Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

GRABS: "Ich bin eben ein Träumer"

Heinz Weber aus Baselland lebt noch kein Jahr hier. Die landschaftliche Schönheit hat er schnell schätzen gelernt und verarbeitet sie in seinen Gedichten. 37 seiner Reime liegen demnächst als Büchlein vor.
Heini Schwendener
Heinz Weber schreibt seit Jahren Mundartgedichte. An der Ausstellung «Grabser Herzblut» werden einige vorgestellt. (Bild: Heini Schwendener)

Heinz Weber schreibt seit Jahren Mundartgedichte. An der Ausstellung «Grabser Herzblut» werden einige vorgestellt. (Bild: Heini Schwendener)

Heini Schwendener

heini.schwendener@wundoy.ch

Wer auf 87 Lebensjahre zurückblicken kann, hat einiges erlebt und viel zu erzählen. So auch Heinz Fritz Weber, wie er mit vollem Namen heisst. Auf die Frage, was um alles in der Welt den Baselbieter im hohen Alter nach Grabs verschlagen hat, blickt der sympathische Pensionär durch die Fenster seiner Wohnung und sagt: "Schauen Sie raus" – rechts der Alpstein, links die Alvierkette – "ich brauche diese Weite, die Luft und die Berge." In Gelterkinden, wo er zuvor gewohnt hat, war es ihm als Pensionär nach dem Tod seiner Frau vor drei Jahren zunehmend zu eng ge- worden.

Die Züglete fiel ihm nicht schwer. Heinz Weber kannte unserer Region nämlich schon von Besuchen bei seiner Tochter, die seit zehn Jahren in Gams wohnt. Die Landschaft hier hat ihn seit je fasziniert.

Aus dem gelernten Mechaniker wird ein Wirt

In die Wiege gelegt war dem Sohn eines Briefträgers die Poesie nicht. Gerne hätte er Koch gelernt, doch das war damals zu teuer. So wurde aus dem Jungen, der seiner Mutter häufig die Arbeit für das Sonntagsmenü abnahm, ein Mechaniker. Zumindest hat er diesen Beruf erlernt. Doch gleich nach der Lehre wurde aus Heinz Weber ein Wirt. Womit er seinem Wunschberuf Koch schon sehr nahe war. In Gelterkinden, Aarau und noch einmal Gelterkinden begrüsste er Restaurantgäste und schwang in der Küche die Kochkellen. Nach 20 Jahren als Wirt wurde Weber, der nie Koch gelernt hatte, schliesslich Chefkoch im neuen Altersheim in Thürnen (BL). Von 1975 bis 1995 dauerte diese letzte Station seiner beruflichen Laufbahn.

Wenn er daran zurückdenkt, kommt Weber ins Schwärmen: "Ich war so erlöst und glücklich mit der Arbeit für die alten Leute. Dies hat mir sehr gut getan." Vorbei war die Zeit, in der er als Wirt manchmal nicht wusste, wie er überhaupt den Pachtzins bezahlen sollte.

Als Altersheimkoch von der Muse geküsst

In dieser "glücklichen Zeit" als Altersheimkoch entdeckte Heinz Weber sein lyrisches Talent. Unzählige Mundartgedichte verfasste er seither und bewahrte sie für sich im Keller auf. Woher nimmt er die Inspiration für seine Gedichte? Weber braucht einfach etwas, was ihn fasziniert – irgendein Objekt, eine Person, eine Naturbeobachtung – und plötzlich sind sie da, die Gedanken, die er dann zu Papier bringen muss. Als müsste er sich dafür entschuldigen, sagt der Dichter: "Ich bin eben ein Träumer."

Weber schreibt nur Mundartgedichte. Als er mit 82 Jahren – "als Ältester", wie er stolz betont – einen Computerkurs besuchte, kam der Wunsch auf, seine vielen Gedichte vom Papier auf die Festplatte zu übertragen. Jemand war ihm dabei behilflich. Schliesslich entstand sogar ein kleines Gedichtbändchen für den Eigengebrauch. Heute ist ihm ein Grosskind behilflich, seine zwischenzeitlich noch immer mit der Schreibmaschine verfassten Texte zu digitalisieren. Irgendwann kam die Idee, doch ein kleines Gedichtbändchen im Eigenverlag zu produzieren. Schon bald ist es soweit: Im Rahmen der Ausstellung "Grabser Herzblut" vom 28./29. April und 5./6. Mai wird Weber seinen Gedichtband vorstellen können.

Vorher, nämlich im März, wird Heinz Weber 88 Jahr alt. Inzwischen schreibt er nicht mehr so viel. "Das Dichten beginnt nun langsam zu harzen. Wegen dem Oberstübli", sagt er ohne Gram und tippt sich an die Stirn.

Viele Freunde hat Heinz Weber in Grabs noch nicht gefunden. Das sei aber auch nicht sein Ziel, "ich bin ein einsamer Wolf", sagt er mit einem Schmunzeln. Ihm genügen offenbar die Weite, die Luft und die Berge.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.