Heisse Liebe entpuppt sich als eine Luftnummer

BUCHS/MELS. Eine Brasilianerin soll einen einsamen Mann mit Liebesschwüren um 130 000 Franken betrogen haben. Doch das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland spricht sie frei, denn es gibt keinen Beweis. Das Geld ist trotzdem weg.

Reinhold Meier
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BUCHS/MELS. Eine Brasilianerin soll einen einsamen Mann mit Liebesschwüren um 130 000 Franken betrogen haben. Doch das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland spricht sie frei, denn es gibt keinen Beweis. Das Geld ist trotzdem weg.

Die Geschichte beginnt so tragisch wie sie endet: Nach langjähriger Ehe trennt sich die Frau des besagten Mannes von ihm. In seiner Not, den Lebensabend nicht allein verbringen zu wollen, sucht er im Internet nach einer neuen Partnerin. Da meldet sich eine in der Schweiz wohnhafte Brasilianerin und trifft offenbar genau den richtigen Ton. «Möchte gerne völlig unsachliche heisse Besprechung durchzufahren», lässt sich die angebliche Anwältin etwas holprig, aber umso eindeutiger vernehmen.

Schon bald darauf konkretisiert sie ihre Vorstellungen, nach denen ein Mann für eine Frau zu sorgen habe. Sie wünsche sich ein neues Auto und Geld für eine Wohnung in der Heimat. Danach könne man gemeinsam auswandern, eine neue Familie gründen und den Lebensabend geniessen, hält die Anklageschrift den avisierten Plan fest.

Aufs Geld aus?

Der erste Teil der Idee klappte bestens. Sie bekam von ihm einen Mercedes der M-Klasse für 69 000 Franken. Dafür machte der Mann sogar Gelder der Pensionskasse locker. Nachdem der Dame bald der Sinn nach Bargeld stand, verkaufte er das Mobil mit Verlust wieder und übergab ihr 50 000 Franken. Es flossen weitere Barbeträge, darunter einer von 45 000 Franken für die brasilianische Wohnung.

Schliesslich verlangte die Frau noch zwei Flugtickets nach Rio über 5600 Franken. Doch am Ende flog sie mit einem ganz anderen Mann ins Land des Sambas, nur, um dem ersten von dort abrupt die Trennung mitzuteilen. Die Anklage plädierte denn auch auf Betrug, weil sie durch Lügen, hohe Zuwendungen ergaunert habe, die den Rahmen üblicher Geschenke sprengten. Sie sei nie ernsthaft an dem Mann interessiert gewesen, nur am Geld des solcherart Abservierten.

Mehr als eine Affäre?

Dabei habe die Frau seine seinerzeitige Labilität schamlos ausgenutzt und eine falsche Liebe vorgetäuscht, kurz, ihn arglistig getäuscht. Dafür seien 300 Tagessätze à 300 Franken als Strafe auszusprechen, bedingt auf zwei Jahre. Der Mann als Privatkläger forderte zudem die Rückzahlung von 115 000 Franken. Auffällig schien immerhin, dass sich auf dem Beantworter der Beschuldigen rund ein Dutzend ihrer offensichtlichen Affären gemeldet hatten, um sich nach dem aktuellen Beziehungsstatus mit ihr zu erkundigen.

Die Verteidigung verlangte hingegen Freispruch und ein Abweisen der Zivilforderung, schlicht, weil kein Betrug erwiesen sei. Dem schloss sich das Gericht letztlich an und sprach die Beschuldigte frei. Dies vor allem, weil zwar Verdachtsmomente, aber kein einziger Beleg über die geflossenen Summen vorliege. «Null und Nichts». Es stehe Aussage gegen Aussage, hiess es. Erschwerend komme hinzu: Selbst wenn die Geldsummen, wie vom Mann behauptet, tatsächlich geflossen seien, wäre es kein Betrug gewesen.

Eigenverantwortung betont

Denn in seinem Umfeld war dem Mann zuvor dringlich geraten worden, kein Geld zu übergeben. Wer aber ausdrücklich gewarnt ist und trotzdem tut, was er nicht lassen mag, ist sich bewusst, was er tut. Daher liegt, juristisch betrachtet, kein Betrug vor, schliesslich kann jeder mit seinem Geld machen, wozu ihn gelüstet. Der Freispruch im strafrechtlichen Sinne war darum zwingend, die Zivilforderung wurde auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Die Kosten für das Verfahren von 6300 Franken hat der Staat zu zahlen, ebenso die Verteidigungskosten der Freigesprochenen von 18 100 Franken. Dem Urteil ist Rechtskraft erwachsen, weil beide Seiten auf eine Berufung verzichtet haben.