GRABS: «Kein Huhn, das goldene Eier legt»

Das Anforderungsprofil des Nachfolgers von Otto Hofers Dressurzentrums liegt auf der Hand: Liebhaber des Pferdesports, aber auch vermögend. Denn so eine Anlage ist keine Firma, die auf Gewinn aus ist.

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Otto Hofer möchte sein Dressurzentrum in jüngere Hände geben. (Bild: Robert Kucera)

Otto Hofer möchte sein Dressurzentrum in jüngere Hände geben. (Bild: Robert Kucera)

Robert Kucera

Der Entscheid, kürzer zu treten und das Dressurzentrum in neue Hände zu geben, reifte bereits vor fünf Jahren. Seit jenem Entschluss agiert Otto Hofer äusserst diskret. Er hört sich um, nutzt seine Kontakte zu Liebhabern des Pferdesports im In- und Ausland. Nun ist aber die Zeit gekommen, diese Suche zu intensivieren. Sein Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren eine Nachfolgeregelung zu finden. Wie diese aussieht, lässt Hofer offen. Jede Möglichkeit wird überprüft, ob er zu einem kleinem oder grösserem Prozentsatz beteiligt bleibt, ist unbestimmt. Auch eine Art Genossenschaft könne er sich vorstellen.

Dass das Dressurzentrum in der Familie bleibt, ist kein Thema. Eine solche Übergabe könne der bald 74-Jährige nicht mit gutem Gewissen machen: «Die Anlage ist kein Huhn, das goldene Eier legt. Da muss man schaffen, schaffen, schaffen – und man verdient dabei nichts.» Ausserdem komme der Entscheid der Übernahme für die nächste Dressur-Generation der Familie zu früh: Hofers äusserst erfolgreiche Enkelin Léonie Guerra, Nummer zwei der aktuellen Weltrangliste bei den Junioren, zählt gerade mal 18 Jahre. «Ich gebe ihr für die Zukunft lieber die zwei Pferde und etwas Geld, um die Pferde zu unterhalten, als die Anlage.»

Geeigneter Nachfolger wichtiger als Geld

Wie Otto Hofer betont, wird er mögliche Nachfolger ganz genau prüfen. «Am besten wäre jemand, der eine Tochter hat, die in der Zukunft die gleichen Ziele erreichen will und die wir unterstützen könnten», nennt der ehemalige Weltklasse-Dressurreiter sein Wunschprofil. Vermögende Interessierte gäbe es genug. Doch Hofer sucht gezielt nach wahren Liebhabern des Pferdesports. Idealisten, denen der Sport und die erfolgreiche Weiterführung des Dressurzentrums in Grabs am Herzen liegt. Im Anforderungsprofil eingebettet ist auch der Wunsch, dass Guerra weiterhin hier trainieren darf.

Dass die Nachfolgeregelung nicht einfach ist, musste Hofer bereits feststellen. So nennt er das Beispiel einer vermögenden Schweizer Reiterfamilie. Mit dem Vater, der sich in Grabs alles gut angeschaut hat und dem Besitzer das Kompliment aussprach, noch nie eine so saubere und gepflegte Anlage gesehen zu haben, war sich Otto Hofer schon einig. Doch die Tochter, für die der Interessant den Kauf tätigen wollte, wollte nicht ins Rheintal umziehen. Den Standort nennt der Grabser als Nachteil. «Wären wir im Raum Zürich, dann wären es 100 Leute, die dieses Zentrum haben wollen.» Doch einen Trumpf gibt es dennoch. «Es ist eine Oase der Stille», beschreibt Hofer. «Wir haben Ruhe, wenn wir trainieren. Es herrscht keine Hektik.» Doch potenzielle Nachfolger gibt es auch in der Nähe. «Es ist kein Tal der armen Leute», meint Hofer. Wie er weiter ausführt, gäbe es einige, für die es ein Leichtes wäre, die Anlage zu finanzieren.

Der Chef hat mehr Zeit, um Trainer zu sein

Weiter geführt werden soll auf diesem Platz nicht nur die Karriere von Léonie Guerra. «Ich schaue, dass es so wenig Unruhe wie möglich gibt», so Hofer. Denn das Dressurzentrum ist nicht nur eine Trainingsstätte, sondern auch ein Arbeitsplatz. «Mein Wunsch besteht darin, mit meinen Pferden und meiner Enkeltochter sowie meinen langjährigen Mitarbeitern auf der Anlage weiter zu wirken», formuliert Hofer. Insbesondere mit Betriebsleiterin Patricia Schärli, welche ebenfalls dem Dressursport frönt und in der Elite-Kategorie an den Start geht. Schärli begleitet ausserdem Hofer, seine Frau und Guerra zu den Turnieren und kümmert sich ums Wohl der Pferde. Wenn möglich soll also alles beim alten bleiben, ausser dass es einen neuen Besitzer gibt. Auch die Mieter der Wohnungen auf dem Anwesen sollen, geht es nach dem Wunsch Hofers, bleiben dürfen.

Doch was meint Guerra zur Tatsache, dass ihr Trainer künftig nicht mehr Chef der Anlage ist? «Sie sieht es optimistisch. Ich habe ihr auch gesagt, dass es kein Nachteil sein muss. Denn wenn ich die 1000 Sachen nicht mehr um mich herum zu erledigen habe, habe ich mehr Zeit für sie.» Otto Hofer beziffert den administrativen Aufwand auf zwei bis drei Stunden pro Tag. Zeit, die man künftig ins Training investieren kann. Denn jeden Tag besser werden ist das Ziel des Duos. Wobei Hofer nicht verschweigt, dass er einen Teil der gewonnenen Stunden in die eigene Freizeit einfliessen lassen wolle.

Ist Otto Hofer nicht mehr Besitzer des Dressurzentrums, bleibt mehr Zeit, um Enkelin Léonie Guerra zu trainieren. (Bild: PD)

Ist Otto Hofer nicht mehr Besitzer des Dressurzentrums, bleibt mehr Zeit, um Enkelin Léonie Guerra zu trainieren. (Bild: PD)