GRABS: Torf vom Grabserberg war einst gefragt

Das Hochmoor Gamperfin ist von nationaler Bedeutung und ist entsprechend geschützt. Das war nicht immer so. Noch während des Zweiten Weltkriegs wurde dort Torf abgebaut.

Hansruedi Rohrer
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Blick auf das Hochmoor der Alp Gamperfin vor 100 Jahren mit Torfstechern an der Arbeit. (Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer)

Blick auf das Hochmoor der Alp Gamperfin vor 100 Jahren mit Torfstechern an der Arbeit. (Bilder: Archiv Hansruedi Rohrer)

Hansruedi Rohrer

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Bereits nach dem Jahr 1850 erfolgten Torfnutzungen aus dem auf 1330 Meter über Meer liegenden Hochmoor Gamperfin. Auch um das Jahr 1880 wurden weitere Versuche gestartet. Aufgrund des schlechten Weges zum Abtransport gestochener Torf-Portionen, der sogenannten Turben, sowie des billigen Holzes zum Heizen gab man dieses Unternehmen wieder auf. Nebst zur Boden­verbesserung verwendete man vor allem zu Briketts gepressten Torf für Heiz­zwecke. Die grössten Eingriffe zur Ausbeutung des Materials geschahen während der beiden Weltkriege.

Hohe Holzpreise, und um das Turbenriet wieder nutzbar zu machen, veranlassten am 25. März 1917 den Orts­verwaltungsrat Grabs, der Genossen­versammlung einen Antrag über Nutzbarmachung der grossen Boden­fläche zu stellen. Der Antrag wurde angenommen und dem Verwaltungsrat der Auftrag erteilt, das Projekt zu verwirk­lichen. Umso mehr, als zu jener Zeit – es war der Erste Weltkrieg – Mangel an Brennholz und Kohle herrschte.

«Gleich viel wert wie das gleiche Quantum Buchenholz»

Es musste Ersatz gefunden werden. Bevor es zum weiteren Abbau auf Gamperfin kam, wurde ein Torfmuster an die Prüfungsanstalt für Brennstoffe in Zürich gesandt. Das Resultat war hervorragend. Die Grabser Turben ergaben luftgetrocknet 4779 Wärmeeinheiten. Holz besass nur 2800 Wärmeeinheiten. Am 22. Juni 1917 besichtigten zwei Experten das Hochmoor Gamperfin. Sie kamen zur folgenden Ansicht: «Die Turben sind unbedingt gut, in lufttrockenem Zustande ist ein Ster Turben soviel wert als das gleiche Quantum Buchenholz. Allerdings erschwert die hohe Lage, die grosse Ent­fernung von Dorf und Bahn, trotz der verhältnismässig guten Wegsame, den rationellen Betrieb und die grosse Ausbeutung. Bei den derzeitigen Preisen der Brennmaterialien dürfte ein Versuch ohne Bedenken gemacht werden, und zwar sollte dies, um die Sommerwärme benützen zu können, möglichst bald geschehen.»

Anfang Juli 1917 begannen die Ar­beiten unter der Anleitung von einigen geübten «Turbengräbern». Aus einer Zeitungsnotiz vom 3. Juli 1917 ist dazu folgendes entnommen: «Im Gamper­finer Turbenriet mit 10 Hektaren gleich 100 000 Quadratmeter Flächenmass steckt ein erhebliches Kapital, wenn die nutzbare Torfschicht auch nur 1 Meter stark berechnet wird, während dieselbe bei einem Probeloch mehr als zwei­einhalb Meter beträgt. Höchstpreis für schwere Ware 14 Franken per Ster. Ein ziemlicher Teil, wir wollen sagen, der grössere, geht in Löhnen auf. In gegenwärtiger Zeit ist auch dieser Verdienst willkommen, umso mehr, als auch jüngere und schwächere Personen beschäftigt werden können.»

Auch im Zweiten Weltkrieg wurde Torf abgebaut

Den Grabser Stimmberechtigten wurde vorgängig der Ortsbürgerversammlung vom 7. März 1943 ein Gutachten betreffend «Ausbeutung im Turbenriet» zugestellt. An der Versammlung selber genehmigten sie nach eingehenden Diskussionen folgenden Antrag: «Die heutige Genossenversammlung stimmt dem von ihrem Verwaltungsrate vorgelegten Vertrag mit der Firma Torfstreufabrik AG, Oberriet, betreffend Ausbeutung des Turbenrietes in Gamperfin zu. Genehmigung durch den Regierungsrat vorbehalten.» Damit wurde die Torfgewinnung auch in den Zeiten des Zweiten Welt­krieges bestimmt. Und es gab damit eine nicht unbedeutende Verdienstmöglichkeit. «Die jetzige Konzessionärin, der Fachleute zur Verfügung stehen, bietet Gewähr, dass nun systematisch gearbeitet und damit eine Qualität Torf in den Handel gebracht wird, die sicher bald ­einen guten Ruf haben wird», meldet die Lokalzeitung vom 9. März 1943. Zur Ausbeutung mussten verschiedene Entwässerungsgräben angelegt werden. Aus dem längsten, dem «grossen Graben», konnten rund 15 000 Kubikmeter Torf entnommen werden. Der Abbau geschah noch bis ins 1949. Im Sommer jenes ­Jahres wurde der letzte Wagen Torf im Bahnhof Buchs verladen.

In den Jahren 2010 und 2011 wurde der grosse Graben verfüllt. Damit gelang die Moor-Renaturierung Gamperfin als eines der grössten Naturschutzprojekte der Gemeinde Grabs.