Helfen, wo man kann – so denken Jugendliche aus Buchs

BUCHS. You Speak, der Jugendrat Buchs, veranstaltete am vergangenen Freitag eine Diskussionsrunde zum Thema Flüchtlinge. «Die Jugend interessiert sich nicht für politische Fragen», ist ein Urteil, das nur allzu schnell gefällt wird.

Christopher Eggenberger
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«Wer wirklich Hilfe braucht, soll diese auch erhalten» – in diesem Punkt war man sich einig: Manuel Guntli, Tamara Cucuz, beide You Speak, Moderator Arsim Hajdarevic vom KOJ (Bild links), Jungpolitiker Joël Kaufmann und Narges Noori, die als Kind von Afghanistan in die Schweiz kam. (Bilder: pd)

«Wer wirklich Hilfe braucht, soll diese auch erhalten» – in diesem Punkt war man sich einig: Manuel Guntli, Tamara Cucuz, beide You Speak, Moderator Arsim Hajdarevic vom KOJ (Bild links), Jungpolitiker Joël Kaufmann und Narges Noori, die als Kind von Afghanistan in die Schweiz kam. (Bilder: pd)

BUCHS. You Speak, der Jugendrat Buchs, veranstaltete am vergangenen Freitag eine Diskussionsrunde zum Thema Flüchtlinge. «Die Jugend interessiert sich nicht für politische Fragen», ist ein Urteil, das nur allzu schnell gefällt wird. Dass dieser Vorwurf jedoch ziemlich undifferenziert ist, zeigte sich am Freitag in der Aula des Buchser Schulhauses Flös. Dort führte nämlich der Jugendrat Buchs, You Speak, einen Diskussionsabend durch zu einem Thema, das offensichtlich auch die Jugend beschäftigt: die aktuelle Flüchtlingssituation.

Dramatischer Einstieg

Als Einstieg ins Thema diente eine Fernsehreportage aus der Pufferzone zwischen den Versorgungslagern in Slowenien und Österreich. Die Situation der Flüchtlinge dort ist verzweifelt: Die Menschen müssen im Freien übernachten, bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. Darunter sind auch Kinder und alte Menschen.

Zu Wort kommen im Film auch Soldaten und Polizisten, die an den Grenzübergängen stationiert sind. Oder ein Buschauffeur, der jeden Tag Flüchtlinge zur deutschen Grenze bringt. «Ich habe kein Mitleid mit den Leuten. Die sollen zu Hause bleiben, sollen das Land aufbauen. Die haben alle Möglichkeiten da unten», sagt er. Unterschiedliche Perspektiven also, die anschliessend als Gesprächsgrundlage dienen sollten.

Die Flüchtlingssituation in Buchs wurde im zweiten Teil der Veranstaltung beleuchtet. Jugendrat-Mitglied Jasmin Wilson liess sich im Vorfeld von der Stadtverwaltung informieren und präsentierte am Freitag die Ergebnisse ihrer Nachforschungen. Zur Sprache kam dabei etwa die rechtliche Definition des Begriffs Flüchtling, die im Verlauf des Abends noch an Bedeutung gewinnen sollte. Ebenso erläuterte Jasmin Wilson das Aufnahmekonzept des Kantons, die demographische Aufteilung der Flüchtlinge in Buchs sowie die zur Verfügung stehenden Beschäftigungsmöglichkeiten.

Nicht jeder ein «Flüchtling»

Anschliessend wurde die Diskussionsrunde eröffnet. Dabei stellten sich die beiden Jugendrat-Mitglieder Tamara Cucuz (19 Jahre) und Manuel Guntli (14) sowie SVP-Jungpolitiker Joël Kaufmann (21) und die aus Afghanistan stammende 15jährige Narges Noori den Fragen von Moderator Arsim Hajdarevic. In den meisten grundsätzlichen Punkten herrschte bei den Diskussionsteilnehmern Einigkeit. So stand etwa für alle fest, dass «echten» Flüchtlingen mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen werden muss. Genauso solle aber strikt unterschieden werden: Handelt es sich bei diesen Personen um Menschen, die in ihrem Heimatland an Leib und Leben bedroht sind oder sind es Leute, die sich nur als «Flüchtlinge» ausgeben?

Die Teilnehmer äusserten auch ihre Besorgnis über Problemfälle, insbesondere jene Personen, die straffällig werden. Vor dem Hintergrund sich künftig verschärfender Probleme im Sozialversicherungssystem wurde auch die Ansicht geäussert, Flüchtlinge wieder in ihr Heimatland zurückzuschicken, sobald es dort wieder sicher sei. Zudem bedürfe es weiterer Massnahmen, etwa der Unterstützung im Ursprungsland bei Konfliktlösung und Wiederaufbau. Im Schlussteil brachte sich das Publikum mit Fragen und Bemerkungen ein. Den Abschluss bildete erst der Poetry-Slam-Vortrag von Özkan Tok, ebenfalls Mitglied des Jugendrates. Darauf folgten noch Gesangsdarbietungen der beiden Jugendlichen Amelie und Anne.