Heidi Grünenfelder gibt die Pracht der Blumenvielfalt wider

AZMOOS. Die begeisterte Malerin und Schnitzerin Heidi Grünenfelder stellt mit ihren 82 Jahren im Betagtenheim Azmoos um die 20 Bilder aus. Die Ausstellung beginnt am 8. Oktober und dauert an bis zum 15. November. Die Künstlerin wird jeweils an den Donnerstagen von 13.30 Uhr bis 19 Uhr anwesend sein.

Melanie Steiger
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Die Künstlerin Heidi Grünenfelder zeigt ihr selbst gemaltes Jägerbild. Auch die Verzierungen auf dem Wohnzimmerschrank hat sie eigenhändig bewerkstelligt. (Bild: Melanie Steiger)

Die Künstlerin Heidi Grünenfelder zeigt ihr selbst gemaltes Jägerbild. Auch die Verzierungen auf dem Wohnzimmerschrank hat sie eigenhändig bewerkstelligt. (Bild: Melanie Steiger)

AZMOOS. Die begeisterte Malerin und Schnitzerin Heidi Grünenfelder stellt mit ihren 82 Jahren im Betagtenheim Azmoos um die 20 Bilder aus. Die Ausstellung beginnt am 8. Oktober und dauert an bis zum 15. November. Die Künstlerin wird jeweils an den Donnerstagen von 13.30 Uhr bis 19 Uhr anwesend sein.

Leider kann Grünenfelder ihrer Tätigkeit als Malerin heute nur noch bedingt nachgehen, da ihr Zittern sie am exakten Arbeiten hindert. An guten Tagen nimmt sie aber noch gern den Pinsel in die Hand, um sich kreativ zu betätigen. «In den 90er-Jahren malte ich sehr intensiv, das war meine produktivste Zeit», erzählte sie. Ihre Gemälde lagert sie in Schränken und im Keller. Alle Materialien wie Malkasten, Pinsel und Messer hat sie aufbewahrt. Sorgfältig hat sie in einem Couvert ihre Vorlagen für die Schnitzereien verstaut, welche sie auf transparentem oder Kopierpapier jeweils vorbereitete.

Eine positive Einstellung

Seit Januar diesen Jahres wohnt Heidi Grünenfelder im «Betreutes Wohnen» in Azmoos. Sie ist ein fröhlicher und aufgestellter Mensch, geht mit einer positiven Einstellung durchs Leben und möchte dies auch anderen vermitteln. «Ich trage eine innere Freude mit mir rum, denn das Wesentliche in meinem Leben ist Gott treu zu sein», so die Künstlerin. Dies drückte sie auch auf ihren Karten aus, welche sie mit Zitaten aus der Bibel in Frakturschrift schmückte. Damit will sie ihren Lebensmut auf andere übertragen. Zusätzlich erstellte sie von jedem ihrer Gemälde ebenfalls Karten.

Ihre Begabung für das Schnitzen entdeckte die lebensfrohe Frau in einem Kurs im Emmental. «Die Region hat viele grosse Schnitzer hervorgebracht. Die Werke haben mir schon immer gefallen und dann kam der Zeitpunkt, an dem ich es selbst erlernen wollte», berichtete die gebürtige Thurgauerin. Als ihr jüngstes von fünf Kindern herangewachsen war, beschloss sie, einen Kurs zu besuchen. Der Lehrer erkannte sofort ihre Begabung. «Er riet mir, das Messer nie mehr aus der Hand zu legen, was ich gern befolgte.» So verzierte Grünenfelder Schränke, Kommoden und Türen. Zunehmend wagte sie sich an grössere Projekte und schnitzte jeweils für ihre Kinder zum 20. Geburtstag ein Trögli mit individuellen Aufschriften wie «Ich bin das Brot des Lebens» oder «Ich bin das Licht der Welt». Für ihre verstorbene Mutter schnitzte sie sogar das Grabkreuz.

Die Schönheit der Natur

Später im Jahr 1986 besuchte sie erstmals eine Malschule, wobei sie ihr Flair für die Ölmalerei entdeckte. Besonders angetan haben es ihr die Blumen- und Orchideenvielfalt sowie die Natur. «Mich fasziniert die Schönheit der Natur – vor allem die Blumen. Wichtig ist bei den Gemälden das Schattenspiel mit der richtigen Ausrichtung des Lichts zu beachten», erklärte sie.

Als Mutter von fünf Kindern lebte sie ihre Begabung dann aus, als ihre Schützlinge schliefen – also nachts. Vor allem wollte sie dabei schnell sein, das Werkzeug erst aus der Hand legen, wenn sie fertig war. «Da hat mich meine Grossmutter geprägt. Sie war Bäckerin und der Teig durfte nach dem Aufgehen nie lange herumliegen, also musste danach alles schnell gehen. So musste ich auch meine Haare, welche bis zur Hüfte hingen, in fünf Minuten zu einem Zopf geflochten haben. Darum bin ich wahrscheinlich auch so geschickt mit meinen Händen geworden», lacht die fünffache Mutter.

Als die Künstlerin eine Stelle in Valens antrat, geriet die Malerei in den Hintergrund. «Morgens musste ich jeweils um 3 Uhr aufstehen. Dazumal war es noch eine sehr abenteuerliche Fahrt im Winter», erinnert sie sich. «Ich arbeitete mit Jugoslawen, Portugiesen, Griechen und vielen anderen Nationen zusammen. Nie habe ich als Leiterin Widerstand der Mitarbeiter verspürt.» Ihr gefiel die Arbeit dort sehr gut, obwohl es sehr hektisch zu- und herging und sie keine Zeit für ihre künstlerische Tätigkeit fand.

Malen im Gefängnis

Bevor Heidi Grünenfelder in Pension ging, arbeitete sie drei Jahre lang im Gefängnis. «Dort konnte ich mittags auf dem Estrich malen, das war etwas ganz Besonderes für mich. An diesem Ort habe ich auch gelernt, vermehrt auf meine Intuition zu hören.» Sie hat den Gefangenen das Essen gebracht und ist mit ihnen spazieren gegangen. «Ich habe mir bei jedem vorgestellt, das könnte mein Kind sein, somit habe ich alle gleich behandelt und sie jeweils nach ihrem Wohlbefinden gefragt.» So habe sie der dort herrschenden Situation standgehalten.

Das Jägerbild

Ein ganz besonderes Gemälde für die 82-Jährige stellt ihr selbst gemaltes «Jägerbild» dar. Darauf ist ein älterer Mann abgebildet, welcher die erlegte Gemse auf seinen Schultern trägt. «Aus Neugier habe ich mein Bild schätzen lassen, es ist 5000 Franken wert, ein kleines Vermögen für mich.» Zudem fragte man sie, welche Rolle der Mann in ihrem Leben spiele, weil sie diesen mit einer besonderen Sorgfalt dargestellt hatte. Darauf wusste sie keine Antwort. Erst später, als die Rentnerin ein Bild ihres Grossvaters sah, fiel ihr auf, dass sie genau diesen Mann gemalt hatte. Zudem erfuhr sie im Nachhinein, dass er Jäger war. «So ein Zufall, dabei habe ich nur auf meine Intuition gehört und meine Phantasie walten lassen.»

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