GRABS: Demokratische Kontrolle des Geldes

Vollgeld, also vollwertiges gesetzliches, von der Nationalbank in Umlauf gebrachtes Zahlungsmittel ist das Ziel der gleichnamigen Initiative. Die Mitglieder der EVP Werdenberg liessen sich informieren.

Adi Lippuner
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Auf Einladung der EVP (Evan­gelische Volkspartei), Kreis Werdenberg, referierte der Ökonom Reinhold Harringer am Samstagvormittag im Zentrum Wassergasse, Grabs, über die Vollgeld-Initiative. Diese wurde beim Bund mit rund 110 000 gültigen Unterschriften eingereicht, findet aber bei der WAK (Kommission für Wirtschaft und Abgaben) des Bundes kaum Zustimmung. Ablehnung gibt es auch im Ständerat und demnächst wird die Initiative im Nationalrat debattiert. Voraussichtlich 2018 sollen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger dann entscheiden können.

Die Vizepräsidentin der EVP Werdenberg, Ursula Schweizer, Gams, konnte in der neu re­alisierten Überbauung an der Wassergasse eine stattliche Zahl ­Parteimitglieder begrüssen. Referent Reinhold Harringer ist Ökonom und ehemaliger Leiter des Finanzamts der Stadt St. Gallen. Er hat, zusammen mit Mitstreitern, der heutigen Geld­politik der ­Banken den Kampf angesagt und will mit der Vollgeld-Initiative für mehr Gerechtigkeit der Steuerzahler und der Realwirtschaft sorgen. «Es braucht eine demokratische Kontrolle des Geldes.»

Was will die Initiative? Den Banken soll das Privileg entzogen werden, eigenes Geld zu pro­duzieren, oder um es mit den Worten von Reinhold Harringer zu sagen: «Heute entsteht Geld aus Krediten und dies wollen wir ändern.» Aus Sicht der Initianten sind «ungleiche Spiesse» das Problem. «Das Privileg der Banken, Geld zu erzeugen, kommt einer enormen staatlichen Subvention gleich.»

Dabei meint er nicht «die ­Lizenz zum Geld drucken», sondern: «Die Banken haben heute ungerechtfertigte Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Unternehmen. Diese müssen ihre Mittel für Investitionen zuerst selbst erarbeiten oder zinspflichtig ausleihen. Auch eine ­Privatperson und der Staat können nur so viel Geld ausgeben, wie zur Verfügung steht. Banken dagegen arbeiten heute mit Geld, das sie selbst herstellen.»

Genau hinzuschauen wäre wichtig

Zudem fehle es an Transparenz und Aufklärung der Bevölkerung. «Den meisten ist das Geldsystem nicht bekannt. Dabei wäre es wichtig, ganz genau hinzuschauen. Heute können die Banken mit ihrem sogenannten Eigenhandel ihre Investitionen finanzieren und rentieren deshalb schneller als diejenigen anderer Wirtschaftsteilnehmer», betonte der Referent. Vollgeld dagegen sei Geld, das von der Nationalbank kommt. Ziel der Initiative ist es, dass Banken nur noch verleihen dürfen, was sie von den Sparern und der Nationalbank erhalten.

Für ähnliche Werte einstehen

Daniel Bertoldo, St. Gallen, Kantonalparteipräsident der EVP, betonte, dass die Initiative ähnliche Werte vertrete, wie seine Partei. «Auch wir stellen das Gemeinwohl vor den Gewinn und träumen von einer gerechteren Wirtschaft.» Realität sei, darin waren sich der Parteipräsident und der Referent einig, dass die Finanzmärkte weltweit überborden, dass es eine Konzentration des Reichtums auf wenige gibt und Arm und Reich immer weiter auseinanderdriften. Dies alles sei eine Folge der Finanzwirtschaft, mit Annahme der Initiative könne das System geändert werden.

Adi Lippuner

redaktion@wundo.ch