Grosses Konzert, kleine Besetzung

Im Werdenberger Saal der Musikschule Buchs spielte am letzten Wochenende das Ensemble Bruchstücke. 2015 gründeten Sandra Schmid, Karoline Kurzemann-Pilz und Susanne Bolt das Ensemble. Es war ein Abend der Romantik.

Pius Bamert
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«Teacher and friends»: Drei Musikerinnen brachten etwas Sommer in den Werdenberger Saal. (Bild: Pius Bamert)

«Teacher and friends»: Drei Musikerinnen brachten etwas Sommer in den Werdenberger Saal. (Bild: Pius Bamert)

BUCHS. Eigentlich ist der Werdenberger Saal eher eine hohe Stube. Edel, mit wunderschönen hellen Stukkaturen, ein Raum, wie geschaffen für Kammermusik. Die Pianistin Susanne Bolt beginnt das etwas kurze Konzert mit dem «Rondo Capriccioso», das Werk 14 für Klavier Solo von Felix Mendelssohn-Bartholdi. Er ist (war) einer der bedeutendsten Musiker der der Romantik und ein hochbegabter Klaviervirtuose, bekannt für seine Improvisationskünste.

Mit Konzentration und Können

Virtuos spielt auch Bolt das Werk, nicht ab Blatt, sondern auswendig. Sie spielt nicht Noten, sie spielt Musik. Bei der Komposition von Wladimir Rosinskijs «Für Karoline» – wer das auch immer war, grosse Liebe oder Sehnsuchtsgefühle – spielt Karoline Kurzemann Viola und die quirlige Sandra Schmid Klarinette. Schmid ist dauernd in Bewegung, Schritte nach vorn, seitwärts, bei einigen Passagen geht sie in die Knie oder beugt sich nach vorn, um wieder zur Anfangsstellung zurückzukehren. «Swing», der Ausdruck ist ja – warum auch immer – den Jazzmusikern vorbehalten, hier dürfte man ihn wohl einmal verwenden: «swingende Klassik».

Das Trio spielt konzentriert, manchmal in sich gekehrt, um dann wieder Augenkontakt zu den Mitspielerinnen aufzunehmen. Perlende Pianoläufe, «schwere» aufrüttelnde Akkorde, dann wieder leise, eindrückliche Klänge zum Träumen, oder ein Wechselbad zwischen richtig giftig-gelb hektisch, fast aggressiv, dann Rückkehr zu weiter Ruhe, so müsste ein kleiner Bergsee klingen, wenn man ihn «hören» könnte. Irgendwann spielen Violine und Klarinette «Rede und Antwort», das Streichinstrument hell und klar, die Klarinette antwortet in tiefen «Blautönen.»

Über Bruchstücke

Max Christian Friedrich Bruch komponierte für seinen Sohn Max Felix (auch Musiker, Klarinettist) acht romantische Stücke – man ist versucht, «Songs» zu sagen. Anscheinend teilt man Bruch in die «zeitgenössische» Musik ein, doch er verehrte Brahms und versuchte auch in dessen Fussstapfen zu treten.

Fazit: Es war ein Konzert mit drei hervorragenden Musikerinnen. Ein Konzert aus einem Guss. Musik bewegt. Sandra Schmid (Klarinette) ist in Altstätten aufgewachsen, wo sie heute auch wieder lebt. Sie unterrichtet Klarinette und Ensemble an den Musikschulen Oberrheintal und Werdenberg und ist als freischaffende Klarinettistin tätig.

Karoline Kurzemann-Pilz, Viola, erster Unterricht bei Renate Zimmerer in der Musikhauptschule Thüringen, Viola-Unterricht bei Professor Klaus Christa am Landeskonservatorium Feldkirch. Matura am Musikgymnasium Feldkirch. Konzertfachstudium an der Musikuniversität Graz bei Professor Christian Euler. Konzertfachstudium an der Musikuniversität Mozarteum Salzburg bei Professor Peter Langgartner, 2005 Konzertfachdiplom mit Schwerpunkt Kammermusik.

Die Ostschweizer Pianistin Susanne Bolt (Piano) erhielt ihren ersten Musikunterricht mit fünf Jahren an der Violine. Bereits in der Primarschulzeit entdeckte sie das Klavier für sich. Nach dem Lehrdiplom bei Adrian Oetiker an der Hochschule für Musik in Basel schloss sie das Konzertdiplom bei Eckart Heiligers an der Zürcher Hochschule der Künste erfolgreich ab. Susanne Bolt tritt solistisch und kammermusikalisch in verschiedenen Formationen und Stilrichtungen auf.

Eine besondere Leidenschaft entdeckte die vielseitige Pianistin in der Liedinterpretation zusammen mit Sängerinnen und Sängern. Susanne Bolt ist Dozentin für Klavier an der Pädagogischen Hochschule in St. Gallen, Preisträgerin «Prima la musica» und Mitglied des Symphonieorchesters Vorarlberg und der Camerata Bregenz.