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«Guggenmusik ist harte Arbeit»

Mit wenig Schlaf auskommen ist nur eine von vielen Eigenschaften, die ein Guggenmusiker benötigt. «Pünktlichkeit und Disziplin sind ebenso wichtig», sagt Gämselibögg-Präsidentin Katja Stricker aus Grabs.
Die Gämselibögg mit Präsidentin Katja Stricker (4. v. l.) und Dirigent Swen Bigger (5. v. l.) sind bereit für das Gamser Fasnachtswochenende. (Bild: Ralph Ribi)

Die Gämselibögg mit Präsidentin Katja Stricker (4. v. l.) und Dirigent Swen Bigger (5. v. l.) sind bereit für das Gamser Fasnachtswochenende. (Bild: Ralph Ribi)

Alexandra Gächter
alexandra.gaechter@wundo.ch

Ein Fasnacht-Laie stellt sich das Leben eines Guggenmusikers auf dem Höhepunkt der Narrenzeit in etwa so vor: Zwei Stunden Auftritt und dessen Vorbereitung, 20 Stunden feiern und «fasnächteln» und zwei Stunden schlafen. Abgesehen vom Mittelteil stimmt das auch ungefähr. Der Unterschied: Ein «Gämselibogg» ist den Grossteil des Gamser Fasnachtswochenendes am Arbeiten. Aufstellen, Barbetrieb und Aufräumen sind einige der Ämtli. «Das ist nicht nur streng – es geht auch diszipliniert zu und her», sagt Katja Stricker aus Grabs. Sie ist Präsidentin der Guggenmusik Gämselibögg und spielt seit dieser Saison die Posaune. Zur Guggenmusik kam sie, weil der Freund ihrer Schwester damals Präsident der Gämselibögg war. Das ist fünf Jahre her. Katja Stricker legte eine steile Guggenkarriere hin. Kaum dabei, wurde sie Vorstandsmitglied, dann Vizepräsidentin und schliesslich Präsidentin. «Die Guggenmusik ist ein intensives Hobby», sagt Stricker. Sehr entgegen kommt ihr dabei, dass sie 80 Prozent arbeitet. «Von September bis Juli gibt es für mich als Präsidentin einiges zu tun.» Die Fasnacht, welche dieses Wochenende in Gams ihren Höhepunkt erreicht, sei der Lohn für ihre fast ganzjährige Arbeit.

Learning by Doing

Wie viele andere auch, ist Katja Stricker ohne grosse musikalische Vorkenntnisse zur Guggenmusik gestossen. Geprobt wird zweimal in der Woche von September bis Ende Januar. Bis zu zehn Zusatzproben kommen je nach Instrument dazu. «Entgegen der landläufigen Meinung, ist Guggenmusik harte Arbeit und mehr als Lärm produzieren», sagt Katja Stricker. Gespielt wird nicht nach Noten. Dirigent Swen Bigger, welcher Katja Strickers Freund ist, hört die Lieder auf dem Internetkanal Youtube und spielt sie auf jedem Instrument nach. Dann schreibt er für die Trompeten- und Posaunenspieler auf, welchen Knopf sie drücken, wie weit sie ziehen und wie viel Spannung sie auf die Lippen geben müssen. Dieses Wissen gibt er den Guggenmusikern weiter. Bei den Proben gilt Learning by Doing.



«Die Posaune ist für mich ein schwieriges Instrument», sagt Stricker. Hinderlich sei zudem, dass sie manchmal zwischen all den anderen Guggenmusikern den Ton nicht höre, den sie gespielt hat. «Im Probenraum ist es laut. Da ich hinten stehe, und der Schall nach vorne geht, benutze ich keine Ohrstöpsel. Diejenigen in den vorderen Reihen haben welche drin.» Als sie neu bei der Guggenmusik war, habe sie eine Weile lang Ohrensausen gehabt. «Jetzt bin ich abgehärtet», so Stricker. Über ihre erreichten musikalischen Fähigkeiten ist Katja Stricker «schon ein wenig stolz». Sie hätte nicht gedacht, dass sie so viel in so kurzer Zeit lernt.
16 Lieder und 6 Perkussionsrhythmen umfasst das Repertoire der Gämselibögg. Jedes Jahr werden neue Stücke in das Repertoire aufgenommen. Bei der Wahl der neuen Stücke dürfen alle Mitglieder mitbestimmen. Für die Fasnacht 2018 haben die Gämselibögg drei neue Lieder einstudiert, die aber noch geheim sind.

