GRABS: Die Zukunft liegt bei Tieren

Wenn Roland Eggenberger dereinst den Erlenhof seiner Eltern übernehmen wird, will er weiter auf Milchwirtschaft setzen. Er denkt aber auch über Alternativen nach.

Hanspeter Thurnherr
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Roland Eggenberger sieht seine Zukunft als Landwirt auf dem Erlenhof im Grabserriet. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Roland Eggenberger sieht seine Zukunft als Landwirt auf dem Erlenhof im Grabserriet. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@xwundo.ch

Sein Weg scheint seit 14 Jahren vorgezeichnet. Denn damals begann Roland Eggenberger seine Lehre als Landwirt auf einem auswärtigen Hof. Vor zehn Jahren investierten seine Eltern mit dem Neubau des Stalles in die Milchwirtschaft – nicht zuletzt im Hinblick auf eine mögliche Übernahme des Hofes durch den Sohn. Nach der Lehre absolvierte er eine Weiterbildung zum Technischen Kaufmann und arbeitete später in einer Weinhandlung – und in der Freizeit auf dem elterlichen Erlenhof. Seit vier Jahren ist er nun im Sommer zu 50 Prozent und im Winter zu 20 Prozent zu Hause angestellt. Wann er den elterlichen Hof übernehmen wird, ist noch offen. «Aber die Starthilfe zu erhalten ist nur bis 35-jährig möglich», schränkt Roland Eggenberger den Zeitraum ein. Die grössten Schwierigkeiten als Landwirt sieht er bei den vielen Vorschriften. «Wenn du eine Idee hast, stösst du rasch bei Gesetzen und Vorschriften an, weil sie sehr eng gefasst sind. Man hat den Landwirten als Unternehmer viele Freiheiten genommen.»

Erlenhof setzt auf Grundfutter

Lässt sich angesichts der aktuellen Milchproduzentenpreise überhaupt kostendeckend produzieren? Der 30-Jährige antwortet mit einer Gegenfrage: «Was ist kostendeckend? Einen Stundenlohn von rund 30 Franken kannst du vergessen. Dass man als Bauer mehr arbeiten muss als in einem anderen Beruf, um auf den gleichen Lohn zu kommen, ist schon fast selbstverständlich. Aber auf einen anständigen Lohn sollten wir schon kommen.»

Im Zusammenhang mit seiner Meisterprüfung hat Roland Eggenberger eine interessante Studie gemacht. Damals verfütterten sie auf dem Erlenhof zu viel Kraftfutter, so dass sie keine Beiträge für «graslandbasierte Milchproduktion» erhielten. Der Milchpreis betrug zu jener Zeit 68 Rappen. Der junge Landwirt errechnete die Einsparungen beim Verzicht auf Kraftfutter und die graslandbasierten Beiträge mit dem Rückgang des Milchertrages auf – und stellte fest: Damals rentierte es nicht, die Kraftfuttermenge zu Gunsten der Beiträge zu senken.

Inzwischen hat der Erlenhof umgestellt, denn mit den aktuellen, tieferen Milchpreisen geht die Rechnung auf: «In guten Jahren verfüttern wir nur unseren eigenen Mais. In schlechten Jahren kaufen wir die fehlende Menge dazu. Früher haben wir viel mehr dazugekauft.»

Ein zweites Standbein im Hinterkopf

Angesichts grösserer und länger anhaltender Schwankungen beim Milchpreis macht er sich gleichwohl Gedanken zu Alternativen. «Ein zweites Standbein in der Landwirtschaft wie zum Beispiel Poulet- oder Trutenmast, oder die Umstellung von IP auf Bio wären Möglichkeiten. Ich bin aber offen auch für andere Lösungen.»

Allerdings sei im Grabserriet, in welchem der Erlenhof liegt, im Ackerbau wenig möglich. Deshalb möchte Roland Eggenberger bei möglichen Alternativen auf Tiere setzen. Er will sich bei seinen Entscheidungen aber Zeit lassen. Denn oft seien Landwirte einem Trend nachgelaufen, als der Boom schon wieder vorbei war. Klar ist für ihn, dass der Erlenhof momentan mit Milchwirtschaft weiterfahren wird. «Denn ein Stall kostet auch, wenn er leersteht.»

Das Hauptziel von Roland Eggenberger heisst, die Familie ernähren zu können. Da sieht er auf dem Erlenhof durchaus Chancen. «Die Kosten haben wir im Griff, Reserven sind vorhanden, auch dank ein paar guter Jahre.» Und weil seine Eltern vor zehn Jahren günstig gebaut haben. Deshalb ergänzt er: «Viele ‹überlupfen› sich heute bei den Strukturkosten, etwa beim Bau neuer Ställe. Aber auch mit dem Kauf des ‹Statussymbols Traktor›. Aus Neid und Missgunst machen wir uns so gegenseitig kaputt.»