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GRABS: Lange Tage, viel Zufriedenheit

Nach etwas mehr als 34 Jahren wird Dr. med. Markus Hitz pensioniert. Mit einem Rucksack voll guten Erinnerungen zieht es ihn zu seinen Prättigauer Wurzeln zurück.
Hansruedi Rohrer
Dr. med. Markus Hitz verlässt nach mehr als drei Jahrzehnten seine Dorfpraxis in Grabs und widmet sich als Pensionär einem neuen Projekt. (Bild: Hansruedi Rohrer)

Dr. med. Markus Hitz verlässt nach mehr als drei Jahrzehnten seine Dorfpraxis in Grabs und widmet sich als Pensionär einem neuen Projekt. (Bild: Hansruedi Rohrer)

Hansruedi Rohrer

redaktion@wundo.ch

Für den beliebten Dorfarzt Markus Hitz ist die Zeit der Pensionierung gekommen. Etwas emotional aufgewühlt hatte er seinen letzten Hausbesuch am Grabserberg gemacht und auch den letzten Patienten-Arbeitstag vergangene Woche durchgestanden. Er verlässt das 1890 erbaute und heute topmoderne Doktorhaus mit digital eingerichteter Praxis an der Dorfstrasse. Doch er blickt gerne auf seine schöne, aber oft herausfordernde Zeit zurück.

In den Finken an den Arbeitsplatz

Markus Hitz kam seinerzeit von Davos nach Grabs und übernahm am 30. Juni 1983 die Praxis von seinem Vorgänger Balz Widmer. Innerhalb von 14 Tagen renovierte der «neue» Dorfdoktor die Praxis. «In Tag- und Nachtschicht», wie er sagt, sodass er am 11. Juli mit der ersten Sprechstunde beginnen konnte. «Und das mit vollem Zimmer.» Markus Hitz kaufte die Praxis, was damals üblich war, und richtete sich auch eine Wohnung für die Familie mit drei Kindern im oberen Hausteil ein. «Ich konnte in den Finken zur Arbeit.» Der Arbeitstag dauerte von 7.30 bis häufig abends um 22 Uhr. So erfolgte der Start des neuen Doktors im Dorf recht gut.

«Man war natürlich schon der Öffentlichkeit ausgesetzt; die Leute wollten wissen, was dieser Doktor alles macht, wie er die Hecken schneidet oder warum er am heiterhellen Werktag (einem freien Tag) mit dem Velo nach dem Grabserberg fährt», erinnert sich der Mediziner schmunzelnd. Markus Hitz erlebte eine sehr schöne Zeit in Grabs, wie er versichert. «Ich genoss das Hausarzt-Sein hier, doch als es zur Zeit der ersten Hausbesuche – vor allem nachts – am Grabserberg noch keine Strassenbezeichnungen gab, war dies eine grosse Herausforderung. Doch mit der Zeit lernte ich den Berg und die Höfe, die Wege und Weiler gründlich kennen.» Tag und Nacht, bei Schnee oder Föhn, führte ihn der Weg nach oben. «Und jetzt soll das vorbei sein?» Bei seinem letztem Hausbesuch tat Markus Hitz etwas, das er noch nie machte: «Ich nahm einen Flachmann und drei Gläser mit und verabschiedete mich bei den Leuten mit einem Schnäpslein», sagt er im Gespräch mit dem W&O.

Markantestes Erlebnis nach Mitternacht

Zweimal in der Woche begab sich Markus Hitz früher jeweils am Nachmittag auf Hausbesuch-Tour. Doch das markanteste Erlebnis für ihn war jene Situation nach einem Telefonanruf um Mitternacht, mit der Mitteilung, dass es einem Gast im Skihaus Gamperfin schlecht gehe. Der Doktor erzählt: «Es war Winter, und es schneite an diesem Tag ununterbrochen. Ich war nicht sehr erfreut, als es hiess, ich müsse diesen Gast untersuchen. Ich sah die Schwierigkeit, nach oben zu gelangen und riet, dem an Bauchschmerzen leidenden Mann doch Tabletten zu verabreichen. Nach einer Stunde ein erneuter Telefonanruf: Jetzt hiess es handeln, obwohl ich nicht wusste, wie hoch ich fahren konnte. Auf alle Fälle nahm ich noch Ski und Felle mit. Ich rückte aus und fuhr mit meinem Panda los, durch den Tiefschnee, an Wächten vorbei und traute meinen Augen nicht mehr, als ich beim Skihaus ankam. Es war ein Notfall, aber der Krankenwagen würde da nicht da nicht raufkommen. Also lud ich den Patienten ins Auto und fuhr bei voller Konzentration wieder den Berg hinunter und direkt zum Spital. Morgens um vier Uhr konnte ich mich wieder ins Bett legen, doch der Tag ging anschliessend wie gewohnt weiter. Der Mann hatte einen Magendurchbruch erlitten und war mir später sehr dankbar für die Hilfe unter diesen schwierigen Verhältnissen.»

Früher sei die Bereitschaft noch praktisch rund um die Uhr gewesen, was heute anders ist, erklärt Markus Hitz. Heute erledigt der Notfalldienst in der Nacht die Aufträge. Zu den weiteren Veränderungen gegenüber früher sind auch die vielen administrativen Arbeiten, die Protokolle sowie die Arbeitszeitbeschränkungen. Die büromässigen Anforderungen würden ständig hinaufgeschraubt; ob sich damit die Sicherheit verbessere, sei dahingestellt, sagt Markus Hitz. Die Vorschriften würden immer grösser, und das alles unter dem Deckmantel «Qualität». «Dies benötigt viel mehr Zeit, und man hat viel weniger Zeit für den Menschen.» Markus Hitz ist deshalb froh, dass er sich in seinem Berufsleben noch ganz und gar persönlich dem Patienten und Menschen widmen konnte.

Ein Berggasthaus im 40-Seelendörflein

Die Nachfolge im Grabser Doktorhaus ist dem in Pension gehenden Arzt sehr wichtig, und dass die Praxis in guten Händen weiter geführt wird. Das ist nun der Fall: Ein Ärzteteam von begeisterten und schon gut eingearbeiteten Fachkräften steht den Grabsern weiterhin zur Verfügung. «Da möchte ich eigentlich noch gerne zwei oder drei Jahre mitmachen», verrät Markus Hitz. «Wenn ich nicht schon ein neues Projekt hätte, welches mir viel Freude in der Pension machen wird.»

Der in Schiers aufgewachsene Arzt hat zusammen mit seiner Frau das Berggasthaus Alte Post im 40-Seelendörflein Schuders übernommen. «Dort werde ich Mädchen für alles sein und meine Frau im Gastgewerbe unterstützen. Auf alle Fälle komme ich damit wieder zu meinen Wurzeln zurück und ich freue mich darauf.»

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