Hilfe bei der Nachholbildung

Im Alter von 25 Jahren noch eine Lehre zu beginnen, ist gar nicht so einfach. Das Programm «Navigation 20–30» bietet Unterstützung bei der Stellensuche.

Sina Bühler
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Wenn junge Leute ohne Lehrabschluss ihre Stelle verlieren, haben sie grosse Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden. Und vor allem: Diesen Job länger zu behalten. Deswegen hat das St. Galler Amt für Wirtschaft grosses Interesse daran, die Nachholbildung zu fördern.

«Zwischen Stuhl und Bank»

Obwohl es viele Wege zum Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder zur Attestlehre (EBA) gibt, ist es für junge Menschen, die altersmässig eine reguläre Lehre verpasst haben, am Schwierigsten. Walter Abderhalden, Hauptabteilungsleiter der Arbeitslosenversicherung im Kanton, sagt gar: «Sie fallen zwischen Stuhl und Bank.» Denn wer als Teenager noch keine Lehrstelle hat, kann über ein Motivationssemester zum Ziel kommen. Und wer älter ist als 30 Jahre, kann von der Arbeitslosenkasse Ausbildungszuschüsse beantragen.

Nur für junge Menschen dazwischen gab es bis anhin nichts. «Darum haben wir <Navigation 20–30> entwickelt», sagt Abderhalden. Junge Erwachsene, die beim RAV angemeldet sind, können bis zu sechs Monate lang ein Programm besuchen, das sie bei der Lehrstellensuche unterstützt – anschliessend haben sie Anspruch auf eine finanzielle Unterstützung. Bund und Kanton zahlen ihnen während der Lehre einen monatlichen Beitrag an die Lebenskosten, so dass sie mit dem Lohn und allfälligen Stipendien bis auf 1332 Franken kommen. Das St. Galler Programm, an dem auch Lehrstellensuchende aus den Kantonen Graubünden und Glarus sowie dem Fürstentum Liechtenstein teilnehmen können, gibt es in Bad Ragaz und St. Gallen. Durchgeführt wird es von der Stiftung für Arbeitsgestaltung. «Wir unterstützen die Teilnehmer nicht nur bei der Bewerbung. Sie bekommen auch Hilfe, um schulisch das nötige Niveau zu erreichen. Und sie arbeiten in unserer Holzwerkstatt», sagt Livio Stünzi, der für die Stiftung das Programm «Navigation 20–30» leitet.

Erfolgversprechende Quote

Nach durchschnittlich zwei Monaten im Navigationsprojekt hat es für viele bereits geklappt: 64 Prozent haben nach Abschluss einen Lehrvertrag oder bis zur definitiven Zusicherung zumindest einen Praktikumsplatz gefunden. Diese Zahlen seien noch nicht aussagekräftig, denn «Navigation 20–30» startete erst 2014. Doch die Zahlen des Vorgängerprojektes «18:24» deuten auf einen nachhaltigen Erfolg. «Geschätzte 80 Prozent jener, die eine Lehre beginnen, werden später einen Abschluss in den Händen halten», sagt Stünzi.