«Hälfte Reichtum, Hälfte Macht»

Einen Tag nach den Wahlen lud der Business and Professional Women Club Rheintal zur Podiumsdiskussion «Frauen in der Politik». Dabei debattierten Politikerinnen aus der Schweiz und Liechtenstein überraschend persönlich.

Doris Büchel
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Regierungsrätin Aurelia Frick, Landtagsabgeordnete Helen Konzett Bargetze, Kantons- und Stadträtin Katrin Frick und die Nationalratskandidatinnen Katrin Glaus und Yvonne Suter (von links) debattieren über Frauen in der Politik. (Bild: Doris Büchel)

Regierungsrätin Aurelia Frick, Landtagsabgeordnete Helen Konzett Bargetze, Kantons- und Stadträtin Katrin Frick und die Nationalratskandidatinnen Katrin Glaus und Yvonne Suter (von links) debattieren über Frauen in der Politik. (Bild: Doris Büchel)

BUCHS. Es war ein hochkarätiges Podium im Krempel in Buchs: Mit Katrin Frick (Kantons- und Stadträtin FDP, Buchs), Katrin Glaus (Nationalratskandidatin SP, Sevelen), Aurelia Frick (Regierungsrätin FBP, Vaduz), Helen Konzett Bargetze (Landtagsabgeordnete Freie Liste, Triesen) und Yvonne Suter (Nationalratskandidatin, Kantonsrätin CVP, Rapperswil) debattierten erfahrene Politikerinnen aus der Schweiz und Liechtenstein über zentrale Fragen zum Thema «Frauen in der Politik».

Nicht klagen, vorsorgen

«Die gute Nachricht: 33 Prozent des Nationalrates besteht neu aus Frauen. Das sind so viele wie noch nie. Doch machen wir uns nichts vor, mit der Erhöhung des Frauenanteils von zwei Sitzen wird das Thema schon morgen wieder vom Tisch sein.» Dies die einleitenden Sätze der ehemaligen BPW-Schweiz-Präsidentin Monique Ryser. Die ehemalige Bundeshausjournalistin führte in ihrem leidenschaftlichen Referat aus, es reiche nicht, sich am Wahltag oder nach der Wahl über die Resultate zu beklagen. Denn: Nach der Wahl sei vor der Wahl. Wenn es also darum gehe, dass Männer und Frauen nicht nur gleichberechtigt, sondern auch gleichwertig in allen Entscheidungsgremien beteiligt seien, gelte es vorzusorgen. «Lena Madesin Phillips, die Gründerin von BPW International, sagte einst: Frauen sind dann gleichberechtigt, wenn sie zur Hälfte an Macht und Reichtum beteiligt sind. Das war vor über 80 Jahren. Von diesem Ziel sind wir noch weit entfernt», so Ryser.

Kritischer Blick

Doch was muss vor den Wahlen passieren, damit Frauen kandidieren und gewählt werden? Das Podium war sich einig: Es braucht ein Umfeld, das die Wünsche der Frauen fördert; Gleichgesinnte, die für dieselben Anliegen einstehen; Rahmenbedingungen wie Teilzeitarbeit für Männer und Frauen, Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und eine Führungsetage, die den Arbeitsalltag an berufstätige Mütter anpasst.

Nur: Die Thematik ist seit Jahren bekannt, trägt allerdings nicht wirklich zur Lösung des Problems bei. Wo also liegt der Hund begraben? «Frauen brauchen immer einen Extrastoss, sie brauchen Vorbilder, andere Frauen, die kandidieren und trotzdem genau gleich weiterleben», sagte Katrin Glaus, die betonte, die SP sei die einzige Partei, die wirklich darauf achte, dass ihre Listen ausgeglichen seien. «Wir sind die Partei mit über 50 Prozent Frauenanteil im Nationalrat. Das zeigt, welchen Weg man gehen muss.»

Katrin Frick, die sich von der Frauenquote der Nationalratswahlen grundsätzlich enttäuscht zeigte, wagte einen kritischen Blick auf die Frauen, «die nicht einfach so andere Frauen unterstützen». Ihre persönliche Erfahrung zeige, dass selbst Frauen ihre politischen Ämter teilweise kritisch kommentieren würden. «Ich finde das immer speziell», so Frick.

Objektive Debatte erwünscht

Die Liechtensteiner Regierungsrätin zeigte sich denn auch frustriert über das Abschneiden der Frauen bei den Liechtensteiner Gemeinderatswahlen: Anstatt dass die Quote aufwärts gehe, gehe sie abwärts. «Ich mag die Frauenquote grundsätzlich nicht, aber die Resultate, die sie bringt», zitierte sie die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding, die auch für Gleichstellungsfragen zuständig war. Aurelia Frick wünschte sich endlich eine objektive und lösungsorientierte Debatte über die Quote.

«Alle Parteien von links bis rechts wünschen sich eine höhere Frauenbeteiligung, aber wirkliche Lösungen präsentiert niemand. Wir sollten uns wirklich überlegen, welche Varianten und Alternativen es gibt.» Nicht locker lassen, lautet die Devise von Helen Konzett Bargetze. «Wenn wir nur ein bisschen nachlassen, sind wir Frauen in den Medien nicht präsent, und schon fehlen wieder die Vorbilder für andere Frauen.»

Hinstehen, Ja sagen

Das Podium war sich einig: Sich politisch zu engagieren sei eine Bereicherung. Politik erfordere Herzblut, Leidenschaft, die Lust an der Auseinandersetzung, Präsenz und Authentizität. Wahlkampf könne durchaus Freude bereiten, insbesondere der Kontakt mit Menschen. Es gebe genügend interessierte, starke Frauen. Doch viele trauen sich nicht – vielleicht aus Angst vor der Doppel- oder Dreifachbelastung durch Familie, Beruf und Politik –, oder sie schauen sich die Liste an und wollen nicht Letzte werden.

«Es braucht deshalb mehrere Frauen auf einer Liste, die gemeinsam sagen, wir schaffen das!», so Glaus. «Hinstehen, Ja sagen und kandidieren», motivierte Aurelia Frick die Zuhörerinnen. Denn: Den perfekten Zeitpunkt gebe es nie.

Übrigens: Die einzigen drei Männer im Saal, die für Catering und Technik zuständig waren, empfanden die Podiumsdiskussion als inspirierend und bereichernd. Schade fanden sie nur, dass keine Männer unter den Zuhörern waren.