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HÖCHSTER ST. GALLER: «Ich bin ein junger Ausreisser»

Der Nesslauer SVP-Politiker Ivan Louis ist seit gestern neuer Kantonsratspräsident. Der 27-Jährige ist ausserdem HSG-Doktorand und selbstständiger IT-Unternehmer.
Nina Rudnicki
Erst 27 und schon Kantonsratspräsident: Ivan Louis in der St.Galler Altstadt. (Bild: Benjamin Manser)

Erst 27 und schon Kantonsratspräsident: Ivan Louis in der St.Galler Altstadt. (Bild: Benjamin Manser)

Nina Rudnicki

ostschweiz@tagblatt.ch

Auf der Homepage von Ivan Louis ist sein ganzer Alltag erfasst: Seit Louis Ende 2011 erstmals als SVP-Kantonsratskandidat nominiert wurde, ist jeder Termin aufgeführt. Alle zwei oder drei Tage geht der Toggenburger gemäss der akri­bischen Liste seither an Parteiveranstaltungen und Vereins­treffen, joggt mit Regierungsratskandidat Michael Götte (2012), besucht die Olma und den Info-Abend der Bergbahnen Wildhaus oder ist beim Helferessen des Irish Open Air Toggenburg dabei.

Konsequenterweise ist auch das Treffen mit unserer Zeitung in Louis’ Online-Agenda auf­geführt: Montagmorgen, 7.45 Uhr im Café Spisertörli in der St. Galler Altstadt. Nur kurz hat Louis an diesem Tag Zeit: Um 8.30 Uhr beginnt die Fraktionssitzung der SVP. Am Nachmittag startet die Junisession, in der der 27-Jährige zum Kantonsratspräsidenten mit 108 von 112 gültigen Stimmen gewählt wird. Diesmal bleibt ihm die Ehrenrunde erspart: Als Vize war er vor einem Jahr erst im zweiten Wahlgang gewählt worden. Vizepräsidentin neben Louis ist ebenfalls eine Toggenburgerin: Imelda Stalder (FDP) erhält 102 Stimmen.

Sehr viele Erfahrungen sammeln

Ivan Louis’ Vorgänger in jüngster Zeit waren im Schnitt 30 Jahre ­älter. «Natürlich kann man einwenden, dass ich zu jung und ­unerfahren für dieses Amt bin», sagt er. «Aber ich bin eben ein junger ‹Ausreisser›. Und das bringt viel Positives mit sich.» Es sei wie im Berufsleben, in dem man immer wieder in altersdurchmischten Teams als Jüngster herausgefordert werde.

Im Amt als Kantonsratspräsident könne er in kurzer Zeit sehr viele Erfahrungen sammeln, die ihm in den kommenden Jahren im Kantonsrat nützen würden. Er erinnert sich an 2015, als er in den Kantonsrat nachrutschte. «Wann welches Geschäft wieso kommt, da blickte ich am Anfang nicht durch.» Im vergangenen Jahr als Vize-Ratspräsident habe er diesbezüglich viel lernen können.

Gross aufgefallen ist Louis im Kantonsrat nicht. Nur zwei Vorstösse gibt es unter seinem Namen: einer zum Campus Wattwil, einer zur Offenlegung der Interessenbindung von Richtern und Staatsanwälten. «Es ist eine gefährliche Tendenz, nur auf Zahlen zu achten. Es gibt zu viele Vorstösse, die nur für die Galerie eingereicht werden und deren Antwort man sich auch selbst ergoogeln könnte», sagt er dazu. Zu Louis’ politischen Schwerpunkten gehört, dass er das Bildungsangebot im Toggenburg erhalten, die individuelle Freiheit stärken sowie einen ausgeglichenen Kantonshaushalt bewahren will – letzteres, ohne die Steuern zu erhöhen. Auf konkrete Beispiele zu diesen Themen angesprochen, gibt er sich aber zurückhaltend. Vielmehr betont er die Objektivität, die im Amt als Kantonsratspräsident gefordert sei. «Es geht darum, mehrheitsfähige Massnahmen auszuarbeiten», antwortet er beispielsweise auf die Frage, wo er denn sparen würde. Dann ergänzt er immerhin, dass man da sicher den «kulturellen Bereich» anschauen könne.

Toggenburg muss kämpfen, dass es positiver wird

Als Ratspräsident muss der SVP-Politiker ein Augenmerk für alle Kantonsteile haben. Trotzdem dringt im Gespräch immer wieder durch: Das Toggenburg liegt ihm, als in Nesslau Geborenen, Aufgewachsenen und Verwurzelten, besonders am Herzen. «Das Toggenburg hat viel Potenzial. Nur leider verkauft es sich unter seinem Wert. Einige Unternehmen sind in der Ver­gangenheit abgewandert und als Folge davon auch die Bewohner. Dies führt dazu, dass Schulen geschlossen werden und der Lebensraum immer weniger attraktiv wird», sagt er. «Im Moment wird im Toggenburg nicht dafür gekämpft, dass es positiver wird. Vielmehr kämpfen wir dagegen an, dass es nicht negativer wird. Das müssen wir dringend stoppen.» Denn touristisch habe die Region viel zu bieten. «Im Bergbahnenstreit muss bald eine Lösung her.» Auch für den Erhalt und die Stärkung der Kanti Wattwil setzt er sich ein.

Damit, dass die Wertschöpfung vor Ort bleiben soll, meint es Louis ernst: Er selbst arbeitet in Nesslau als selbstständiger IT-Unternehmer und entwickelt Homepages für Unternehmen und Politiker. So hat er jüngst mit Toni Brunner und Esther Friedli an der letztlich erfolglosen Kampagne gegen das revidierte Energiegesetz mitgewirkt. Im Sommer beginnt Louis, der in diesem Frühjahr sein Jus-Studium abgeschlossen hat, aus­serdem ein Doktorat an der Universität St. Gallen. Thema seiner Arbeit ist das Öffentlichkeitsgesetz in den Kantonen. Die Doktorarbeit sei einer der Hauptgründe, wieso er nicht in absehbarer Zeit für den Nationalrat kandidieren will. «Ich finde es sowieso sinnvoller, die Erfahrungen aus dem Präsidialjahr in den nächsten Jahren im Kantonsrat einzubringen.»

Politiker, Jungunternehmer, Doktorand – Wie bekommt er ­alles unter einen Hut? «Mein Tag ist locker», sagt er. «Wenn ich sehe, wie viel Verpflichtungen und Sitzungen andere haben.» Seinen Online-Kalender wird er weiterhin mit Terminen füttern, während seiner Zeit als Kantonsratspräsident noch mit einigen mehr. Auch online veröffentlichen wird er weiterhin alles – wegen der Wählernähe und Transparenz, wie er sagt. Stalker oder auflauernde Fans habe er deswegen bislang nicht. «Dann müsste ich wahrscheinlich doch mit der Online-Agenda aufhören.»

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