Heisse Rhythmen im fabriggli

Traditionelle Musik aus Burkina Faso (Westafrika) trifft auf europäischen Jazz. Im Werdenberger Kleintheater in Buchs ergab dies ein musikalisches Feuerwerk, aggressiv, rockig, temporeich, mitreissend.

Esther Wyss
Drucken
Teilen
Drei Schweizer Jazzer treffen auf afrikanische Musiker und wagen das Experiment, die unterschiedlichen Musikstile zu mischen. (Bild: Esther Wyss)

Drei Schweizer Jazzer treffen auf afrikanische Musiker und wagen das Experiment, die unterschiedlichen Musikstile zu mischen. (Bild: Esther Wyss)

BUCHS. Aus westafrikanischer, traditioneller Musikkultur, gespielt von den vier Musikern André Ouattara (Bara), Eliace Sanou (Bara), Moumouni Sanou (Balafon) und Kalifa Diabaté (Balafon) und drei jungen Schweizer Jazzmusikern, Jul Dillier (Keys), Samuel Messerli (Schlagzeug) und Pascal Eugster (E-Gitarre) entstanden heisse Rhythmen, energiegeladene Musik, kraftvoll und lebensfroh. Zuerst spielten die Musiker das Stück Djarabie. Das Balafon begann mit einem solistischen Intro, mit seinem harten, hölzernen Klang, dann setzten die anderen Spieler virtuos ein. Ein Feuerwerk von Tönen und Rhythmen prasselte auf die Zuhörer nieder, laut, mit voller Wucht, animierend und überzeugend. Später setzten die schwarzen Musiker mit Gesang ein, der wie ein Frage- und Antwortspiel daherkam. Die Musik verschob sich zum Piano, dem Schlagzeug und der E-Gitarre und fand, nachdem der Gesang wieder eingesetzt hatte, auf dem Höhepunkt zu einem unerwartet abrupten Ende.

Musikprojekt «Frères de Son»

Mit Djarabie hat es eine besondere Bewandtnis. Es war das erste Musikstück, das Jul Dillier und Pascal Eugster bei ihrem Besuch in Burkina Faso von der Formation Yeko Youma zu hören bekamen. Aus dieser Bekanntschaft entstand das Projekt «Frères de Son». Die Musiker wollten sich austauschen und voneinander lernen. «Musik ist eine Kommunikationsform, die weltweit verstanden wird», sagt Jul Dillier, «obwohl wir uns kaum mit Worten verständigen konnten, verstanden wir uns sofort, als wir mit den Instrumenten zu spielen begannen.» Nun ist das Projekt Wirklichkeit geworden. Mit «Bona» rissen die Musiker das Publikum mit, und schon bald wippte das Publikum im Takt zur raumfüllenden Musik, die den ganzen Körper in Schwingung versetzte.

Die sieben Musiker, die kaum Zeit zum Proben hatten, improvisieren viel. Jedes Stück ist deshalb eine Begegnung mit offenem Ausgang, was zur Spannung und zum Hörgenuss beiträgt.

Ansteckende Lebensfreude

Bei den afrikanischen Musikern ist die Spielfreude sicht- und hörbar. Die Schweizer Musiker wirken eher zurückhaltend, genau wie das Publikum. Aber die Lebensfreude und Energie ist ansteckend. Und schon bald beginnen einige Zuhörer zu tanzen. Immer wieder fanden die Musiker zu einem gemeinsamen Nenner, aber auch Gegenüberstellungen der Musikkulturen fanden in der Darbietung statt. Wenn die Jazzer mit Solopassagen brillierten oder die Afrikaner das Tempo steigerten und mit ihren Solis die Stimmung aufheizten, reizten die Musiker die ganze Palette der verschieden Konstellationen aus. Es entstand rhythmische, afrikanisch geprägte Musik, die auch partytauglich ist. Zum Stück Miria gab Eliace Sanou Erklärungen auf Französisch ab. Es handelt sich um Gedanken, die sich alle während des Zuhörens machten. Salsa heizte die Stimmung mit Kraft und Tempo auf, und Eliace gab zur Freude des Publikums eine solistische Tanzeinlage. Aus dem experimentellen Zusammenspiel von Afrikanern und Schweizern entstand ein musikalisch Ganzes, frech, aggressiv, rockig, ein Genuss für Liebhaber.