GRABS: Eine gesunde Gemeinde

Der scheidende Gemeindepräsident Rudolf Lippuner sieht viel Positives in «seiner» Gemeinde – auch wenn er gesellschaftliche Veränderungen erkennt, die nicht nur gut sind.

Thomas Schwizer
Drucken
Teilen
Abschied nach 20 Jahren im Amt: Gemeindepräsident Rudolf Lippuner. (Bild: Thomas Schwizer)

Abschied nach 20 Jahren im Amt: Gemeindepräsident Rudolf Lippuner. (Bild: Thomas Schwizer)

Thomas Schwizer

Schon seit einigen Wochen bereitet er die Übergabe an seinen Nachfolger Niggi Lippuner vor. Ordner werden sortiert und in Kisten versorgt, Dateien werden auf den neuesten Stand gebracht. Doch beim Interview mit dem W&O wird deutlich: Rudolf Lippuner übt auch nach 20 Jahren als Gemeindepräsident in Grabs bis am letzten Arbeitstag seinen Job mit vollem Einsatz aus.

Wobei «Job» seinem Verständnis vom Gemeindepräsidentenamt bei weitem nicht gerecht wird. So wird er bis und mit dem 30. Dezember jederzeit auf Abruf für Grabs und die Grabser Bevölkerung bereit stehen. Er hat seine Aufgabe als Gemeindepräsident weitgehend mehr als Berufung denn als Beruf gesehen. So erwähnt er als Erfreulichstes die vielen Begegnungen mit Menschen, die ihm sein Amt gebracht hat. Dabei habe er immer das gesagt, was er gedacht habe. Bei ihm habe man immer gewusst, woran man sei. Und er schätzte es, wenn sein Gegenüber gleich offen gewesen ist. Nur dann könne man miteinander diskutieren und gemeinsam eine Lösung suchen, mit der alle Beteiligten leben können, schildert Rudolf Lippuner seine in den vergangenen zwei Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen.

Vermehrt das Einzelwohl statt das Gemeinwohl

Gewisse Veränderungen in «seiner» Gemeinde macht er aber aus. So sei der Respekt untereinander nicht mehr gleich gross wie früher. Ein freundliches Grüezi oder Hoi sei leider nicht mehr bei allen üblich. Zudem spricht er von einer Betroffenheitsdemokratie. Wenn es um ein Anliegen oder ein Strassenbauvorhaben in einem Dorfteil oder am Berg gehe, dann stellt er fest, dass vermehrt bei anderswo in der Gemeinde wohnenden Bürgern der Eindruck herrsche: «Das geht mich nichts an.» Diese Verschiebung vom Gemeinwohl zum Einzelwohl bereitet ihm Sorgen. Der Anspruch, dass die Gemeinde alles regeln und finanzieren müsse, sei verschiedentlich grösser als das Wahrnehmen der Eigenverantwortung, bedauert er. Das widerspreche seiner liberalen Überzeugung, stellt Rudolf Lippuner fest.

Insgesamt ist er aber davon überzeugt, dass Grabs auch heute noch eine lebens- und liebenswerte Gemeinde ist. Deshalb hofft er, dass Grabs auch künftig Grabs seinen Dorfcharakter im positiven Sinn erhalten kann. Die Finanzlage sei gut, die Verschuldung in den letzten 20 Jahren massiv gesunken – trotz grosser Investitionen in die Infrastruktur. Dank Zuzügen konnte auch die Steuerkraft gesteigert werden, obwohl sie kantonal gesehen noch immer leicht unterdurchschnittlich ist.

Er hat die Gemeinde Grabs auch in zahlreichen regionalen und überregionalen Gremien vertreten. Dabei vertrat er als ­Gemeindepräsident immer primär die Interessen von Grabs. «Aber was wir regional gemeinsam besser lösen können, dass sollen wir gemeinsam lösen», ist seine feste Überzeugung.3