in Sevelen 55 Personen eine Stelle, ein Jahr später waren es 110.

Wieso es die Gemeinde stark getroffen hat, könne damit zusammenhängen, dass Sevelen viel Industrie hat. «Die Automobilzuliefer- und die Textilindustrie sind eher im Niedriglohnsegment angesiedelt», sagt RAV-Leiter Urs Greuter. Diese Industrien seien kurzen Zyklen unterworfen, das heisst, sie bauen schnell Personal auf und auch wieder schnell ab.

Auch die Gemeinde Sevelen sieht den Grund für die erhöhte Sozialhilfequote in der schlechteren Wirtschaftslage. Zudem müsse die Gemeinde wegen der Sparmassnahmen Kosten der Invalidenversicherungs- und der Arbeitslosenversicherungsanstalten übernehmen.

Nicht viel dagegen tun

Die Schweiz sei in einer Umbruchsphase. Die Gemeinde Sevelen rechnet eher mit einer weiteren Erhöhung oder bei gutem Verlauf mit einer Stagnierung der Sozialhilfefälle. Dagegen könne Sevelen nicht viel unternehmen. Mehr Handlungsbedarf sieht die Gemeinde bei der Wirtschaft.

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