GRABS: Die Intimität des Sterbens

Fünf Plätze bietet das Hospiz im Werdenberg, sieben weitere soll es Ende 2017 in der Stadt St. Gallen geben. Damit ist für die Regierung der Bedarf im Kanton gedeckt.

Armando Bianco
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Die Gäste an der Eröffnung erhielten einen spannenden Einblick in den Alltag der Mitarbeiter im Hospiz Werdenberg. (Bilder: Armando Bianco)

Die Gäste an der Eröffnung erhielten einen spannenden Einblick in den Alltag der Mitarbeiter im Hospiz Werdenberg. (Bilder: Armando Bianco)

Armando Bianco

Am Montag wurde im Pflegeheim in Grabs das Hospiz Werdenberg eröffnet (siehe Titelseite). Es ist das erste seiner Art im Kanton St. Gallen. Die Abteilung im zweiten Obergeschoss ist eigenständig und besteht aus fünf harmonisch gestalteten Einzelzimmern mit integrierten Nasszellen und Balkon. Für die Realisierung hat der Zweckverband Pflegeheim Werdenberg, der von den Gemeinden der Region getragen wird, einen Kredit von 480000 Franken genehmigt, hinzu kam weitere finanzielle Unterstützung, etwa von der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons.

Regierungsrat Martin Klöti zollte an der Eröffnung den Verantwortlichen grossen Respekt für «ihre mutige Pionierleistung» und die Zielstrebigkeit der letzten Jahre. «Sie haben eine Leistung vollbracht, die nur in einem Haus erfolgen kann, das unter guter Führung steht und ein kompetentes Netzwerk hat.»

Mit zwölf Plätzen ist der Bedarf im Kanton gedeckt

Der Standort Grabs deckt den Bedarf des Südteils im Kanton ab und definiert sein Einzugsgebiet entsprechend. Ende des nächsten Jahres wird der Verein Freunde stationäres Hospiz St. Gallen ein Angebot in der Stadt St. Gallen mit sieben Plätzen eröffnen. Martin Klöti brachte die Haltung der Kantonsregierung zum Ausdruck, dass mit dem Hospiz im Werdenberg richtigerweise eine Angebotslücke zwischen der Spitalpflege und Palliative Care geschlossen werden konnte. «Zusammen mit anderen Einrichtungen, der ambulanten Betreuung und Freiwilligenarbeit sollte der Bedarf im Kanton St. Gallen gedeckt sein», sagte der Regierungsrat weiter.

Er sprach auch von einem sorgfältigen Finanzierungskonzept, da die Kosten ausgewogen auf Krankenversicherung, Patienten und die öffentliche Hand verteilt werden – trotzdem ist man auch auf Spenden und Gönner angewiesen. Dass Hospiz und Spital in Grabs in unmittelbarer Nähe liegen, sei ein bedeutender Vorteil.

Die Individualität eines jeden ist Teil des Schicksals

Ein Hospiz kommt zum Einsatz, wenn der Zustand der sterbenden Person kein Akutspital mehr benötigt. Gedanken aus der Sicht eines Mediziners äusserte Yves Crippa, Chefarzt Innere Medizin am Spital Grabs. Man müsse sich bewusst sein, dass die Endlichkeit zum Leben gehört. «Die Individualität eines Menschen ist Teil des Schicksals. Individuell ist auch die Würde bei einem sterbenden Menschen.» Yves Crippa zeigte sich überzeugt, dass die Verantwortlichen des Hospiz im Werdenberg «der Intimität des Sterbens und dem Mysterium des Todes mit ihrer Arbeit gerecht werden».

Im Kern soll das Hospiz ein Ort sein, um in einfühlsamer Umgebung Abschied zu nehmen, zumal eine Versorgung zu Hause wegen mangelnden Betreuungsnetzes oder Überforderung der Angehörigen nicht immer möglich ist. «Das Hospiz ist ein Markstein im Leben. Leben hat mit Würde zu tun, das sollte auch in den letzten Stunden so sein», brachte es Regierungsrat Martin Klöti auf den Punkt.

Vom Konzept des Hospizes Werdenberg überzeugt (von links): Niggi Lippuner, Ludwig Altenburger, Mathias Engler, Rudolf Lippuner und Martin Klöti an der Besichtigung.

Vom Konzept des Hospizes Werdenberg überzeugt (von links): Niggi Lippuner, Ludwig Altenburger, Mathias Engler, Rudolf Lippuner und Martin Klöti an der Besichtigung.