«Hatte von Seilbahnen keine Ahnung»

Am Samstag wurde die Seilbahn Palfries feierlich eröffnet. Vereinspräsident Thomas Milesi aus Grabs erzählt im Interview mit dem W&O, warum er Präsident wurde und weshalb er die Nacht vor der Eröffnung vor Ort im Auto verbrachte.

Hanspeter Thurnherr
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Thomas Milesi: «Unsere grossen Kosten sind langfristig der Unterhalt und Ersatz von Anlagenteilen. Dafür müssen wir Kapital erarbeiten können, zum Beispiel, um die Steuerung ersetzen zu können.» (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Thomas Milesi: «Unsere grossen Kosten sind langfristig der Unterhalt und Ersatz von Anlagenteilen. Dafür müssen wir Kapital erarbeiten können, zum Beispiel, um die Steuerung ersetzen zu können.» (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Wie man hört, haben Sie die Nacht vor der Eröffnung der Palfriesbahn im Auto vor Ort verbracht.

Thomas Milesi: Ja, das stimmt. Ich habe sie wirklich dort verbracht. Es war alles auf- und bereitgestellt: Festzelt, Getränke, Musikinstrumente und so weiter. Auch war das Wetter unsicher. Deshalb sollte jemand dort sein. Denn es wäre nicht gut gewesen, wenn wir am Morgen gesehen hätten, dass etwas kaputt gegangen ist. Ich habe nicht besonders gut geschlafen, bin immer wieder aufgewacht.

Hat alles mit dem Fest geklappt?

Milesi: Wir wurden überrascht. Es kamen dreimal mehr Leute, als wir erwartet hatten. So viele Leute haben sich mit uns gefreut und interessierten sich für die Bahn. So waren wir teilweise am Anschlag. Aber es hat alles geklappt: Die Bahn fuhr, die Kinder vergnügten sich beim Spielen, die Musikanten spielten auf, die Einsegnung war feierlich. Die Letzten gingen um drei Uhr früh nach Hause…

Sie sind Präsident des Vereins Seilbahn Palfries. Wie kommt ein Grabser dazu, bei einem Bahnprojekt im Sarganserland eine führende Rolle zu übernehmen?

Milesi: Als die Idee zum Erhalt der Seilbahn Palfries Gestalt annahm, war ich bei der Hängegleiter-Fluggruppe Werdenberg Präsident. Wir sahen in der Bahn eine Möglichkeit, hinauf nach Palfries zu gelangen, um unserem Hobby zu frönen. Deshalb bin ich Mitglied im Verein Seilbahn Palfries geworden. Später wurde ich für den Vorstand angefragt. Ich sagte zu. Als vor rund zehn Jahren der damalige Präsident aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste, habe ich mir das Amt zugetraut. Ich fand es wichtig, dass der Präsident von aussen kam, obwohl ich von Seilbahnen keine Ahnung hatte. Der Präsident muss vielmehr den Überblick bewahren können.

Das scheint Ihnen gelungen zu sein.

Milesi: In jenen Zeiten, als sich die Sache lange hinzog, war es eine wichtige Aufgabe, die Vereinsmitglieder zusammenzuhalten. Dazu organisierten wir zwei bis drei Anlässe im Jahr. Heute sagen viele: Wenn es den Verein nicht gegeben hätte, wäre die Seilbahn nicht gekommen.

Es gibt nebst dem Verein auch eine Genossenschaft. Warum diese Zweiteilung?

Milesi: Die Gründer haben das Organigramm von der Älplibahn Malans übernommen. Wer uns finanziell unterstützen will, kann Genossenschaftsanteile zeichnen. Wer nicht viel Geld investieren kann oder will, kann das Projekt über den Verein unterstützen.

Welches sind die konkreten Aufgaben des Vereins?

Milesi: Wir unterstützen die Helfer und Fronarbeiter, zum Beispiel mit Getränken, Kleidern und ähnlichem. Wir wollen auch das Hüttli bei der Bergstation zum Übernachten für die Helfer in Schuss halten. Und wir stellen die Helfer für den Betrieb zur Verfügung.

Das tönt nach viel Aufwand und grossen Herausforderungen. Wie schwierig ist es, genügend Helfer zu finden.

Milesi: Einfach ist dies sicher nicht. Im Moment braucht es für den Betrieb drei Personen: einen Maschinisten, einen Kassier und eine Person in der Bergstation. Wir haben rund 30 Personen als Maschinisten und etwa 20 Personen als Kassier ausgebildet. Die Personen für die Bergstation brauchen keine spezielle Ausbildung, müssen aber seriös und zuverlässig sein. Für den Anfang genügt diese Zahl der Ausgebildeten.

Wie ist der Betrieb organisiert, wann kann man also mit der Bahn fahren?

Milesi: Die Betriebsbewilligung ist erteilt für die Zeit von Auffahrt bis zum 15. November. Diese ist an die Bedingung geknüpft, dass das Berggasthaus Palfries offen ist. Denn falls die Bahn nicht laufen kann – zum Beispiel wenn die Windgeschwindigkeit etwa bei einem Gewitter, Sturm oder Föhneinbruch mehr als 60 km/h beträgt – müssen die Leute notfalls im Palfries übernachten können.

Und die täglichen Fahrzeiten?

Milesi: Die Bahn fährt täglich von 8.30 Uhr bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr, auf Anmeldung bis 19 Uhr. Dieses Jahr ist der Saisonschluss auf 13. November geplant, sofern nicht schon früher Schnee fällt.

Wie viele Fahrgäste müssen in der ersten Saison kommen, damit Sie von einem erfolgreichen Start reden können?

Milesi: Das Budget geht von 9800 Fahrten aus. Ob wir dies erreichen können, ist natürlich auch wetterabhängig. Für mich ist die Saison dann erfolgreich, wenn wir uns sauber organisieren können, die Gäste Freude haben und es weitererzählen. Und wenn sie in den kommenden Jahren ihre Freunde und Kollegen mitbringen. Unsere grossen Kosten sind langfristig der Unterhalt und Ersatz von Anlagenteilen. Dafür müssen wir Kapital erarbeiten können, zum Beispiel, um die Steuerung ersetzen zu können. Zum Glück haben wir keine Personalkosten – aber anders würde es ohnehin nicht gehen.

Wie kann man Mitglied werden?

Milesi: Auf der Internetseite www. seilbahn-palfries.ch kann man die Statuten und das Aufnahmegesuch herunterladen. Oder man kann bei der Seilbahn Palfries, Telefon 081 599 43 79, während der Betriebszeiten beides bestellen.

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