HANDBALL: «Machen viel mit Leidenschaft wett»

Die engagierte 4.-Liga-Truppe vom HC Büelen Nesslau verfügt über einen ausgezeichneten Teamgeist. Doch auch die ­Qualitäten auf dem Spielfeld dürfen sich sehen lassen. Die junge Mannschaft kann im Kampf um Rang eins durchaus ein Wort mitreden.

Robert Kucera
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Der HC Büelen Nesslau will primär handballtechnisch weiterkommen, kennt aber keine Berührungsängste mit der Tabellenspitze. (Bild: Robert Kucera)

Der HC Büelen Nesslau will primär handballtechnisch weiterkommen, kennt aber keine Berührungsängste mit der Tabellenspitze. (Bild: Robert Kucera)

Robert Kucera

robert.kucera@wundo.ch

«Wir freuen uns alle sehr auf die Saison. Die Pause war sehr lang», beschreibt Präsident und Rückraumspieler Marco Tschirky die Gefühlswelt der Herrenmannschaft des HC Büelen Nesslau. Die Mannschaft könne es demnach kaum erwarten, wieder 60 Minuten Vollgas zu gehen.

Das 4.-Liga-Team muss sich in der Spielzeit 2017/18 zunächst mal mit einem neuen Modus ­auseinandersetzen. Die Gruppen sind kleiner geworden, es spielen nur noch fünf Teams gegen­einander. «Das ist nicht optimal», übt Tschirky Kritik. «Nur vier Gegner, dafür spielt man viermal gegeneinander – das ist für unser Gusto zu wenig Abwechslung.» Er befürchtet, dass der spiele­rische Fortschritt auf der Strecke bleiben könnte, weil man die Gegner zu gut kennt. Deshalb hofft der 20-Jährige, dass die Gruppe 1 ein ausgeglichenes Niveau aufweist.

Alte Gesichter und Spiele mit Derby-Charakter

Eine kleine Gruppe bietet aber auch Chancen – das Erreichen des ersten Platzes etwa wird einfacher. Dies korrespondiert mit dem Ehrgeiz des HC Büelen Nesslau optimal. Die Tabellenspitze hat zwar nicht oberste Priorität, Tschirky und seine Vorstandskollegen wollen das Team nicht unter Druck setzen. Doch ergibt sich die Möglichkeit, mit Rang eins Aufstiegsspiele in die 3. Liga zu erreichen, wird man die Chance zu packen versuchen. «Wir würden das Abenteuer 3. Liga angehen, denn wir wollen weiterkommen», hält Tschirky fest. Die letzte Saison hat gezeigt, dass Büelen Nesslau keinen Konkurrenten in der 4. Liga zu fürchten braucht. Obwohl es, wie der Präsident betont, gefährlich sei, Rückschlüsse aus der vergangenen Spielzeit auf die nächste ­Saison zu ziehen. So wären in dieser Gruppe der SV Fides III und der HC Büelen Nesslau als letzt­jährige Dritte ihrer Gruppen die Topfavoriten auf Rang eins. Der Instinkt des Trainers schlägt aber die Statistik. Denn den besten Start erwischte der HC Goldach-Rorschach III – Tschirkys Favorit, den er noch vor dem ersten Meisterschaftsspiel genannt hat. Die wahren Stärkeverhältnisse wird man spätestens am 16. Dezember wissen. Denn dann hat jeder gegen jeden zweimal gespielt, die Vorrunde ist vorbei.

Die Obertoggenburger Crew kann trotz fehlender Abwechslung mit der zugeteilten Gruppe mehr als zufrieden sein. «Von den Anfahrtswegen her ist es eine angenehme Gruppe», sagt der Präsident und freut sich auf die zweite Mannschaft Rheintals, wo man auf alte Kollegen treffen wird. «Bei Fides und Goldach sind ebenfalls bekannte Gesichter.» Und da wäre noch der HC Buchs-Vaduz, den Marco Tschirky nur schwer einschätzen kann. «Ein kleiner Verein mit einem guten Spirit. Ich sehe gewisse Ähn­lichkeiten zu uns. Eines steht für ihn aber fest: Durch die geo­grafische Nähe haben die Ver­gleiche mit dem HC Buchs-Vaduz Derby-Charakter. Erstmals treffen die Teams zum Saisonstart der ­Nesslauer an, am Sonntagmorgen, 11 Uhr, im Mühleholz Vaduz.

Junges Team gespickt mit Routiniers

Wer vorne mitspielen möchte, muss auch in der 4. Liga Qualität innerhalb der Mannschaft aufweisen. «Wir sind ein junger Club und viele von uns haben erst spät angefangen Handball zu spielen. Die technische Ausbildung konnte folglich nicht in jungen Jahren genossen werden, das Team hat diesbezüglich Defizite», erklärt Rückraumspieler Tschirky. Als grosse Stärke nennt der Präsident den Teamspirit. «Aber auch un­sere Defensive, die ein Bollwerk sein kann. Wir sind zwar eher klein gewachsen, machen aber viel mit Leidenschaft wett.» Für die Mannschaft ist es deshalb eine gute Sache, dass der Verein ein Trainingswochenende durchführt. «Man ist zwei Tage in der Halle, hat den ganzen Tag den Ball in der Hand. Das Gespür auf dem Feld kommt so schneller», beobachtet Tschirky und freut sich darüber, dass es in jener Zeit bei Details einen Schritt vorwärtsgeht. «Man hat mehr Zeit für Übungen und gewisse Sachen zu perfektionieren.» Der individuelle Fortschritt steht bei solchen Wochenenden im Zentrum. Es kann effizienter an jenen Dingen gearbeitet werden, welche die spät mit Handball begonnenen Spieler vom HC Büelen Nesslau aufzuholen haben. Die Basisarbeit liegt hier in Pass- und Schussqualität. «Später kommen komplizierte Laufwege mit Angriffsauslösungen dazu. Aber für uns ist erst mal wichtig, dass wir die Grundlaufwege korrekt ausüben.»

Dafür kann der Präsident die Kaderbreite als Pluspunkt auf­listen. 15 Spieler stehen zur Verfügung. Und trotz des tiefen Durchschnittsalters von 21 Jahren darf das Team auf Routiniers zählen, welche viel wertvolles Know-how mitbringen. Der Mix, so freut sich Tschirky, stimmt. «Es herrscht kein Generationenkonflikt. Auf dem Feld herrscht Harmonie.»