GRABS: Mit fahrbarem Hotel durch Amerika

Aus einem anfänglichen Jux ist die Reise ihres Lebens entstanden. Jonas Scheidegger und Andrea Stäheli hatten im vergangenen Jahr entschieden, die Panamericana von Alaska bis Argentinien zu fahren. Mit ihrem Van waren sie über neun Monate unterwegs.

Julia Kaufmann
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Nach neun spannenden Monaten sind die beiden Grabser am «Ende der Welt» in Ushuaia angekommen. (Bilder: Andrea Stäheli und Jonas Scheidegger)

Nach neun spannenden Monaten sind die beiden Grabser am «Ende der Welt» in Ushuaia angekommen. (Bilder: Andrea Stäheli und Jonas Scheidegger)

Julia Kaufmann

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Schon viele Länder in Europa bereist, wollte das abenteuerlustige Paar aus Grabs eine neue spannende Reise antreten. Das Fernweh führte Andrea Stäheli und ­Jonas Scheidegger nun nach Amerika. Ihr Ziel: Die Panamericana innert eines Jahres mit ihrem ­eigens dafür umgebauten VW-Bus zu fahren. Gestartet sind die ­beiden im Juli 2016. Nach neun abenteuerlichen Monaten und rund 52 000 gefahrenen Kilometern, in denen sie durch Wüsten, tropische Dschungel, endlos scheinende Wälder und über hohe Andenpässe gereist sind, erreichten sie das «Ende der Welt», Ushuaia in Argentinien, im April dieses Jahres. Nun könnten die beiden stundenlang Geschichten erzählen. Denn zu erleben gab es viel. Obwohl sie sich mit korrupten Behörden herumschlagen mussten, eine Panne hatten und ein heftiger Sturm ihnen einen Strich durch die Rechnung machte, blickt das Paar auf viele Höhepunkte zurück, die sie in einer DVD festgehalten haben.

Eigener VW-Bus darf auf Abenteuer nicht fehlen

«Der Zeitpunkt, in ein neues Abenteuer aufzubrechen, war für uns optimal», sagt die Grabserin. Aber nicht etwa, um vor ihrem Leben in der Schweiz wegzu­laufen oder weil sie nicht mehr zufrieden mit dem wären, was sie haben, sondern um einen ­neuen Flecken Erde zu erkunden. «Bereits als ich meinen Job gekündet habe, Andrea unbezahlten Urlaub beantragte und wir die Wohnung aufgaben, war für uns klar, wieder in die Schweiz ­zurückzukehren. Sie ist unsere ­Heimat», so Scheidegger. Da das Paar schon oft mit seinem eigenen VW-Bus unterwegs war, stand für sie zudem fest, auch die Panamericana mit diesem an­zutreten, sagt der Grabser: «Als eine der Vorbereitungen, die wir für diese Reise trafen, habe ich unseren Van weiter optimiert.» Unter anderem beinhaltet der Umbau eine neue Küchenzeile inklusive Kühlschrank sowie zusätzlichen Stauraum für das viele Gepäck.

Was der Abenteurer bis dato als Hobby ausführte, ist nach seiner Rückkehr zum Beruf geworden: Mit der Firma «camperX» rüstet er nun professionell Camper für Reisen aus.

Zerreissproben einwandfrei überstanden

Im englischsprachigen Raum Amerikas sind die beiden kaum Herausforderungen begegnet. In Zentral- und Südamerika gab es diese hingegen zur Genüge. Nach zehn Tagen in Mexiko wurde das Paar erstmals von korrupten Polizisten ins Visier genommen. Mit Bezahlung von Bestechungsgeld liessen diese wieder ab. «Wir haben uns jedoch gesagt, nicht immer bezahlen zu wollen. Schliesslich haben wir gar nichts falsch gemacht. Aus diesem Grund musste eine neue Taktik her», erklärt Stäheli schmunzelnd. Diese sah schliesslich so aus, den Polizisten geduldig zuzuhören und dann vorzugeben, man würde kein Wort des Gesagten verstehen – was mehr oder weniger auch der Wahrheit entsprach.

Durch die Diskussionen hätten sie wohl oder übel ein paar Brocken Spanisch gelernt, was sich für den weiteren Verlauf der Reise aber als nützlich erwies. Denn die grössten Geduldsproben waren allesamt bürokratischer Natur. Das Passieren von Grenzübergängen habe sich als sehr kompliziert herausgestellt, so Scheidegger: «Wir mussten stets den Weg aus dem Chaos finden und die nötigen Papiere auftreiben, um unsere Reise fortzusetzen.» Auch das Klima sei ab und zu ­herausfordernd gewesen. Von ­extremer Hitze bis zu unter null Grad haben sie alles durchgemacht. Aber im Vergleich zum sonstigen Erlebten haben diese Schwierigkeiten keinen Stellenwert. Die landschaftliche Vielfalt mit ihrer oft unberührten Natur sind für beide absolute Höhepunkte. Insbesondere das Yukon-Territorium in Kanada hat es dem Grabser angetan: «Die Stimmung dort war unbeschreiblich. Wir konnten wilde Tiere beobachten, die Nordlichter bestaunen und haben über 1000 Kilometer lang keine Menschenseele gesehen.» Auch gesamthaft gesehen sei ­Kanada optimal gewesen. «Der Sicherheitsstandard ist sehr hoch, wir haben hervorragend gegessen und die Verständigung war kein Problem», so die Grabserin.

An «Hochleistungskultur» wieder gewöhnen müssen

Zurück in der Schweiz war es ­anfangs nicht leicht, sich wieder in den Alltag einzuleben. «Die Uhren ticken hier viel schneller», sind sie sich einig. Das Wäschewaschen auf ihrer Reise hingegen konnte sich beispielsweise zu einer mehrtägigen Aufgabe entpuppen. Dass es in der Schweiz weniger kompliziert ist, darüber ist das Paar aber froh. Es gibt vieles, was es aufs Neue zu schätzen lernte: Wandern, gemeinsam im Migros einkaufen, ohne dass einer draussen auf den Van aufpassen muss. Oder Strassen ohne Schlaglöcher.

Um dieses gegensätzliche Leben ihren Familien und Freunden bestmöglich vor Augen führen zu können, haben die Grabser vor ihrer Reise beschlossen, einen 90 Minuten dauernden Dokumentarfilm zu drehen. Entstanden ist ein authentischer und hochwertiger Film, der alle begeistert. «Da die Dokumentation ebenfalls als Reiseinspiration gedacht ist, war es unser Ziel, ein reales Bild der Reise zu zeigen und nichts zu ­beschönigen», sagt Stäheli. Nun zeigen gar einige Reisemagazine grosses Interesse an ihrem Film und der Geschichte der Grabser.

Hinweis

Der DVD ihrer Reise ist auf der Internetseite camperx.ch erhältlich.