GRABS: Ein Jesus-Nachfolger sein

Fredi Raymann will in Guinea den Herzenswunsch seiner kürzlich verstorbenen Frau Annalies erfüllen: die von ihr betreuten Frauenprojekte weiterführen.

Hanspeter Thurnherr
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Annalies und Fredi Raymann im Februar 2016. (Bild: pd)

Annalies und Fredi Raymann im Februar 2016. (Bild: pd)

In diesen Tagen reist Fredi Raymann zurück zu seinem Missionseinsatz in Kissidougou im westafrikanischen Staat Guinea. Der Ingenieur und Berufsschullehrer wirkte im Auftrag der Schweizer Allianz-Mission SAM seit 2013 in dieser Stadt als «Ausbildner der Ausbildner» in verschiedenen Berufsbildungszentren. Seine Frau Annalies widmete sich Projekten mit den Frauen. Dabei profitierten beide von den Erfahrungen, die sie von 1987 bis 1993 in einem Projekt in Angola gesammelt hatten. Doch nach dem «Heimaturlaub», der letzten Sommer eigentlich nur wenige Wochen dauern sollte, ist vieles anders. Denn im Juli 2016 war Raymanns Frau krank in der Schweiz angekommen. Schon bald wurde bei medizinischen Untersuchungen klar, dass sie Krebs hatte.

Im Januar verlor sie den monatelangen Kampf gegen die Krankheit. Ihr Herzenswunsch: Fredi möge doch die von ihr initiierten Frauenprojekte weiter vor Ort begleiten. Diesem Wunsch versucht er nun nachzukommen – und auch seine eigene Projektarbeit weiterzuführen. Eine grosse Herausforderung. Deshalb gibt er sich eine Probezeit von vier Monaten. «Ich will schauen, wie ich die Situation ohne Annalies erlebe.» Im Sommer wird er in die Schweiz zurückkehren – auch aus familiären Gründen, denn Raymanns haben drei erwachsene Töchter. Eine von ihnen wird dann ihr Studium abschliessen und in Basel als Pfarrerin eingesetzt. Da will der Vater dabei sein.

Gute Gespräche mit Muslimen über Religion
Nach diesem Heimaturlaub wird sich zeigen, ob und wie es in Afrika weitergeht. Im Gespräch ist spürbar, dass der 61-Jährige seine ursprüngliche Motivation, die ihn nach Afrika führte, nicht verloren hat. «Vielleicht gibt es einen Platz, wo ich nützlicher wäre», so umschreibt er die damaligen Motive, sich in Afrika zu engagieren. In den Zeiten der Kolonialisierung wurden Afrikaner oft diskriminiert und unterdrückt. Er habe gespürt, dass die Unzufriedenheit bei den Afrikanern grösser werde. «Millionen von jungen Menschen haben dort nur ein Ziel: ab ins Gelobte Land, konkret nach Europa, um Armut und Elend zu entfliehen.» Doch letztlich entscheidend war für ihn, in seiner Tätigkeit ein «Jesus-Nachfolger» zu sein. Mit der Evangelisch-protestantischen Kirche Guineas hat die SAM einen geeigneten Partner gefunden. Raymann arbeitet in diesem muslimisch geprägten Land auch eng mit den Muslimen zusammen. «Ich habe schon oft mit diesen gottesfürchtigen Menschen gute Gespräche über Religion geführt. Annalies und mir ist dadurch wichtig geworden, ihnen Hoffnung, Würde, Sprache und Perspektive zu geben.»