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GRABS/JAPAN: Mit Herzlichkeit empfangen

Vier Pflegefachfrauen reisten kürzlich nach Japan, um zu sehen, wie dort Demenzkranke gepflegt werden. Ihr Arbeitgeber «Pflege und Hospiz im Werdenberg» begrüsste es, dass sie damit ihren Horizont erweiterten.
Corinne Hanselmann
Kulinarisch liessen sich die vier Frauen nichts entgehen. Auch die Fischspezialität Sashimi, Kobe-Fleisch, den japanischen Pflaumenlikör Umeshu und den Reiswein Sake probierten sie.

Kulinarisch liessen sich die vier Frauen nichts entgehen. Auch die Fischspezialität Sashimi, Kobe-Fleisch, den japanischen Pflaumenlikör Umeshu und den Reiswein Sake probierten sie.

Corinne Hanselmann

corinne.hanselmann@wundo.ch

Nach monatelanger Planung war es Mitte September soweit: Sandra Amann, Ursula Tinner, Mitsuko Litscher und Aisuluu Mukai Kyzy stiegen ins Flugzeug mit dem Ziel Osaka in Japan. In den folgenden elf Tagen reisten sie bis nach ­Tokio und erhielten einen Eindruck von Land und Leuten, aber auch wie die Pflege in Japan funktioniert.

Die Idee zu dieser aussergewöhnlichen Reise hatten Mitsuko Litscher und Sandra Amann, erzählen die Frauen im Gespräch mit dem W&O. Mitsuko ist Ja­panerin, sie kam erst vor fünf ­Jahren in die Schweiz, nachdem sie in Japan einen Schweizer ­kennen gelernt und sich verliebt hat. Sie hatte in Japan eine universitäre Pflege-Ausbildung in «Care Management» gemacht und dort ein gutes Netzwerk mit Ärzten und Heimen. In der Schweiz begann sie im damaligen Pflegeheim Werdenberg als freiwillige Helferin. In verschiedenen Ländern Europas hielt sie zudem für Ausland-Japaner Vorträge zu Themen rund um die Pflege von Demenzkranken.

Die vier Frauen – sie gehören mit der Schweiz, Österreich, Japan und Kirgisistan übrigens vier verschiedenen Nationen an – kennen sich von der Arbeit in Grabs. Als Sandra und Mitsuko von ihrer Idee mit der Japan-Reise erzählten, waren Ursula Tinner und ­Aisuluu Mukai Kyzy schnell Feuer und Flamme. Und so ging es an die Planung. Mitsuko freute sich, ihren Freundinnen ihr Heimatland und die Pflege dort zeigen zu können.

Vor dem Taifun ins ­Fernsehstudio geflüchtet

Auf der Reise besuchten sie unter anderem ein Spital und Pflege­heime. Mitsuko hatte diese Be­suche im Voraus durch ihre Kontakte organisiert. Die Pflegefachfrauen wurden jeweils herzlich will­kommen geheissen und durften zum Beispiel während zweier Tage den Alltag in der Demenzpflege in Japan erleben. Sie konnten aber auch ihr Wissen weitervermitteln. Verschiedene Vorträge über Therapien für Demenzkranke hatten sie nämlich vorbereitet. Dazu gehören etwa die Aromapflege, basale Stimulation sowie Wickel und Auflagen – alles Schwerpunkte der Pflege-Oase von «Pflege im Werdenberg».

Weil einer der Vorträge wegen einem drohenden Taifun abgesagt werden musste, hat ein japanischer TV-Sender die Frauen kurzerhand ins Studio eingeladen und Mitsuko vermittelte ihr Wissen im Fernsehen.

«Wir wurden immer sehr herzlich empfangen», erzählen die Frauen. In manchen Heimen haben die Bewohner sogar etwas vorgesungen oder extra ein paar Worte Deutsch gelernt. Sandra, Ursula und Aisuluu hatten im Gegenzug mit Mitsuko geübt, sich auf Japanisch vorzustellen. Obwohl sie des Japanischen ansonsten nicht mächtig waren, gelang es ihnen erstaunlich gut, sich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern mithilfe von Mimik und Gestik zu unterhalten. Mit im ­Gepäck hatten die Pflegerinnen ausserdem kiloweise «Prügeli» als Mitbringsel. Als grossen Unterschied fiel den Pflegerinnen auf, dass in japanischen Heimen mehr gemeinsame Aktivitäten gemacht werden und die Bewohner dafür sehr motiviert sind. «Das Gemeinschaftsgefühl ist stärker als in der Schweiz», sagt Aisuluu. So stand zum Beispiel ­jeden Morgen eine Art Morgenturnen für alle auf dem Programm. Der Reiseplan war dicht gedrängt. «Unsere Tage in Japan waren ­voller Überraschungen», sagt Sandra rückblickend. Nebst ­Vorträgen und Heimbesuchen wurde der Besuch aus der Schweiz abends oft zum Essen eingeladen und sie lernten auch Mitsukos ­Familie kennen. Einmal wurde der hohe Besuch aus der Schweiz sogar vom Bürgermeister höchstpersönlich empfangen. Trotzdem durfte das Sightseeing natürlich nicht fehlen. Reisfelder, Tempel, das Meer, ein traditionelles altes Städtli und natürlich die Hauptstadt. «Die enorme Grösse von Tokio hat mich sehr beeindruckt», erzählt Ursula. Auf den Strassen sei es aber ruhiger als in der Schweiz, weil viel mehr Elektroautos unterwegs sind.

Japanischer Arzt will sich revanchieren

Die Strecke von Kyoto nach Tokio reisten die vier mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der die Strecke von 500 Kilometern in nur zwei Stunden schafft. Von Tokio aus flogen sie schliesslich – um viele Erfahrungen und Eindrücke reicher – zurück in die Schweiz. Die Frauen schliessen nicht aus, sich wieder einmal mit japanischen Pflegerinnen und Pflegern auszutauschen – konnten doch beide Seiten voneinander profitieren. Im kommenden Jahr möchte ein in Japan bekannter Demenz-Arzt in die Schweiz kommen und auch «Pflege im Werdenberg» in Grabs besuchen.

Blog der Japan-Reise

www.jupi-japan.jimdo.com

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