Hauptpost wartet auf Bücherflut

Ende Februar öffnet die Bibliothek Hauptpost in St. Gallen ihre Tore. Die ersten Regale stehen bereits, der Einzug von 100 000 Büchern und anderen Medien in die schlichten, aber ehrwürdigen Räume steht noch bevor.

Adrian Vögele
Merken
Drucken
Teilen

ST. GALLEN. Die St. Galler Hauptpost, eröffnet 1915, hat sich als Knotenpunkt für Kommunikationsformen aller Art längst bewährt. Da passt es, dass das Gebäude nun eine weitere solche Funktion übernimmt – als Bibliothek und Ort des Gesprächs. Demnächst ziehen Stadt- und Kantonsbibliothek mit je etwa 50 000 Medien ein. Provisorisch, für zehn Jahre.

Die hierfür umgebauten Räume im ersten Obergeschoss sind schlicht, lassen aber doch den Stolz einer Zentrumsbibliothek durchscheinen. Dabei hilft die Geschichte des Gebäudes: «Damals wurde mit einer Grosszügigkeit gebaut, die heute nicht mehr möglich wäre», sagt Architekt Peter Hutter und meint damit beispielsweise die Höhe der Räume. Der Hauptteil der Bücher wird in der «Nordhalle» und der «Südhalle» aufgestellt, erste Regale sind bereits zu sehen. Verbunden sind die Hallen durch den «Oberlichtsaal», in dem elektronische Medien, etwa Filme, untergebracht werden.

Lesen im Turmzimmer

Die beiden Bijoux der neuen Bibliothek sind das Turmzimmer und das «Café St-Gall». Ersteres ist dem grossen Vorbild der Erbauer der Hauptpost zu verdanken: «Der Bahnhofplatz wurde in Anlehnung an eine Piazza in Verona gestaltet. Darum musste ein Turm her», sagt Hutter. Das Turmzimmer erinnert mit rotem Teppich, grossen Lesetischen, hohen Wandregalen und Bücherleitern entfernt an eine Bibliothek im historischen Sinne. Es stellt damit einen Gegensatz dar zum nüchternen, sachlichen Stil der grossen Hallen.

Das Zimmer ist als Lesesaal und «Ort der Stille» gedacht. Das Gegenstück dazu ist das «Café St-Gall»: Es befindet sich im Bereich des früheren Direktionszimmers der Post, woran unauffällige Details, etwa Verzierungen an der Decke, noch erinnern. Im Café können sich Besucherinnen und Besucher (ohne Konsumationszwang) treffen und austauschen und zudem aus 40 Zeitungen und 100 Zeitschriften eine Lektüre auswählen. Auch Veranstaltungen – Lesungen und ähnliches – sollen hier stattfinden. Auch hier wird der schlichte architektonische Stil durchbrochen: mit einer raumhohen St. Galler Stickerei der Firma Jakob Schläpfer, die in bunten Farben eine Landschaft mit Buch- und Bibliothekselementen darstellt.

Bis zu 1000 Besucher pro Tag

«Wir rechnen mit 700 bis 1000 Besucherinnen und Besuchern pro Tag», sagt Stadtbibliothekarin Christa Oberholzer. Die Bestände, welche die beiden Institutionen in der Hauptpost zur Verfügung stellen, werden aufeinander abgestimmt, wie Bibliothekarin Sonia Abun-Nasr ergänzt. Der Schwerpunkt des Teils der Stadtbibliothek liegt auf Unterhaltung und Freizeit, jener der Abteilung der Kantonsbibliothek auf Studienliteratur und gehobener Belletristik.