GRABS: Stickmaschine zieht um

Im ehemaligen Stickerdorf wurde eine Handstickmaschine aus dem Jahr 1903 abmontiert. Im Saurer-Depot in Arbon wird sie bald wieder in ganzer Pracht zu sehen sein.

Heini Schwendener
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Der vordere der beiden Stickwagen wird abmontiert. Das schwere Teil aus Gusseisen erfordert viele zupackende Hände. (Bild: Heini Schwendener)

Der vordere der beiden Stickwagen wird abmontiert. Das schwere Teil aus Gusseisen erfordert viele zupackende Hände. (Bild: Heini Schwendener)

Heini Schwendener

heini.schwendener@wundo.ch

Während Jahrzehnten prägte die Stickereiindustrie die Wirtschaftsstruktur und das Dorfbild der ­Gemeinde Grabs. In der Blütezeit der Maschinenstickerei ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Zwischenkriegszeit lebte teil­weise jeder dritte Erwerbstätige direkt oder indirekt von der ­Stickerei.

Auf diese goldene Zeit folgte aber sehr schnell die bleierne ­Krise. Heute gibt es im Dorf nur noch einige stumme Zeugen der einstigen Stickereizeit, nämlich die länglichen Anbauten an alten Häusern mit ihren hohen Fenstern. Inzwischen schlummert in nur noch ganz wenigen dieser ehemaligen Sticklokale eine seit Jahrzehnten unbenutzte Stick­maschine vor sich hin. Denn die meisten ihrer Artgenossinnen wurden inzwischen verschrottet. Und die Sticklokale wurden abgerissen oder sie werden als Wohnraum, Werkstatt oder als Atelier genutzt. Das Verschrotten dieser gusseisernen, tonnenschweren Maschinen kostet mehr als der Alteisenpreis einbringt.

Eine Monogramm-Handstickmaschine, die bis am Montag unbenutzt im Sticklokal an der Staudenstrasse 9 in Grabs stand, hat eine rosigere Zukunft vor sich. Eine Gruppe von Pensionären rückte der Maschine der Firma Saurer aus dem Jahr 1903 nicht mit Schlaghämmern, sondern mit Schraubenschlüsseln zu Leibe. Die Maschine wurde in grössere und kleinere Einzelteile zerlegt und mit eigentlichen Kraftakten aus dem Lokal und auf einen Lastwagen gehievt. Die Maschine wird in den nächsten Tagen im Depot des Saurer-­Museums in Arbon wieder zusammenmontiert und öffentlich zugänglich gemacht.

Der Demontage wohnten der Hauseigentümer und sein Architekt bei, die das Sticklokal umbauen werden, ausserdem eine Gemeinderätin und eine Vertretung der Denkmalpflege. Denn das Haus, an dem das Sticklokal vor mehr als 100 Jahren angebaut wurde, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es ist eines der ältesten Häuser der Gemeinde und steht unter Denkmalschutz. Die Fassade ist noch weitgehend im Originalzustand.5