Grundsteinlegung in Mabilong

Das Kalinga-Hilfsprojekt von Peter Roth wird heuer 20 Jahre alt. Zum Höhepunkt des Jubiläumsjahres richtet der Verein Luminawa in Mabilong eine medizinische Versorgungsstation mit Schweizer Fernbetreuung ein.

Michael Hug
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In diesem Haus wird ein vom Verein Luminawa finanziertes medizinisches Zentrum eingerichtet. (Bild: Hansueli Schär)

In diesem Haus wird ein vom Verein Luminawa finanziertes medizinisches Zentrum eingerichtet. (Bild: Hansueli Schär)

NESSLAU/MABILONG. «Es ist ziemlich anstrengend, nach Mabilong zu gelangen», sagt Hansueli Schär. Der Hausarzt im Ruhestand aus Degersheim kehrte soeben von einer Inspektionsreise von der philippinischen Hauptinsel Luzon zurück. Schär: «Der Weg vom Flughafen in Manila in den Norden der Insel, wo die Kalinga leben, ist beschwerlich, er führt durch unwegsames Gelände und Dschungelgebiete.» Ausserdem leben in den sogenannten «Kordilleren» noch Urvölker, die sich erst in jüngster Zeit von der Kopfjägerei losgesagt haben. «Ich jedenfalls würde mich nicht ohne einheimische Begleitung vom Dorf entfernen», sagt Schär.

Reise zu den Kalinga

Die Reise zu den Kalinga, jenem Stamm, den Peter Roth vor zwanzig Jahren entdeckt hat und dem seither die Aufmerksamkeit des von ihm gegründeten Vereins Luminawa gilt, muss also gut geplant und mit den Gastgebern abgesprochen werden. Schär sagt: «Das funktioniert, denn obwohl dort noch Zustände herrschen, die an unsere Pfahlbauerzeiten erinnern, gibt es trotzdem Telefon und E-Mail. Ausserdem sprechen die massgeblichen Personen Englisch.» Das ist nicht selbstverständlich, so Schär, denn in vielen Bereichen hat der Fortschritt in den Kordilleren noch nicht Einzug gehalten: «Es ist schwer verständlich, dass nach 300 Jahren spanischer Kolonialherrschaft und jahrzehntelanger amerikanischer Besatzung noch immer nur 64 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben können.» Hansueli Schär sagt auch: «Diese Menschen sind nicht unterentwickelt, sie haben sogar ein massiv höheres soziales Verhalten und Denken als wir.» Der in Degersheim im Ruhestand lebende Hausarzt, der als Delegierter des Vereins Luminawa den Bereich Gesundheit im Hilfsprojekt betreut, bemüht sich seit einigen Jahren um die Ausbildung einer Krankenschwester sowie jetzt auch um die Errichtung eines medizinischen Zentrums im Dorf Mabilong: «Im Rahmen der Hilfe zur Selbsthilfe hat sich Luminawa zum Ziel gesetzt, absolute Basisarbeit zu leisten, deren Hauptpunkte die persönliche Hygiene, Wundpflege, Latrinenbau und Präventionsarbeit bezüglich Rauchimmissionen und Familienplanung sind.»

Meilenstein gesetzt

Im vergangenen März konnte nun ein Meilenstein gesetzt werden. Schär: «Luminawa hat den Kauf eines Hauses im Dorfzentrum unterstützt. Darin wird jetzt mit Luminawa-Spenden ein medizinisches Zentrum eingerichtet. Kein Spital, vielmehr eine Einrichtung für akute Behandlung, Beratung und Information sowie eine Apotheke.» Bei diesem Hauskauf sei es dem Verein wichtig gewesen, dass dies von den Dorfbewohnern, den Kalinga, selbst abgewickelt wurde. Schär: «Dass also Wahl des Hauses und die Kaufverhandlungen, die nicht einfach waren, weil Haus und Grundstück zwei verschiedenen Eigentümern gehörten, selbstbestimmt erfolgten. Dass nicht wir einfach hingehen, das Geld auf den Tisch blättern und dann das Haus den Kalinga schenken.»

Es braucht jüngere Hände

Luminawa finanziert nun die medizinischen Einrichtungen für das Gesundheitszentrum. Im heuer 20 Jahre alt werdenden Hilfsprojekt Luminawa steht ein Generationenwechsel an. Margrit Mettler, Leiterin der Nesslauer Geschäftsstelle des Vereins Luminawa: «Die beiden Projektgründer Peter Roth und Sapi Bawer aus den Philippinen sind 70 und 69 Jahre alt. Sicher müssen irgendwann auch jüngere Hände zugreifen, um das Projekt weiterzutragen.» Nach wie vor seien die Ausbildungs- und die medizinische Unterstützung die Schwergewichte des Projekts. Finanziell, meint Margrit Mettler, sei der Verein ausgewogen.

«Wir geben nur aus, was wir haben. Grössere Einnahmen würden uns erlauben, mehr Ausbildungsunterstützung bieten zu können, was für die Jugendlichen später eine Chance auf ein eigenes kleines Einkommen bedeuten würde.»

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