GRABSERBERG: Der Apfelkönig vom Grabserberg

Äpfel begleiten den 60-jährigen Hans Zogg bereits sein ganzes Leben lang. Tausende Tonnen Äpfel haben er und seine Familie zu Most verarbeitet. Einen Tag ohne ein Glas Most gibt es bei ihm nicht.

Alexandra Gächter
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Hans Zogg vor seinem Brennapparat. Im Gegensatz zu früher wird heute weniger Most, dafür mehr Schnaps verkauft. (Bilder: Alexandra Gächter)

Hans Zogg vor seinem Brennapparat. Im Gegensatz zu früher wird heute weniger Most, dafür mehr Schnaps verkauft. (Bilder: Alexandra Gächter)

Alexandra Gächter

alexandra.gaechter@wundo.ch

Das Jahr 1957 war ein schlechtes Apfeljahr im Werdenberg. Ausgerechnet in jenem Jahr erblickte Hans Zogg das Licht der Welt. Sein Vater war «Moster», seine Mutter auch. Die familieneigene Mosterei bestand zu diesem Zeitpunkt seit zehn Jahren. Wie in einem Familienbetrieb üblich, half die ganze Familie mit. Auch Hans Zogg und seine fünf Geschwister.

Hans Zogg erinnert sich, dass früher die Äpfel mit Pferd und Wagen angeliefert wurden. Die Arbeit war schwer, die Arbeits­zeiten lang. «Manchmal haben wir bis Mitternacht gemostet.» Als Kind habe er jeweils die Holzfässer gereinigt, welche ein Fassungsvermögen von 1000 bis 2000 Liter hatten. Durch ein kleines Loch kroch er hinein und schrubbte die Wände mit einer Bürste. «Mein Vater kam nicht mehr durch das Loch, deswegen war dies die Arbeit für uns Kinder.» Auch erinnert sich Hans Zogg, wie er von Hand kübel­weise Saft von der Mostpresse in die Fässer leerte. Heute geht das automatisch. Auch das Reinigen geht heute «viel ringer», wie er sagt.

Vater eignete sich das nötige Wissen selbst an

Die gepressten Äpfel, den sogenannten Trester, assen die Geschwister Zogg im Herbst gerne. Zudem gab es täglich Apfelsaft. Später stieg Hans Zogg auf sauren Most um. Den trinkt er nun ebenfalls täglich. «Früher wurde in der Region viel mehr Most getrunken», so Zogg. Geändert habe sich dies, weil die Landwirte heute Maschinen führen und grosse landwirtschaftliche Gefährte ­haben. Auf der Strasse gilt die 0,5-Promille-Grenze, während früher bei der Feldarbeit niemand den Alkoholpegel des Landwirts kontrollierte.

Weiters wurden durch die Motorisierung auf dem Grabserberg wie auch anderswo mehr Strassen gebaut. Etliche Obstbäume mussten diesen weichen. «Auf dem Grabserberg gab es früher vierzigmal mehr Apfel­bäume», so Zogg. Auf dem Land seines Grossvater standen viele solcher Bäume. Vielleicht sei sein Vater deshalb auf die Idee gekommen, eine Mosterei zu gründen. Das Handwerk dazu hat er sich selbst beigebracht. Er war Bauernsohn und hat keine Ausbildung absolviert. «Mein Vater war ein Tüftler und hat einfach alles gekonnt», so Zogg. Sein Haus habe er selber gebaut. Auch die Möbel hat Hans Zoggs Vater selber geschreinert. «Seine Arbeit war nicht nur präzise, sondern hatte auch Qualität.» Mit Hans Zoggs Söhnen lebt bereits die dritte Generation in diesem Haus.

Woher sein Vater das Wissen über das Mosten und Brennen erlernte, darüber kann Hans Zogg nur spekulieren. Sicher ist, dass es früher etliche kleine Hausbrennereien gab. Viele in der Region wussten, wie man Schnaps brennt und hatten ihre eigenen Rezepturen. Irgendwann müssen sich wohl die Bestimmungen geändert haben, sodass nur noch eine bestimmte Menge für den Eigenbedarf gebrannt werden durfte. «Aber so genau weiss ich das nicht», so Zogg. Jedenfalls seien einige kleine Brennereien verschwunden. Ende der Vierzigerjahre hatte sein Vater eine Genehmigung zum Brennen erlangt und seine Mosterei mit der Schnapsbrennerei erweitert. Etwa zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftete sein Vater mit Most, einen Drittel mit Schnaps. Vier Sorten bot er damals an: Kräuter-, Zwetschgen-, Kirsch- und Tresterschnaps. Heute ­stehen 22 Sorten im Gestell von Hans Zogg. Das Verkaufsverhältnis Most/Schnaps sei nun um­gekehrt. Im Trend liege zudem das Chörbliwasser. Und so kommt just während des Ge­spräches ein Paar vorbei, um zwei Flaschen Chörbliwasser zu ­kaufen. Kaum draussen, kommt ein Mann und möchte fünf ­Flaschen «Alte Zwetschge», ein weiterer Verkaufsschlager von Hans Zogg. Der nächste Kunde, ein älterer Mann, kauft sich danach ebenfalls eine Flasche Schnaps und sagt zwinkernd: «Seit ich jeden Tag einen Schluck Schnaps trinke, geht es mir viel besser.»

Viele Rezepturen hat Hans Zogg selbst entwickelt oder weiterentwickelt. So stehen neben den üblichen Schnapssorten auch Hörpfel- oder Hünggelerschnaps im Regal. Das Rezept des Kräuterschnapses hat er von seinem Vater übernommen. «Der Schnaps wird immer noch mit der genau gleichen Kräutermischung produziert wie in den Vierziger­jahren.» Darauf ist Zogg stolz. Denn Vaters Kräuterschnaps hat eine Auszeichnung gewonnen.

Im Gegensatz zu seinem Vater hat Hans Zogg das Mosterei- und Brennereihandwerk in verschiedenen Kursen gelernt. Ursprünglich absolvierte er eine Zimmermann-Ausbildung. Mit 20 Jahren half er vermehrt seinem Vater beim Mosten und mit 30 Jahren übernahmen er und sein Bruder die Firma des Vaters.

Ein vierfaches Jubiläum

Das Jahr 2017 ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes. Hans Zogg feiert seinen 60. Geburtstag. Seit 40 Jahren mostet er und seit 30 Jahren ist er Geschäftsführer der Zogg Mosterei und Brennerei AG. Die Firma feiert dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Ausserdem gab es im Jahr 2017 genauso wenig Äpfel wie in Hans Zoggs Geburtsjahr. Ein Zufall. Die Jubiläumsfeier des Familienunternehmens wurde auf den 11. November gelegt, weil dann der ­Nationale Brennertag ist. Es ist ausserdem Hans Zoggs Geburtstag. Ein weiterer Zufall.

11. November, 10 bis 17 Uhr: 70 Jahre Zogg Mosterei und Brennerei AG, Unterwis: Schaubrennen, Festwirtschaft und Schnüffelbar.