GRABS: «Dort kann ich einiges bewirken»

Zahlreiche bereits von ihm und seinem Team aufgegleiste Projekte warten in Westafrika auf Rückkehrer Fredi Raymann. Im Zentrum seines Missionseinsatzes steht Bildung in vielfältiger Form.

Hanspeter Thurnherr
Drucken
Teilen
Fredi Raymann instruiert Berufsschüler und Maschinenführer über Bedienung und Unterhalt einer Reisschälmaschine. (Bild: pd)

Fredi Raymann instruiert Berufsschüler und Maschinenführer über Bedienung und Unterhalt einer Reisschälmaschine. (Bild: pd)

Am 14. März wird Fredi Raymann Grabs verlassen, um wieder nach Guinea zu reisen. Ohne seine geliebte Frau Annalies, die mit ihm in den vergangenen drei Jahrzehnten das Leben geteilt hat und kürzlich an Krebs verstarb (siehe Frontseite). Raymann spricht von einem Privileg, dass er die Leidenszeit mit seiner Frau verbringen und sie zu Hause während fünf Monaten pflegen konnte. Gross ist seine Dankbarkeit auch, dass «viele liebe Menschen, Familie, Freunde, medizinisches Personal uns in dieser Zeit begleitet und unterstützt haben».

Trotz allem guten Mutes
So ist er trotz manchem Moment wiederkehrender Trauer guten Mutes. «Wir haben bereits den Container bepackt – mit Material fürs Spital und Prothesen für Leprakranke. Auch Velos und einen Mulcher haben wir eingeladen.» Letzteren, weil Raymann weiss, dass in Guinea in der Landwirtschaft nur mit «ein bisschen Mechanisierung» kostendeckend produziert werden kann. «Mit Handarbeit produzierter Reis kostet mehr als Importreis aus Indonesien. Andererseits kostet ein Liter Diesel ein Drittel eines Tageslohnes», umreisst er die Herausforderung.

Raymann geht die Aufgabe in Guinea nach seiner ungeplant langen Abwesenheit sachte an. «Ich gebe mir eine Probezeit von vier Monaten. Ich will schauen, wie ich die Situation ohne Annalies im Einsatzort Kissidougou erlebe, ob ich die ‹Schiene finde›. Denn ohne Annalies fehlt mir das Gegenüber zum Überlegen, Planen, Hinterfragen… So werde ich wohl nicht mehr soviel leisten können wie vorher. Zudem muss ich auch sehen, wie das neue Team funktioniert.» Denn im letzten Sommer kehrte die Familie Kuhn aus dem Projekt zurück in die Schweiz und neu arbeitet das Ehepaar Wieland dort mit.

Man merkt, dass sich Fredi Raymann auch auf die einheimischen Mitarbeitenden, die Berufsschüler und Studenten der theologischen Ausbildungsstätte freut. «Es gibt unter den Menschen dort viele ‹Perlen›. Einerseits möchte ich die Berufsbildung weiterentwickeln, was meinen eigentlichen Kernauftrag darstellt. Andererseits möchte ich jene Projekte für Frauen weiterführen, welche Annalies am Herzen lagen, insbesondere den Kampf gegen die Mädchenbeschneidung.»

Dass es dabei einen langen Atem braucht, erklärt Raymann auch mit Erkenntnissen aus der Genetik: «Es braucht drei Generationen, bis neue Denkmuster sich in den Genen manifestieren. Jetzt kämpft erst die zweite Generation gegen die Genitalverstümmelung.» Gewisse Fortschritte seien spürbar. «Aber jedes Mädchen, das beschnitten wird, ist eines zu viel.» Aufklärung, Alphabetisierung, Schneiderinnen-Ausbildung und die qualitative Verbesserung der Grundschulen waren weitere Herzensanliegen von Annalies Raymann, die ihr Mann weiterführen will.

Pastoren werden handwerklich ausgebildet
Auch seine weiteren kleinen Projekte möchte er nicht vernachlässigen. Dazu zählen etwa die Ausbildung von Maschinenführern, der Aufbau von Kleinstunternehmen oder die Bildung von Landwirtschaftsprojekten mit genossenschaftsähnlichen Gruppen, die besonders mit Frauengruppen gut funktionieren. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die handwerkliche Ausbildung, welche künftigen Pfarrern nebst Theologie die Fertigkeiten etwa als Bauern, Mechaniker oder Schreiner vermittelt. Damit sollen sie auch ganz praktisch für Gottes Güte Zeugnis ablegen können.

 Fredi Raymann stellt hohe Massstäbe an seine Schüler. Zu ihnen gehören auch die angehenden Berufsschullehrer, die er weiterbildet. Bei den vorwiegend praktischen Prüfungen kennt er jeweils keine Gnade. Wer nicht besteht, muss «nachsitzen». Wer es gut macht, wird aber belohnt: zum Beispiel mit einem Werkzeugkoffer mit einfachen Werkzeugen oder einem Velo. Das motiviert und ist oft zugleich Starthilfe in eine Zukunft als Kleinstunternehmer. Raymann sieht sich heute deshalb zunehmend mehr als Coach, der die Handwerker auf ihrem Weg begleitet.