GRABS: Selbstwertgefühl wird gesteigert

Das Lukashaus und die Vermittlungsagentur für temporäre Arbeit Monper beschreiten gemeinsam neue Wege. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren.

Heini Schwendener
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Maik Ursof und Gitte Dobler-Insam vom Lukashaus sowie Patricia Businger von der Vermittlungsagentur Monper (von links) beschreiten neue Wege bei der Integration von Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Maik Ursof und Gitte Dobler-Insam vom Lukashaus sowie Patricia Businger von der Vermittlungsagentur Monper (von links) beschreiten neue Wege bei der Integration von Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt.

Heini Schwendener

In fast allen Betrieben – ob gross oder klein und egal aus welcher Branche – liessen sich Arbeiten finden, die von Menschen mit Behinderung verrichtet werden könnten. Davon ist Gitte Dobler-Insam, Bereichsleiterin im Lukashaus in Grabs, überzeugt. Sie weiss aber auch, warum letztlich doch so wenig Menschen mit Behinderung im Arbeitsmarkt eine (Teilzeit-)Anstellung finden: «Es ist primär die Angst der Arbeitgeber vor grossen administrativen Hürden.»

Eine Lösung für dieses allseits bekannte Problem hat Thomas Bräm mit seinem Projekt mitschaffe.ch in Schaffhausen gefunden und erst kürzlich an der Werdenberger Wirtschaftstagung präsentiert (vgl. Titelseite). Wegen der grossen räumlichen Distanz zu mitschaffe.ch wurde eine regionale Lösung angestrebt. Bei Patricia Businger von der Personalvermittlungsagentur für temporäre Arbeit Monper in Altstätten stiess das Anliegen auf offene Ohren.

Monper baut bürokratische Hürden ab

Patricia Businger, die seit 16 Jahren im Geschäft der Temporärarbeit tätig ist, hat in ihrem Kundenstamm die Fühler ausgestreckt und ist bei einigen Arbeitgebern auf Interesse gestossen, hat aber auch deren Berührungsängste gespürt. Dank der Vermittlungsagentur entfallen die administrativen Hürden für die Arbeitgeber, denn sie können über Monper abrechnen, ohne Risiko für die betriebsinterne Versicherung und die eigene Pensionskasse. Und auch Fragen zu krankheitsbedingten Ausfällen, zur Arbeitssicherheit und Unfallversicherung klärt Patricia Buser. Sie sagt: «Vom Ablauf her ist es für mich kein Unterschied, ob ich Menschen mit Behinderung oder ohne vermittle», natürlich gebe es aber einige zusätzliche Abklärungen. So werde etwa die paritätische Kommission immer gleich von Beginn weg informiert, um nicht hinterher Probleme zu bekommen.

Monper nimmt einen grossen Aufwand für einen letztlich geringen finanziellen Ertrag auf sich. «Das Geld ist sicher nicht der Antrieb, dass wir da mitmachen», sagt Patricia Businger, «für mich ist das ein interessantes, neues Gebiet. Wir machen das wirklich gerne, denn wir haben doch auch eine soziale Verantwortung gegenüber den Menschen mit Behinderung.» Beim Lukashaus ist man sehr dankbar über das Engagement von Monper.

Dank dieser Zusammenarbeit kamen seit August dieses Jahres bereits sieben Vermittlungen zustande. Sie reichen von Tageseinsätzen einmal pro Woche bis zu Temporäranstellungen von annähernd 100 Prozent. Maik Ursof vom Lukashaus nimmt dann jeweils die Funktion des Jobcoaches ein.

Er steht den vermittelten Personen bei, bringt sie vorgängig zum Schnuppern in die Betriebe, damit sich die Arbeitgeber ein Bild von ihnen und ihren Fähigkeiten machen können. Ursof ist auch Ansprechperson für die Arbeitgeber. Die bisherigen Erfahrungen seien gut, sagt Maik Ursof. Dass es natürlich auch schon Probleme gegeben habe, verschweigt er nicht. Genau in solchen Situationen ist er dann speziell gefordert.

Hinaus aus dem geschützten Rahmen

Ziel solcher Anstellungen ist es, dass sich die Menschen mit Behinderung zunehmend selbständig in der allgemeinen Arbeitswelt bewegen können. «Wir möchten, dass die Leute aus dem geschützten Rahmen des Lukashauses hinauskommen in die Welt, wo sie sich behaupten müssen», erklärt Gitte Dobler-Insam.

Die Firma Sigma-Aldrich in Buchs pflegt gute und nachhaltige Beziehungen zum Lukashaus. Sie hat sich bereit erklärt, dank der Dienstleistungen von Monper, einen Lernenden PrA (Praktische Ausbildung) mit JobcCoaching durch das Lukashaus auszubilden.

Gitte Dobler-Insam und Maik Ursof wissen, wie wichtig eine Arbeitsstelle für «ihre» Leute sein kann: «Eine Stelle hebt das Selbstwertgefühl der Betroffenen und gibt ihnen eine Tagesstruktur, was oft sehr wichtig. Und sie sind stolze Mitarbeiter und sorgen häufig für ein gutes Betriebsklima.»

Arbeitgeber, die Interesse an einer solchen Zusammenarbeit haben, wenden sich bitte an Maik Ursof, Lukashaus Grabs, Telefon 081 750 31 81, E-Mail: info@lukashaus.ch.