Alle zwei Jahre neue Kostüme

Ebenfalls wird das Fasnachtsthema, welches alle zwei Jahre ändert, gemeinsam bestimmt. In der Saison 17/18 sind die Gämselibögg unter dem Motto «Eiszeit» unterwegs. Ist das Motto bekannt, zeichnet Dirigent und Multitalent Swen Bigger einen Prototyp des Kostüms. «Die Kostüme sind der grösste finanzielle Posten. Dennoch möchten wir alle zwei Jahre neue Kostüme», so Katja Stricker. Andere Guggenmusiken handhaben das auch so. Zudem freuen sich die Fasnächtler jeweils auf das neue Motto und die neuen Kostüme. Bis auf zwei Garnituren konnten die Gämselibögg alle alten Kostüme weiterverkaufen. «Fasnachtsfans und andere Guggenmusiken sind unsere Abnehmer.»
Ist das Motto bestimmt, erhält das Schminkteam die Aufgabe, eine passende Maske zu kreieren. «Ich bin ihr Versuchskaninchen. Sie probieren an mir etwa fünf bis sechs Schminkversionen aus, machen Fotos und entscheiden dann.»

Rund drei Liter Farbe benötigen die Gämselibögg pro Saison. (Bild: Ralph Ribi)

Rund drei Liter Farbe benötigen die Gämselibögg pro Saison. (Bild: Ralph Ribi)


Insgesamt drei Liter Farbe benötigt die Guggenmusik, um alle Mitglieder für ihre durchschnittlich 13 Fasnachtseinsätze zu schminken. Die Schablonen stellen sie selbst her, die Spritzpistolen werden gekauft. Auch beim Schminken herrscht Disziplin. Jeder muss die Farbe des Vortages komplett abschminken, bevor er wieder in die Maske gehen darf. «Das Resultat wird nicht so schön, wenn noch Schminke vom Vortag auf der Haut ist. Deshalb wird jeder zur Strafe schwarz angemalt, der sich nicht richtig abgeschminkt hat.» Dank dieser Massnahme komme es nur alle zwei bis drei Jahre vor, dass sich jemand nicht komplett abschminkt. «Bei den Frauen klappt es sogar immer, diese sind sich das Abschminken ja gewohnt.»
24 Mitglieder zählt die Guggenmusik Gämselibögg, welche 1973 gegründet wurde. Die meisten stammen aus dem Raum Werdenberg oder sind Werdenberger, welche der Liebe oder des Jobs wegen weggezogen sind. So hat es Mitglieder, die von Zug oder Zürich nach Gams zur Probe pendeln. Im Bunker des Schulhauses gibt es Übernachtungsmöglichkeiten für diese «Hardcore-Gämselibögg». Während der Fasnachtszeit können sie bestenfalls ein paar Tage frei machen – genau wie Katja Stricker, die in der Fasnachtswoche vom 8. bis 13. Februar Ferien eingegeben hat.

Über 20 Stunden auf den Beinen

Dieses Wochenende findet in Gams das Fasnachtswochenende statt. Drei strenge Tage erwarten die Gämselibögg. Am Freitagmorgen um ungefähr 8 Uhr starten die Aufstellarbeiten für die Guggenmusiker. Zwischen 21 und 22 Uhr geben sie ihr Konzert, danach haben sie vorerst frei. «Wir nehmen uns jeweils vor, früh ins Bett zu gehen, um vorzuschlafen. Aber in der Regel bleiben wir bis Mitternacht oder 1 Uhr wach», sagt Stricker. Richtig streng wird es am nächsten Tag. Am Samstag ist um 8 Uhr Besammlung. Erneut ist Aufstellen angesagt. Den ganzen Tag wird gearbeitet. Abends geben die Gämselibögg erneut ein Guggenkonzert. Danach geht die Arbeit bis 4 oder 5 Uhr weiter. Bis 3 Uhr stehen die Guggenmusiker an der Kasse, Garderobe, Bar oder dem Essensstand, danach räumen sie ein bis zwei Stunden auf.
Am nächsten Morgen ist zwischen 8 und 9 Uhr Besammlung. Zählt man von den verbleibenden vier freien Stunden die Heimreise, das Abschminken, die Einschlafzeit und am Morgen Duschen, Frühstücken und die Anreise ab, so kommt Katja Stricker auf ungefähr zwei Stunden Schlaf von Samstag auf Sonntag. «Das Aufstehen geht noch. Der Umzug am Nachmittag ist schon schwerer. Die Füsse tun weh, da man am Vortag über 20 Stunden auf den Beinen war», so Stricker. Nach dem Umzug wird die Halle für den Kindermaskenball hergerichtet. Ab 17 Uhr wird alles aufgeräumt. «Wichtig ist, dass man dabei nicht absitzt, sonst schläft man sofort ein.»
Am kommenden Montag hat Katja Stricker frei. Erfahrungsgemäss wird sie bis am Nachmittag schlafen. «Vor ein paar Jahren habe ich am Montag nach der Gamser Fasnacht gearbeitet. Einmal und nie wieder.»

Gämseliböög-Präsidentin Katja Stricker. (Bild: Ralph Ribi)

Gämseliböög-Präsidentin Katja Stricker. (Bild: Ralph Ribi)

Katja Stricker spielt Zugposaune bei der Guggenmusig Gämselibögg. (Bild: Ralph Ribi)

Katja Stricker spielt Zugposaune bei der Guggenmusig Gämselibögg. (Bild: Ralph Ribi)

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